Anthony Kiedis, Sänger der Red Hot Chili Peppers beim Nova Rock

© /Florian Wieser

Comeback
06/14/2016

Red Hot Chili Peppers: Arme und Träume gebrochen

Freitag erscheint das neue Album "The Getaway", das erste seit fünf Jahren.

von Brigitte Schokarth

"Es war ein verrückter Weg bis hin zu dieser Veröffentlichung", sagt Anthony Kiedis, Frontmann der Red Hot Chili Peppers. "Es gab gebrochene Arme und zerbrochene Träume. Aber ich denke, dass wir diesen Wahnsinn gebraucht haben, um ,The Getaway‘ so gut hinzubekommen, wie es geworden ist."

Sonntagnacht stellten die Kalifornier beim Nova Rock Festival – als finales Highlight vor 50.000 Fans – drei Songs aus dem von Brian "Danger Mouse" Burton (dem Mastermind von Gnarls Barkley) produzierten Album live vor. Kurz vor diesem Auftritt nahm sich Gitarrist Josh Klinghoffer die Zeit, im KURIER-Interview zu erzählen, was an der Produktion so verrückt war.

KURIER: Wie war die Arbeit mit Danger Mouse?

Josh Klinghoffer: Sehr gut. Aber es hat lange gedauert, bis wir mit ihm ins Studio gehen konnten. Die Chili Peppers hatten seit mehr als 30 Jahren mit Rick Rubin als Produzent gearbeitet, aber als klar war, dass wir etwas Neues probieren wollten, war Danger Mouse ganz oben auf unserer Wunschliste. Er ist aber schwer beschäftigt. Und als wir endlich mit ihm ins Studio gehen wollten, brach sich unser Bassist Flea kurz davor den Arm und wir mussten neun Monate Pause machen.

Anthony sagte, dass Danger Mouse von 25 Songs, die die Band geschrieben hatte, nur zehn mochte, dass das anfangs schwierig für ihn war.

Brians Art als Produzent ist ganz anders: Er will die Song gemeinsam mit dem Act im Studio erarbeiten. Und er dachte nur bei wenigen, dass er dazu etwas beitragen kann, was uns weiterbringt.

Und bezüglich Anthony: Natürlich ist es schwierig, die Arbeitsweise umzustellen, wenn man 30 Jahre lang etwas anderes gewohnt war. Aber ich war erstaunt, wie schnell und leicht sich die anderen darauf eingestellt haben. Es war eher für mich schwierig – obwohl ich mit Brian befreundet bin, weil ich in der Tour-Band von Gnarls Barkley war. Ich kann nämlich nicht damit umgehen, wenn jemand mit meinen Ideen weiterarbeitet. Aber das ist mein Fehler.

Als Resultat der Zusammenarbeit der Chili Peppers mit Danger Mouse ist "The Getaway" ein Album mit einigen starken Songs, die einen poppigen Touch in das funkige Chili-Universum bringen. Dabei hat man allerdings nie das Gefühl, dass eine echte Symbiose entsteht. Diese Elemente wechseln sich eher ab, als dass sie verschmelzen.

Die Texte sind auch bei "The Getaway" nach wie vor die Domäne von Kiedis. Immer schon hat der 53-Jährige dabei viel Persönliches offenbart, seine von Drogen, Sex und Tod durchtränkte Laufbahn verarbeitet. Diesmal, erklärte er einem Australischen TV-Sender, seien die Songs aus dem Zusammenbruch seiner Beziehung mit dem Model Helena Vestergaard geboren.

"Wenn du wie verrückt verliebt bist und die Beziehung zu deinem Erstaunen wie eine Atombombe explodiert, wenn du nur willst, dass sie weitergeht, dann gehst du zuerst durch eine Phase der Verletztheit", erklärte Kiedis.

Wunden der Liebe

"Aber wenn die Wunden langsam heilen, schwirrt diese imaginative Poesie in deinem Hirn herum und will sich in Songs ausdrücken. So habe ich aus dem zerbrochenen Traum zumindest dieses Album rausbekommen."

Außerdem sagte Kiedis, er fühle sich am Beginn einer neue Ära, weil "meine Jungs" hungriger denn je seien, immer bereit, Neues zu probieren. Und das liege auch an dem 36-jährigen Klinghoffer, der 2009 John Frusciante ersetzte.

Sie sagen, Sie fühlen jetzt voll integriert. Wie schwierig war es, das Stigma des "Neuen" abzuschütteln?

Josh Klinghoffer: Das war nicht schwierig und nicht nötig. Denn Anthony, Flea und unser Drummer Chad Smith waren so großzügig und liebenswürdig, mich sofort an allem zu beteiligen. Auch beim Songwriting. Wir haben am ersten Tag, an dem wir zusammen spielten, "Brendan’s Death Song" geschrieben. Anfangs war ich selbst der Zurückhaltende. Ich habe gezögert, ihnen einen meiner Song vorzuspielen, weil die Chili Peppers so eine lange Geschichte haben und ich so spät dazugekommen bin. Ich habe mich gefragt, wie und ob meine Songs in diese Karriere passen. Aber diese Scheu habe ich jetzt überwunden, – weil wir uns jetzt auch viel besser kennen und Freunde geworden sind.

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