Kultur
14.03.2012

Radio-"Tatort": Die Bullen von Bruck am Inn

Die beliebte Krimireihe "Tatort" gibt es auch fürs Radio: Mit eigenen Kommissaren und Originaldrehbüchern. Die 50. Folge steht ab Montag im Internet zur Verfügung.

Batic, Leitmayr, Odenthal und Lindholm kennt jeder. Aber was ist mit Polizeiobermeister Rudi Egger, tätig im bayerischen Bruck am Inn? Oder der Stuttgarter Kriminalhauptkommissarin Nina Brändle?

Sie sind Protagonisten des "Radio-Tatorts".

Einer 2008 erfundenen Hörspielreihe, die so ähnlich funktioniert wie ihr Fernsehvorbild: Alle deutschen Landesrundfunkanstalten senden einmal im Monat die jeweils neue, von einer der neun Landesstudios produzierte Folge. Lokalkolorit und Dialekte sind dabei durchaus erwünscht. "Es kommt vor, dass Leute aus dem Norden sagen: Super-Folge aus Bayern, aber ich hab nur die Hälfte verstanden", sagt Ekkehard Skoruppa, Hörfunkchef des SWR .

Er hat die Reihe vor ein paar Jahren erfunden. "Die Idee hat sich lange nicht durchsetzen lassen, weil es schwierig ist, mit den unabhängigen Rundfunkanstalten so ein gemeinsame Projekt auf die Beine zu stellen", erzählt er. "Dann hat sich aber doch eine günstige Konstellation ergeben."

Die beiden Vorgaben an die Produzenten: Es muss sich im Original-Drehbücher handeln. Und die Ermittler müssen im Polizeimilieu beheimatet sein. Skoruppa: "Manche Kollegen haben Landeskriminalermittler gewählt, andere Profiler, in Bremen gibt es einen Staatsanwalt." Und in Bruck am Inn ermitteln einfache Streifenpolizisten. Um das Rätsel aufzulösen: Bruck am Inn gibt es nicht. "Aber dieser Ort ist so schön erfunden", sagte Skoruppa, "dass alle möglichen Leute sagen: Wo liegt das denn? Klasse, da fahr’ ich mal hin!"

Sprache

Die "Radio-Tatorte" sind – im Unterschied zu den 90-minütigen TV-Folgen – nur knapp eine Stunde lang. "Das heißt, die Stoffe müssen etwas schlanker erzählt werden. Und dann ist ganz wichtig, dass wir nicht versuchen, Kino für Blinde zu machen. Es wird nicht ständig beschrieben, was zu sehen ist. Bei uns geht vieles über den Dialog. Es gibt, bis auf eine Ausnahme, keinen Erzähler. Außerdem ist die Sprache deutlich wichtiger als im Fernsehen. Und es kommt mehr auf die Logik des Plots an."

Österreich und die Schweiz sind an dem Projekt derzeit nicht beteiligt. Obwohl Skoruppa sich "das gut vorstellen könnte": "Man müsste natürlich eine besondere Konstellation finden. Ich sehe ein, dass die Kollegen möglicherweise überfordert sind, wenn sie ein Stück im Jahr produzieren, aber bis zu zwölf zur Übernahme bekommen."

Dieser Tage wird die 50. Folge des "Radio-Tatorts" ausgestrahlt. In "Noch nicht mal Mord" wird der Düsseldorfer Ermittler Felix Lenz (Matthias Leja) wegen seiner Wutanfälle in ein Ausgedinge für verhaltensauffällige Polizisten straf versetzt. Uwe Ochsenknecht spricht den leitenden Beamten, der mit dieser skurrilen Einheit einen Mord aufzuklären hat.

INFO: Die 50. Folge der "Radio-Tatorts" ist heute um 21.03 Uhr auf Bayern 2 zu hören. Ab Montag steht sie zum Download im Internet bereit.

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