Kultur
05.12.2011

Provokateur Ken Russell ist tot

Nachruf: Der Regisseur Ken Russell verstarb 84-jährig nach Schlaganfall. Niemals habe er sich von einem Kritiker beeinflussen lassen, beteuerte der Brite.

Ken Russell: "Alles, was ich tue, mache ich mit Überzeugung und Leidenschaft. Ich ziehe mein Ding durch - und das verärgert manche Menschen."

Ken Russell, 1927 in Southampton, England, geboren, galt als "enfant terrible" des britischen Kinos; man nannte ihn "kontroversiell", manchmal auch "homophob" und "frauenfeindlich" - und sein Werk provozierte und begeisterte Zuseher und Kritik gleichermaßen.

Russell begann - wie übrigens auch sein renommierterer Regie-Kollege Stanley Kubrick - seine Karriere als Fotograf. Er arbeitete für die BBC , begann Filme zu drehen und landete sein erstes Meisterwerk 1969 mit "Liebende Frauen"; Glenda Jackson erhielt dafür den Oscar für die beste Hauptrolle.

Britischer Bad Boy



Der britische "Bad Boy" war berühmt für seinen egozentrischen Regiestil, seinen Hang zum Bizarren und zum Burlesken. Seine Verfilmung des Aldous-Huxley-Romans "Die Teufel" (1971) mit nackten Nonnen rief sogar den Vatikan auf den Plan.

Sein exaltiertes Filmporträt über "Tschaikowsky" beschrieb er selbst als die Geschichte "eines Homosexuellen, der eine Nymphomanin heiratet". Und sein Erfolgshit "Tommy" (1974), eine Rockoper mit The Who, machte ihn zum Vorläufer der MTV -Musik-Videos.
Mit Filmen wie "Gothic" (1986) schwelgte Russell nochmals in drastischen Details, legte blutige Schleimspuren durchs Haus und ließ sich bizarre Sexszenen einfallen. In den 90er-Jahren jedoch hatte er immer größere Schwierigkeiten, seine Filme zu finanzieren. Er flüchtete sich in Low-Budget-Produktionen und trat in britischen Reality-TV-Shows auf. Am Sonntag ist Ken Russell im Alter von 84 verstorben.