Die Postkarte als Medium der Alltagskultur

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Foto: Sammlung Fürhacker

Das Photoinstitut Bonartes zeigt Postkarten aus den Jahren 1900 bis 1936 als Kommunikationsmittel und Kunstform.

Die Postkarte als Medium der Alltagskultur zu Beginn des 20. Jahrhunderts beleuchtet seit Mittwoch eine Ausstellung in Wien. "Format Postkarte. Illustrierte Korrespondenzen, 1900 bis 1936" behandelt im Photoinstitut Bonartes unterschiedlichste Aspekte einer erstaunlichen Erfolgsgeschichte, vom Kommunikationsmittel über die Kunstform bis zum Sammelobjekt und zur Raubkopie.

Die Postkarte im Standard-Format 14 x 9 Zentimeter unternahm um 1900 einen veritablen Siegeszug: "Man sandte einander nicht nur Urlaubsgrüße oder Geburtstagswünsche, sondern tauschte aktuelle Nachrichten, verabredete sich und dankte für erhaltene Briefe", heißt es in den Presseunterlagen zu der von Monika Faber, Eva Tropper und Timm Starl kuratierten Schau, die am Dienstagabend eröffnet wird und bis 13. Februar 2015 zu sehen ist.

Bilder der Ausstellung

Anonym: Am Karlsplatz
Fotografie (Glanzkollodium), ungelaufen, um 1906/07 Verlag Brüder Kohn, Wien: »Intérieur des Special-Postkarten-Verlages ›Bediene
dich selbst‹. Hervorragende Sehenswürdigkeit. Besichtigung frei.«
Autotypie, ungelaufen, um 1901–1905 Kunstanstalt Karl Schwidernoch, Wien: »Gruss aus Wien. Café, Restauration u.
Meierei zur Gloriette, XII. Zenogasse 19«
Chromolithografie, gelaufen 1897 von Wien nach Hütteldorf bei Wien W. Heubach; Kunstverlag M. H. Bayerle, München: Tiere, Künstlerpostkarte
Nr. 297
Lichtdruck, gelaufen 1901 von Neutitschein/Nový Jičín nach Wien Ch[arles]. Scolik, Wien; Verlag A. Sockl, Wien: »Du loser Schmetterling«
Lichtdruck, gelaufen von Olmütz/Olmouc nach Komorn/Komárom/Komárno Neue Photographische Gesellschaft, Berlin-Steglitz: Tieransichten, aus der Serie
»25« (Nr. 3)
Handkolorierte Fotografie (Silbergelatine), produziert 1900, gelaufen 1901 von
Wien nach Mährisch Weißkirchen/Hranice Einbanddeckel des Albums »Grüße aus der Ferne«
Leinen mit Prägung, 25 × 33,6 × 6,7 cm (geschlossener Zustand), 1901 oder
früher Anonym: Blumen
Chromolithografie, gelaufen 1900 von Pressbaum nach Wien C. B., St[eyr].; Verlag Karl Lintl, Steyr: »Gruss aus Steyr«
Lichtdruck (graugrün) nach Fotomontage, gelaufen 1900 von Steyr nach Wien Anonym: Küssendes Paar
Chromolithografie, gelaufen 1901 von Wien nach Rodaun Anonym: Frau mit Sonnenschirm, Rehe im Wald
Fotografie (Glanzkollodium), gelaufen 1902 von Hinterbrühl nach Wien Richard Schaukal: Ausschreitender Offizier
Handzeichnung auf einer Korrespondenzkarte, gelaufen 1901 von
Olmütz/Olomouc nach Neutitschein/Nový Jičín Verlag B. & C., Wien: »Wien II, Prater Haupt-Allee«, Autochromdruck, gelaufen
1915 von Wien nach Verviers (Belgien) Doppelseite aus dem 1. Postkartenalbum der Familie Schaukal (1900/01), welche die am 21. Mai 1901 gelaufene Karte aus der Serie »Fanny Schaukal, vermutlich im Kreis ihrer  Schwestern« (Abb. 3) in ihrem  ursprünglichen Sammel- Zusammenhang zeigt
Diverse Techniken, 25,7 × 35 × 6,9 cm (Album, geschlossener Zustand), alle
gelaufen 1901 Anonym: Vor der Confiserie Küfferle im Palais Equitable (Hausseite Kärntner
Straße 2)
Fotografie (Glanzkollodium), ungelaufen, um 1906/07 Anonym: Sodawasserverkäufer in der Löwelstraße, Ecke Bankgasse
Fotografie (Glanzkollodium), ungelaufen, um 1906/07 R. Windsch, Leipzig: »Helly Graf. Sopranistin, stud. Tänzerin«
Fotografie (Silbergelatine), ungelaufen, 1920er-Jahre J. Weitzmann, Wien: »Georgie Mahrer. Famous Original Ecceniric & Mondain
[sic!] Dancer« (recto, verso)
Fotografie (Silbergelatine), ungelaufen, 1920er-Jahre Rudolf Koppitz, Wien: Schwere Bürde
Fotografie (Silbergelatine), ungelaufen, um 1930, Produktionsdatum der
Postkarte 1936

Werbemittel

Nicht nur ermöglichten damals in Wien sechs bis sieben tägliche Postzustellungen tatsächlich rasche Kommunikation, auch bot sich das Format als Experimentierfeld für alle möglichen technischen Innovationen an. Das in der Ausstellung gezeigte Spektrum reicht von Lithografie und Lichtdruck über Originalfotografien bis zu Heliochromie und Reliefdruck. Die Sujets waren mannigfaltig, die massenhafte Verbreitung attraktiv.

Die Nutzung des Bildträgers war vielfältig, für private Experimente ebenso wie als kommerzielles Werbemittel. Bereits 1936 bot der Kunstfotograf Rudolf Koppitz die Möglichkeit an, dass Besucher seiner Ausstellung die Bilder gleich im Taschenformat mit nach Hause nehmen konnten.

Anhand von geschriebenen und gesammelten Postkarten lassen sich etwa Reiserouten oder Liebesgeschichten nachvollziehen. Zur Ausstellung, die auch von einer Vortragsreihe begleitet wird, erscheinen in der new academic press zwei Publikationen von Eva Tropper und Timm Starl: "Format Postkarte. Illustrierte Korrespondenzen, 1900 bis 1936" und "Identifizieren und Datieren von illustrierten Postkarten".

INFO: "Format Postkarte. Illustrierte Korrespondenzen, 1900 bis 1936", Ausstellung im Photoinstitut Bonartes, Wien 1, Seilerstätte 22,

22. Oktober 2014 - 13. Februar 2015.

Im November, während "eyes on - Monat der Fotografie Wien", ist die Ausstellung Mi bis Fr, 12-18 Uhr, geöffnet. Ansonsten nach Vereinbarung. Tel.: 01 / 236 02 93-40,

Link: www.bonartes.org

(APA / moe) Erstellt am
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