Kultur 13.03.2012

Proll und Bloéb in Nazi-Satire

Gregor Bloéb und Nina Proll spielen in den Kammerspielen "Sein oder Nichtsein". Komik und Tragik sind garantiert.

Es ist die alte Frage. Darf man über Nazis und deren Schreckensherrschaft lachen? Ja, befand etwa der Autor Melichor Lengyel. Ja, befand auch Regisseur Ernst Lubitsch, der Lengyels "Sein oder Nichtsein" 1942 kongenial verfilmte. Ja, befand auch Nick Whitby, dessen Version der Nazi-Satire am Donnerstag in den Wiener Kammerspielen Premiere hat. Und ja, befinden auch Nina Proll und Gregor Bloéb, die als Maria und Josef Tura im besetzten Warschau an die Nazis geraten.

"Sicher muss man über diese lächerlichen Gestalten auch lachen", sagt Bloéb. Aber: "Das Lachen sollte dem Publikum auch immer wieder im Hals stecken bleiben. Der Schrecken sollte schon deutlich spürbar sein. Darin liegt die große Herausforderung."

"Das Lachen soll im Hals steckenbleiben"

Gezögert haben weder Proll noch Bloéb, als das Angebot für diese Rollen kam. "Das sind doch Traumrollen", betonen beide unisono. "Schauspieler, die ein Schauspieler-Ehepaar spielen – besser geht’s doch fast nicht." Womit wir beim Privaten wären, sind Proll und Bloéb doch miteinander liiert. Kinder inklusive. Wie man damit umgeht? "Natürlich sprechen wir daheim auch über die Rollen", sagt Proll. Bloéb: "Es ist schön, sich darüber austauschen."

Ein anderes Problem aber gibt es bei gemeinsamen Engagements. "Das Zeit-Management ist nicht immer einfach", bekennen beide. "Aber irgendwie haben wir das bis jetzt immer ganz gut geschafft." "Auch, weil uns unsere Familie dabei sehr unterstützt", ergänzt Proll, die auch im Mehrteiler "Braunschlag" (auf DVD erhältlich, im ORF ab Herbst zu sehen) dabei ist.

"Es war toll, in die Disco meiner Kindheit zurückzukehren", sagt Proll. "Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und dabei sehr schräg." "Großartig", ergänzt Bloéb. "Das ist ein einzigartiges Format. Für mich eine Literaturverfilmung."

Viel Zeit zum Fernsehen hat Bloéb aber nicht, laufen die Vorbereitungen für den Theatersommer Haag doch auf

Hochtouren. Kleists "Der zerbrochne Krug" wird unter Bloébs Intendanz ab 27. Juni gegeben. "Ich wollte was Lustiges, das auch gut ist."

Ja, stolz ist er, dass er die Auslastungszahlen gesteigert und das Niveau drastisch erhöht hat. Dennoch: 2013 ist Schluss. "Es war eine schöne Erfahrung, aber dann soll jemand anderer ran." Zum Abschluss wird es eine Uraufführung geben.

Zuvor aber hat "Sein oder Nichtsein" Premiere. Nervös? "Eine gewisse Anspannung ist immer da. Das gehört dazu. Aber das wird schon." Für die heutige KURIER-Vorpremiere gibt es noch wenige Restkarten.

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( Kurier ) Erstellt am 13.03.2012