"Wer will daheim eine Brünnhilde?"

Oper…
Foto: Ann Weitz Petra Lang singt ein letztes Mal die Brangäne

Die deutsche Wagner-Heroine Petra Lang verabschiedet sich an der Staatsoper von einer ihrer Lieblingspartien.

Noch drei Mal, dann ist endgültig Schluss. Mit der aktuellen Spielserie (10., 14. und 18. Jänner) von Richard Wagners "Tristan und Isolde" an der Wiener Staatsoper nimmt Petra Lang Abschied. Abschied von einer Partie, welche die Sängerin 19 Jahre lang begleitet hat, die "ein elementarer Teil meines künstlerischen Lebens war".

Die Rede ist von der Rolle der Brangäne, die in Wagners "Handlung in drei Aufzügen" dem titelgebenden Paar jenen Liebestrank kredenzt, der letztlich zu Ekstase und Tod führt. "Leicht fällt mir das nicht", sagt die international gefeierte Wagner-Interpretin im KURIER-Interview. Aber: "Es musste sein. Seit ich 2012 vom reinen Mezzo-Fach auch ins dramatische Sopranfach gegangen bin, war dieser Schritt klar." Denn, so die gebürtige Frankfurterin: "Man sollte immer seiner Stimme folgen. Das habe ich mein gesamtes Künstlerleben über so gehalten, damit bin ich gut gefahren."

Königsklasse

Alternativen gibt es für Petra Lang genug. Alle drei Brünnhilden im "Ring des Nibelungen" ("Walküre", "Siegfried", "Götterdämmerung") hat sie bereits mehrfach absolviert. In Bayreuth soll sie 2016 die Kundry in Wagners "Parsifal" in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg – er ersetzt den ursprünglich geplanten Jonathan Meese als Regisseur – interpretieren. "Lang lachend: "Ich bin jetzt wirklich in der Königsklasse angekommen. Allzu viel schwerere Rollen sind kaum mehr denkbar."

Doch wie geht man als Sängerin mit physisch wie psychisch enorm anstrengenden Partien der Marke Brünnhilde um? "Man darf keine Angst haben, aber man sollte die Brünnhilde nur singen, wenn man wirklich alle Töne dafür hat. Wagner verlangt bekanntlich einiges", so die studierte Geigerin.

Nachsatz: "Speziell beim ,Ring‘ habe ich einen Trick. In der ,Walküre‘ gilt: Lass Daddy singen – das ist Wotans Oper. Bei ,Siegfried‘ freue ich mich darauf, vom Helden wachgeküsst zu werden. In der ,Götterdämmerung‘ weiß man, jetzt ist der stimmliche Weltenbrand gleich vorbei. Aber im Ernst: Diese Musik fordert extrem, es gibt lange Pausen zwischen den Auftritten, während derer man in der Rolle bleiben muss. Kondition ist da sehr wichtig."

Und nach der Vorstellung? Nimmt man da die Rollen mit nach Hause? Lang: "Um Gottes willen, das wäre ja furchtbar. Meine Familie leidet schon genug, wenn ich mich auf eine Produktion vorbereite und mir einen Charakter aneigne. Aber wer will daheim schon eine Brünnhilde oder eine ,Lohengrin‘-Ortud haben? Ich sicher nicht."

Königsoper

Die Ortrud wird Lang auf jeden Fall weiterhin und auch in Wien singen, denn "das ist ja eine Rolle für einen Mezzosopran oder eben einen dramatischen Sopran". Was am Ring noch kommen wird? "Die Sieglinde in der ,Walküre‘, aber es gibt noch andere Pläne", so die glühende Gustav-Mahler-Verehrerin. Und: "Es gibt innerhalb meines Repertoires noch zwei, drei Dinge, die ich gern machen würde. Auf eine Brangäne könnte etwa eine Isolde folgen. Das wäre dann noch eine Königsoper. Ich lerne die Isolde jedenfalls zur Sicherheit. Man weiß schließlich nie."

Wenn sie nicht selbst auf der Bühne steht, widmet sich Petra Lang einer anderen Leidenschaft, dem Unterrichten. "Für mich hat das Singen nach dem Geigenstudium absolute Freiheit bedeutet. Dieses Gefühl möchte ich weitergeben."

Was würde Lang angehenden Sängern raten? "Lerne immer weiter und weiter. Ich etwa habe bis zu ihrem Tod bei meiner Gesangslehrerin Ingrid Bjoner Unterricht genommen. Dann muss man erkennen, dass Singen ein anstrengender Fulltime-Job ist. Man braucht Pausen, muss auf seine Stimme hören und man muss es unbedingt wollen."www.petralang.com

INFOS

Wagners "Tristan"

FOTOPROBE: "TRISTAN UND ISOLDE" IN DER WIENER STAA
Foto: APA/HANS KLAUS TECHT

Werk

"Tristan und Isolde" wurde 1865 in München uraufgeführt und gilt als "Opus metaphysicum aller Kunst" (Friedrich Nietzsche).

Produktion

Am Ring ist David McVicars Inszenierung aus 2013 zu sehen. Dirigent der aktuellen Spielserie: Peter Schneider. Es singen u. a.: Peter Seiffert (Tristan), Iréne Theorin (Isolde), Petra Lang (Brangäne), Tomasz Konieczny (Kurwenal), Albert Dohmen (Marke), Gabriel Bermúdez (Melot).

(kurier) Erstellt am
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