Kultur
21.11.2017

"Pinocchio" in der Volksoper: Auch so bezaubert man den Nachwuchs

Pierangelo Valtinonis Oper "Pinocchio" in der Regie von Philipp M. Krenn in der Volksoper.

Kinder, Jugendliche und erwachsene Junggebliebene können sich freuen: Denn mit "Pinocchio" hat die Wiener Volksoper, nicht nur passend zur bald beginnenden Vorweihnachtszeit, nun eine Produktion im Spielplan, die bei Groß und Klein für gute Laune sorgen dürfte.

Wer kennt sie nicht, Carlo Collodis fast 140 Jahre alte Abenteuerserie "Die Abenteuer des Pinocchio", die ihren Autor unsterblich machen sollte. Unzählige Bearbeitungen, Verfilmungen, Zeichentrickserien und auch Opern basieren auf den Erlebnissen der Holzpuppe, deren Nase beim Lügen immer länger wird. Auch der italienische Komponist Pierangelo Valtinoni – er wurde bei der österreichischen Erstaufführung seines Werkes am Gürtel wie auch alle anderen Beteiligten bejubelt – hat mit "Pinocchio" einen viel gespielten Hit gelandet.

Kindgerecht

Valtinoni (Libretto: Paolo Madron, deutsche Fassung: Hanna Francesconi) hat für Pinocchios Traumwelten eine eingängige, oft rhapsodische, teils an Musicals gemahnende Musik geschrieben, die auch die eher fragmentarische Handlung ideal illustriert. Da geht es weniger um das große Ohrwurmpotenzial mit Mitsinggarantie, als vielmehr um eine differenzierte Basis für kindgerechtes Musiktheater. An der Volksoper ist Valtinonis Komposition bei dem feinfühligen Dirigenten Guido Mancusi sowie dem freudig aufspielenden, sehr guten Orchester in den besten Händen.

Doch auch szenisch wird den Augen einiges geboten: Regisseur Philipp M. Krenn und sein Team (Bühne: Nikolaus Webern, Kostüme: Julia Schmittger) spielen bewusst Theater auf dem Theater, finden für jede einzelne Episode den passenden optischen Rahmen. Von Gepettos Hütte über die Zirkusmanege bis hin zum Schlaraffenland – es gibt viel Bewegung und Action (Choreografie: Bohdana Szivacz) in Pinocchios Fantasielandschaften.

Und es gibt jede Menge Cartoon-artige Videoprojektionen (Andreas Ivancsics), die entweder für sich stehen oder mit dem realen Bühnengeschehen perfekt korrespondieren. Die Geschichte selbst – die Holzpuppe Pinocchio erwacht zum Leben, gerät in etliche brenzlige Situationen, ehe sie ganz zum Schluss durch die Überwindung aller Egoismen wirklich Mensch wird – läuft flott, plausibel und teils herzerwärmend ab. Etliche, fein eingebaute Gags lassen nicht nur Kinderherzen höher schlagen.

Zielgerichtet

Stichwort Kinder: Diese sind nicht nur Zielpublikum, sondern wichtige Akteure in diversen Rollen. Der Kinderchor-und Jugendchor des Hauses (Leitung: Brigitte Lehr) leistet hier Großes. Wie auch die Besetzung gut gewählt ist. An der Spitze natürlich Juliette Khalil als in jeder Hinsicht unglaublich agiler, wandlungsfähiger und vokal sicherer Pinocchio, der in Daniel Ohlenschlägers Geppeto einen sympathischen Bühnen-Vater findet.

Und als liebevolle Fee darf Martina Dorak auch ihr hohes komödiantisches Talent ausspielen. Elvira Soukop (Kater), Jakob Semotan (Fuchs) sowie Maximilian Klakow (Mangiafuoco) komplettieren das riesige Ensemble tadellos.

Fazit: Dieser "Pinocchio" macht sehr viel Spaß und sollte der Volksoper einen Hit bringen. Denn was gibt es Schöneres am Theater, als wieder zum staunenden Kind zu werden?