Kultur
09.02.2012

Provokateur Broder will Österreicher werden

Meint Henryk M. Broder das ernst? In einem Interview lobte der streitbare Publizist den österreichischen Schmäh und sinnierte über Antisemitismus.

Meint er es ernst oder ist es nur eine seiner Provokationen? Der deutsche Publizist Henryk M. Broder hat in einem Interview mit dem Männermagazin GQ angekündigt, die österreichische Staatsbürgerschaft beantragen zu wollen. Die broder-typische Begründung: "Der österreichische Antisemitismus ist völlig entspannt, aufrichtig, Teil des kulturellen Erbes. Das ist das Gute an den Österreichern, sie stehen zu ihren Ressentiments."

Die Deutschen dagegen bestritten, Antisemiten zu sein "und jeder hat natürlich jüdische Freunde. Und wenn man sie mit beiden Händen im Mustopf des Antisemitismus erwischt, sagen sie - nein, wir sind nur für das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser", sagte Broder laut einer GQ-Vorausmeldung aus der am Freitag erscheinenden Ausgabe weiter.

"Verwandt" mit Turrini

Broder nannte aber noch weitere Gründe für seine Absicht, Österreicher zu werden. "Der Schmäh ist einfach gut. Die Literatur und das Essen auch. Als Auslandsösterreicher ist man automatisch Thomas Bernhard-Kenner oder zumindest mit Peter Turrini verwandt", sagte der Publizist mit polnisch-jüdischen Wurzeln. Er ist schon seit längerem auch in österreichischen Medien präsent, etwa mit einer 14-tägigen Kolumne in der Kleinen Zeitung.

Broder hat mit islam-kritischen Thesen für Aufregung gesorgt. So begrüßte er etwa das Schweizer Votum für ein Minarettverbot im Jahr 2009 und unterstützte die umstrittenen Thesen des SPD-Politikers Thilo Sarrazin zur angeblich drohenden Islamisierung Deutschlands. Broder hielt es auch aus, dass sich der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik in seinem skurrilen "Manifest" auf ihn berief. So zitierte Breivik Broder mit der Aussage, dass junge, freiheitsliebende Menschen Europa lieber verlassen sollten, da der Kontinent sich widerstandslos dem Islam unterordne. "Ich würde es heute wieder genau so sagen", sagte Broder in einer Reaktion gegenüber der deutschen Zeitung Tagesspiegel.