"Nur zehn Sekunden – und plötzlich ging das Licht an"

FOTOPROBE: "LE COMTE ORY"
Foto: APA/PHOTOWERK/WERNER KMETITSCH Pretty Yende als Comtesse Adèle in "Le comte Ory" an der Wien

Der Shootingstar der Opernszene ist am Samstag wieder in Wien zu erleben. Ein Porträt.

Sie kam, sang und siegte auf der ganzen Linie. Spätestens seitdem die Koloratursopranistin im Theater an der Wien für Superstar Cecilia Bartoli kurzfristig in Rossinis "Le Comte Ory" einsprang, ist Pretty Yende auch hierzulande ein Begriff. Das war 2013. Am kommenden Samstag (15. 3.) ist die junge Südafrikanerin wieder in Wien zu Gast. Im Rahmen der Reihe "Great Voices" wird Pretty Yende im Konzerthaus unter dem Titel "Romantik trifft Belcanto" ein Arien-Programm von Rossini bis Massenet präsentieren. Für die Künstlerin stellt das auch eine Art Heimkehr dar.

Wien als Sprungbrett

INTERVIEW: PRETTY YENDE Foto: APA/ROLAND SCHLAGER Denn in Wien kam Yendes Karriere so richtig in Fahrt. 2009 nahm sie hier am Internationalen Belvedere Gesangswettbewerb teil. Das Ergebnis: Siege in allen denkbaren Kategorien. "Wien war für mich eine Initialzündung. Hier konnte ich mich erstmals vielen Intendanten präsentieren. Und das noch vor großem Publikum. Solche Bewerbe sind ja wichtig für die Sängerkarriere", so Yende im KURIER-Gespräch.

Nachsatz: "Dabei habe ich mir damals in Wien gedacht: Du musst hier ja nichts gewinnen, schon die Teilnahme ist ein Erfolg. Aber dann war ich unfassbar glücklich." Yende weiter: "Ich wollte nicht Sängerin werden, ich musste Sängerin werden. Das hängt mit einem Erweckungserlebnis zusammen. In bin in Mpumalanga aufgewachsen und in die Schule gegangen. Mit Musik hatte ich gar nichts am Hut. Ja, wir haben zu Hause gesungen, Volkslieder in meiner Muttersprache Zulu. Aber das war es. Bis zu jenem Moment, der mein Leben verändert hat."

Werbung als Anreiz

Theater an der Wien: Umbesetzung in LE COMTE ORY a Foto: APA/Zemsky Green Artists Management Welcher war das? "Ich bin vor dem Fernseher gesessen, habe Werbeclips gesehen. Und dann kam eine Einschaltung, die mit Musik unterlegt war, mit dem Blumenduett aus Delibes’ ,Lakmé‘. Nur 10 Sekunden, das hat genügt. Plötzlich ging das Licht an, und ich wusste: Das ist es!"

Yende fand heraus, dass diese Werbeclip-Musik einer Oper entstammt, sang sich gegen den Ratschlag ihres Lehrers in den Schulchor hinein und begann, ernsthaft Gesang zu studieren. "Ich habe lange gebraucht, um die jeweiligen Sprachen so gut zu lernen, dass ich in ihnen denken kann. Wenn man eine Sprache nicht richtig beherrscht, ist es sehr schwer, Oper richtig zu singen."

Heute ist das für Yende kein Problem mehr. "Ich lebe jetzt in Italien, arbeite regelmäßig mit der großartigen Belcanto-Sängerin Mariella Devia an meiner Stimme und habe mein Repertoire gefunden. Im Moment sind das vor allem Belcanto-Partien, aber die Stimme entwickelt sich ja weiter."

Gott als Geber

INTERVIEW: PRETTY YENDE Foto: APA/ROLAND SCHLAGER Diese Stimme, sie hat Yende bereits an die Mailänder Scala, die New Yorker MET und viele andere renommierte Opernhäuser geführt. "Sie ist ein Geschenk Gottes. Gott hat mir diese Stimme gegeben, daran glaube ich fest. Ich bin sehr religiös und Gott daher sehr dankbar." Und welche Rollen kommen demnächst? "Meine erste szenische Lucia von Donizetti an der Deutschen Oper Berlin, meine Debüts in Barcelona, in Washington und in Amsterdam – dort mit Rossinis ,Il viaggio a Reims‘".

Nach dem "Comte Ory" also wieder eine große, komische Oper – für Yende "ein riesiger Spaß". Denn: "Ich mag es, auf der Bühne auch blödeln zu dürfen. Nichts gegen tragische Partien wie eine Lucia, die gehen mir zu Herzen. Aber die Leute zum Lachen zu bringen, ist auch etwas sehr Schönes."

Und wenn Yende gerade nicht auf der Bühne steht? "Dann studiere ich Partien, lerne, übe und höre Musik. Auch Jazz und Gospel helfen mir, den Kopf wieder frei zu kriegen, mich in eine andere Stimmung zu versetzen. Das brauche ich neben meiner Familie und Freunden. Und ich liebe natürlich das Publikum. Ich denke, Musik kann aus der Welt, in der wir leben, eine bessere machen. Man muss aber ein offenes Herz haben."

(kurier) Erstellt am
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