Kultur
22.07.2016

Rapper Teesy: Vielfalt statt Schimpfwörter

Der Soul- und 50-Cent-Fan ist in vielen Stilen zuhause.

So oft hat die Mutter von Toni "Teesy" Mudrack verzweifelt den Kopf geschüttelt, wenn sie Rap-Texte ihres 15-jährigen Sohnes fand. Denn die waren voll mit Schimpfwörtern, handelten von Drogen, Prostitution und Geld.

"Ich war ein Riesen-Fan von 50 Cent und habe seine Welt in meine hineingezogen" erklärt Teesy im Interview mit dem KURIER. "Dass das alles nicht stimmte, war mir egal. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich gemerkt habe, dass ich das nicht bin, die Baggyjeans und die Kappe abgelegt und auf Deutsch gerappt habe."

Entschuldigung

Damit hat Teesy inzwischen Karriere gemacht. Jetzt hat der 25-Jährige, der mit Cro befreundet und bei dessen Label unter Vertrag ist, sein zweites Album "Wünsch Dir Was" veröffentlicht. Dabei thematisiert er die Spannungen, die sein Wunsch Musik zu machen in der Familie ausgelöst hat.

"Sie sagten immer wieder: ,Ach, das ist nur eine Phase, die wird vorübergehen!‘ Das hat mich sehr wütend gemacht. Und nur noch mehr zur Rebellion angestachelt. So, dass ich dann irgendwann sogar die Schule vernachlässigt habe."

Jetzt entschuldigt sich Teesy in dem Song "Draußen" dafür. Und hat kurz vor der Veröffentlichung von "Wünsch Dir Was" die Ausbildung zum Lehrer von Sport und Deutsch fertig gemacht: "Ich komme aus einer Familie von Handwerkern, da ist es wichtig, eine solide Basis zu haben. Aber ich wollte es auch für mich selbst fertig machen. Man weiß nie, was im Musikbusiness auf einen zukommt."

Darum muss sich Teesy vorerst keine Sorgen machen. Denn sein zweites Album ist reifer als das Debüt, bietet Neo-Soul und Blues genauso wie Hip-Hop, zeigt, wie versiert der Berliner in jedem dieser Genres ist.

Glück

"Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich das anerkennen konnte", erzählt er. "Das erste Album war eine Sammlung von Songs, die entstanden sind, während ich das Gefühl hatte, ich muss herausfinden, ob mir das Rappen oder das Singen mehr liegt. Ich konnte mich aber nicht entscheiden. Jetzt hab ich erkannt, dass es ein Glück ist, dass ich beides machen kann. Und darin habe ich mich gefunden. Ich denke, die neue Platte klingt deshalb viel selbstsicherer. Und in all der Verspieltheit mit den unterschiedlichen Stilen auch viel frecher."

Es war der 13. Juli 2013. Teesy weiß noch genau, wann er Cro zum ersten Mal traf. Als neuester Künstler von Cros-Label Chimperator bestritt Teesy damals das Vorprogramm von dessen Open-Air-Tour, wurde dem Mann mit der Panda-Maske am Auftakt-Tag backstage vorgestellt: „Das war gar nicht spektakulär. Wir haben nur ,Hallo‘ gesagt und am Abend ein bisschen geplaudert“, sagt Teesy. Und schiebt nach: „Dabei war eher ich der Zurückhaltende. Ich will immer erst schauen, wie reagieren Leute auf mich, bis ich aus mir rausgehen kann.“
Mittlerweile aber sind Teesy und Cro „wirklich dicke Kumpels“. So dass sie Silvester gemeinsam feierten. Nicht mit einer wilden Party, sondern mit Musikmachen: Die Songs „Jackpot“ und „Blind“ von Teesys neuem Album sind dabei entstanden.