Politischer Online-Humor

Die Skulptur zum Skandal: "Mein Vater ist Li Gang"
Foto: ap

Humor ist immer auch eine politische Waffe gewesen da macht der Online-Humor naturgemäß keine Ausnahme.

Denn während politische Aussagen auf Blogs oder Webseiten vergleichsweise leicht gelöscht werden können, ist hintergründigem Humor viel schwerer beizukommen - wie die chinesischen Internet-User jüngst wieder gezeigt haben.

Der Auslöser: ein Provinzskandal. Der betrunkene Sohn des lokalen Polizeichefs Li Gang fuhr im Oktober 2010 zwei Studentinnen nieder, eine davon ist später gestorben. Doch verhaften wollte sich Li Qiming nicht lassen: "Mein Vater ist Li Gang", rief er.
Und dieses schamlose Ausnützen von Privilegien sollte sich rächen: Ein Online-Sturm der Entrüstung brach los, mit überaus subtilen Mitteln. Denn unverhohlen Kritik üben geht in China nicht. Also wehrte man sich auf kunstvolle Art gegen die Zensur: Ein Online-Gedichtwettbewerb wurde ausgerufen. Mit der Aufgabe, den Satz "Mein Vater ist Li Gang" kunstvoll in ein klassisches Gedicht einzufügen. Ein User verpflanzte die Phrase daraufhin sogar in ein Mao-Gedicht. Prominente Künstler wie Ai Wei Wei stimmten in den Protest ein, in Chongqing wurde eine Skulptur errichtet, die sich dem Vorfall widmet. Im Jänner wurde Li Qiming dann doch verhaftet und zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Aber Chinas Machthaber müssen sich nicht als Einzige mit politischem Online-Humor herumschlagen: Ein bekanntes Meme ("Kim Jong-Il is looking at things") nimmt die gestellten Pressetermine des nordkoreanischen Staatschefs auf die Schaufel. Und dem österreichischen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser wurden zu Jahresbeginn die "Grasser-Songs" und "Grasser-Movies" gewidmet: Verballhornte Song- oder Filmtitel wie etwa "Die supernackte Kanone".

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(kurier) Erstellt am
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