Philipp Poisel: USA-Reise als Mutprobe

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Foto: /Grönland Records/Christoph Köstlin Philipp Poisel im Februar 2016 in New York.

Der Liedermacher reiste ins Land seines Idols Bruce Springsteen.

"Andere fliegen ja schon mal für ein einziges Wochenende nach New York", sagt Philipp Poisel. "Aber für mich war es echt krass, über den großen Teich zu fliegen. Ich war immer viel in Europa unterwegs. Aber ich musste mich lange damit beschäftigen, den Mut aufzubringen, mich für einen so langen Flug einem Piloten auszusetzen."

Er sei auch einmal nachts in Wald gegangen, um in der Dunkelheit zu lernen, mit dem Ungewissem umzugehen, erzählt er im KURIER-Interview weiter. Sogar bei einem Therapeuten war er wegen der Flugangst.

Mit Erfolg. "Mein Amerika" wurde vor rund einem Jahr in den "Blackbird"-Studios in Nashville auf einer analogen Bandmaschine aufgenommen. Ab morgen, Freitag, ist das Werk in den Läden. Poisel klingt dabei so nachdenklich, verträumt, und traurig wie bisher. Allerdings ist seine Stimme noch eindringlicher geworden, und der Sound mehr der einer Band als eines Singer/Songwriters. Beides gibt diesem dritten Album des 33-Jährigen eine einnehmende Atmosphäre .

Groß denken

Der Album-Titel allerdings ist irreführend. Denn keines der Lieder handelt direkt von Erfahrungen, die Poisel in Amerika gemacht hat. Schon vor Jahren, sagt er, habe er die Idee für diesen Trip gehabt.

"Ich bin einem Dorf namens Markgröningen aufgewachsen, und wollte als Kind immer von dort weg. Amerika war das Land meiner Träume – vor allem wegen des kulturellen Einflusses auf Europa. Leute wie Walt Disney, die die ganze Welt erobern konnten, oder eben Bruce Springsteen haben mich fasziniert. Ich dachte immer: Was muss das für ein Ort sein, wo Menschen so groß denken und träumen, dass sie damit von dort bis in mein Kinderzimmer gelangen können?"

So ganz genau kennt Poisel die Antwort auf diese Frage immer noch nicht. Er hatte nämlich nicht viel Zeit für Entdeckungsreisen, war außer in Nashville noch kurz in Atlanta und einige Tage in New York. Die politische Komponente, die man einer Platte mit diesem Titel anno 2017 zuschreiben könnte, kommt so nicht ins Spiel.

Leute News Foto: dapd/Margarethe Wichert

"Ich war zwar in der Zeit des US-Wahlkampfes dort, aber wo ich war, war das kein großes Thema", erklärt er. "Außerdem bin ich immer sehr in mich gekehrt, wenn ich an einem Album arbeite. Ich lese dann weder Zeitungen noch Facebook. Jetzt ist es so, als würde ich aus einem Winterschlaf erwachen. Erst jetzt – weil ich auch oft danach gefragt werde – beginne ich darüber nachzudenken, ob da eine Positionierung meinerseits politische Relevanz haben könnte."

Romantische Oase

Auch als Kind hatte Poisel bei den Alben von Bruce Springsteen einen "eher romantischen Blick" auf dessen sozial engagierte Texte, liebte den Sound, die Tatsache, dass Springsteen einerseits der Rockstar, andererseits Liedermacher war. "Für mich war Musik eine Oase, in der ich Abstand vom Alltag gewinnen konnte. Das und Politik haben nicht zusammengehört."

Deshalb – und weil er die Songs schon in Deutschland vorbereitet hatte, um nicht blank ins Studio in Nashville zu kommen – singt Poisel auf "Mein Amerika" anstatt von Amerika von der Liebe, von den Gefühlen rund um diese Reise. Und in "Zum ersten mal Nintendo" von der Sehnsucht, die er jetzt – nachdem er die weite Welt kennengelernt hat – doch wieder nach Markgröningen hat.

"Dort ist alles geblieben, wie es immer war", sagt er. "Das gibt eine gewisse Sicherheit. Ich denke, die Sehnsucht danach ist die Sehnsucht nach der Geborgenheit und der Gemütlichkeit, die so ein verschlafenes Dorf hat."

INFO

Philipp Poisel live in Österreich:

​5.  April   Wien/Stadthalle

13.  Juli    Graz/Freiluftarena B

14.  Juli    Linz/Domplatz

(kurier) Erstellt am
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