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Salzburger Festspiele
08/21/2013

Pereira: "Ein Künstler-Intendant hat keine Chance"

Salzburg-Intendant Alexander Pereira reagiert auf das KURIER-Interview mit Franz Welser-Möst.

von Gert Korentschnig

Das Interview mit Dirigent Franz Welser-Möst im Mittwoch-KURIER war sofort nach Erscheinen das große Gesprächsthema in Salzburg. Welser-Möst war zuletzt in Salzburg Insidern zufolge als Kandidat für die Nachfolge von Intendant Alexander Pereira (ab 2017) genannt worden.

Zum KURIER sagte er, er denke nicht daran, sich zu bewerben und hätte mit „keinem darüber gesprochen“. Salzburg brauche aber jetzt Stabilität. Welser-Möst kritisierte auch Pereira und sagte über die Probenbedingungen: „So ruiniert man die Kunstform Oper.“ Peter Stein hätte angeblich nur vier Tage Probenzeit mit Jonas Kaufmann für „Don Carlo“ gehabt.

Pereira nennt das „vollkommenen Unsinn“. Kein Theater, kein Intendant „und schon gar nicht Regisseur Peter Stein“ würden eine solche Probenzeit mit einem Protagonisten akzeptieren. „Diesem Gerücht darf man nicht Glauben schenken“. Kaufmann hätte mit Unterbrechungen drei Wochen geprobt. Was einen Dirigenten wie Welser-Möst als möglichen Intendanten betrifft, ist Pereira überzeugt: „So lange die finanziellen Probleme der Salzburger Festspiele von Seiten der Subventionsgeber nicht gelöst sind, hat ein Künstler-Intendant keine Chance. Diese Voraussetzungen müssten zuerst geschaffen werden. Sonst treibt man die Festspiele ins Unglück.“

Minus

Pereira will „nicht nur von heuer ,Don Carlo‘, ,Die Meistersinger‘ und, wahrscheinlich, ,Lucio Silla‘“ an die Mailänder Scala zu übernehmen, „sondern auch Produktionen aus 2014“. So werde die Scala die Kurtag-Uraufführung "Fin de Partie" (mit Luc Bondy als Regisseur und Ingo Metzmacher als Dirigent) koproduzieren. Dies sagte er dem Standard. Er rechne keinesfalls fix mit einem Defizit aus dem laufenden Festival. Aber: „Ob es 300.000 plus oder minus werden, sollte nicht im Vordergrund stehen. Hauptsache, wir hatten Festspiele, die diesen Namen verdienen.“

Lesen Sie das ganze Interview mit Franz Welser-Möst:

Salzburg: Neuer Zündstoff für die Chefsuche

Eigentlich hätte Franz Welser-Möst bei den Salzburger Festspielen die Premiere der Mozart-Oper „Così fan tutte“, die am Mittwoch stattfindet, leiten sollen. Er zog sich jedoch aus Protest gegen die Aufführungsbedingungen von dieser Produktion und dem gesamten Da-Ponte-Zyklus zurück.
Im KURIER-Interview sagt er, was aus seiner Sicht in Salzburg falsch läuft. Und nimmt erstmals Stellung zum heißesten Festspiel-Gerücht: Er könnte ins Rennen um die Intendanz ab 2017 gehen und sich für die Leitung der Festspiele bewerben.

KURIER: Herr Welser-Möst, Insidern zufolge sind Sie ein aussichtsreicher Kandidat für den Chefposten bei den Salzburger Festspielen . . .

Franz Welser-Möst (lacht): Mit mir hat keiner darüber gesprochen.

Aber man sagt Ihnen Interesse daran nach. Werden Sie sich bewerben?
Ich denke nicht daran, mich zu bewerben.

Und wenn man auf Sie zukommt und Sie frägt, ob Sie es machen wollen?
Ich beschäftige mich nicht mit Sätzen, die mit „Wenn . . .“ beginnen.

Sie waren schon einmal im Gespräch für die Intendanz in Salzburg – 2004, als dann Jürgen Flimm bestellt wurde.
Ich habe mich auch damals nicht beworben. Der damalige Staatssekretär Franz Morak hat meinen Namen ins Rennen geworfen. Aber zu dieser Zeit hatten Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und Landeshauptfrau Gabi Burgstaller mit mir gesprochen. Und ich habe ihnen auseinandergesetzt, was in Salzburg falsch läuft. Das war eine ganz nüchterne Analyse: Es ging darum, dass jede Institution Stabilität braucht. Man braucht sich nur die Zahlen anzuschauen: Karajan war 35 Jahre Chef in Salzburg, Mortier zehn Jahre, Ruzicka fünf Jahre, Flimm vier Jahre, Hinterhäuser ein Jahr – und nach nur einem Jahr von Pereira stand schon fest, dass er nicht verlängert wird.

Wie groß war die Enttäuschung, dass Sie damals nicht gewählt wurden?
Wie das abgelaufen ist, war eines von zwei nicht so angenehmen Salzburg-Erlebnissen.

Und das andere?
Das war, als man von den Osterfestspielen auf mich zukam und mich bat, eine Analyse zu machen. Ich habe einen Vorschlag gemacht: Osterfestspiele, die den Namen Ostern zu Recht tragen, also eine Reise zur Besinnlichkeit. Wir hätten das gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern gemacht und auch die Preise wesentlich gedrückt. Dann habe ich aus der Zeitung erfahren, dass die Berliner Philharmoniker doch zu Ostern in Salzburg bleiben. Eigentlich ist mir Frau Burgstaller immer noch eine Entschuldigung schuldig.

Ein Jahr später war aber doch klar, dass die Berliner nach Baden-Baden abwandern . . .
Das ist ja die Ironie. Ich habe im Zusammenhang mit Salzburg immer Recht behalten. Ich bin offenbar nicht schlecht im Analysieren der Dinge.

Als möglicher Kandidat für die Leitung der Salzburger Festspiele gilt Markus Hinterhäuser. Wie stehen Sie zu ihm?
Ich schätze ihn sehr. Ich habe nur einen einzigen anderen Menschen getroffen, den ehemaligen Intendanten in Cleveland, mit dem man sich auch so gut über Konzerte unterhalten konnte. Ich kenne Hinterhäusers Zugang, was Oper anbelangt, zu wenig. Aber er hat in Salzburg ein tolles Jahr absolviert.

Braucht Salzburg einen Künstler oder einen Manager an der Spitze? Oder beides?
In Salzburg geht es um die Dramaturgie, um die Strahlkraft der Festspiele, nicht um eine Person. Aber nochmals: Ich habe mich noch nie um einen Job beworben, auch nicht um jenen des Generalmusikdirektors der Wiener Staatsoper. Ich habe kein Interesse an irgendwelchen strategischen Überlegungen. Das ist nicht mein Problem.

"Die momentane Richtung ist einfach falsch"

Die Wiener Philharmoniker haben zuletzt in Person des Vorstandes Clemens Hellsberg eingefordert, in Salzburg wieder mehr gehört zu werden. Ihr Kommentar dazu?
Die Wiener Philharmoniker haben in ihrem Vertrag stehen, dass sie das künstlerische Zentrum des Festivals sind. Es ist also nur legitim, dass sie wissen wollen, wohin die Reise geht. Und die momentane Richtung ist einfach falsch. Wenn man irgendwann so viele Vorstellungen programmiert, dass man 300.000 Karten verkaufen kann, wird die Rolle der Wiener Philharmoniker automatisch reduziert, weil sie nicht mehr Kapazität haben und nicht noch mehr spielen können. Man hat das weltbeste Orchester in Salzburg, also muss man es auch pflegen.

Passiert das nicht ausreichend?
Wir Österreicher neigen dazu, Dinge für selbstverständlich zu nehmen. Das ist nie gut, sondern der Beginn des Abgleitens. An die Spitze zu kommen, ist schwierig. Aber dort zu bleiben, ist noch viel schwieriger.

Sie hätten den jetzt startenden Mozart-Da-Ponte-Zyklus in Salzburg dirigieren sollen und haben abgesagt. War das wirklich nötig?
Auf alle Fälle. Ich wollte zwei Tage zwischen den Aufführungen haben, das brauchen die Sänger. Aber das wurde einfach ignoriert. So habe ich abgesagt – ohne je einen Vertrag dafür gehabt zu haben. Aber das ist ja bei Alexander Pereira nicht ungewöhnlich: Viele haben keine Verträge.

Es ging angeblich auch um eine Vorstellung um 11 Uhr ...
Zunächst gar nicht. Auf eine derart unkünstlerische Idee, eine Oper als Matinee anzusetzen, wäre ich nicht gekommen. Nehmen wir nur als Beispiel den „Don Carlo“: Peter Stein hatte angeblich vier Tage Zeit für Proben mit Jonas Kaufmann. Wie soll so etwas funktionieren? So ruiniert man die Kunstform Oper. Wenn immer alles nur um das Größtmögliche geht, ist es ein Overkill, der den Festspielen schadet.

Pereira reagiert auf Sängerkritik

Am Rande einer Pressekonferenz versuchte Pereira auch, die jüngste Kritik von Elisabeth Kulman abzuwehren. Die Sängerin hatte die Festspiele wegen nicht bezahlter Probenarbeit und zeitlich zu enger Disposition von Proben und Aufführungen besonders im "Falstaff" kritisiert. "Elisabeth Kulman verdient in Salzburg 1.000 bis 1.500 Euro mehr, als bei vergleichbaren Vorstellungen in anderen Häusern, etwa in München oder auch in Wien," argumentiert Pereira.

Kulmans Initiative "art but fair" wird mittlerweile auch von Sängerinnen wie Laura Aikin oder Edita Gruberova unterstützt. Für Pereira greift die Kritik der Altistin aber zu kurz. Kulmann habe das Angebot der Festspiele, das deutlich höher sei, als ihr vom deutschen Bühnenverband attestierter Marktwert, akzeptiert. "Erst Ja sagen und dann nachträglich in die Schlacht ziehen, das halte ich für unfair", so Pereira. "Ich zahle den Sängern lieber mehr, um sie halten zu können. Deswegen habe ich die Probengelder gestrichen - ebenso wie es das Theater an der Wien oder die Bregenzer Festspiele tun. Auch in Italien, Frankreich, Skandinavien gibt es keine Probengelder. In der Schweiz habe ich die Probegelder vor fünfzehn Jahren gestrichen. Und in all diesen Jahren hatten wir zwei Fälle, in denen Sänger geprobt hatten und dann die Aufführungen nicht singen konnten. In diesen Fällen haben wir trotzdem Gagen bezahlt. Mit dieser Vorgangsweise waren auch die Gewerkschaften einverstanden."

Auch von "zu enger Disposition der Vorstellungen" will Pereira nichts wissen: "Wirklich belastet ist im 'Falstaff' nur der Sänger der Titelpartie. Ich habe daher Ambrogio Maestri gesprochen. Und der hat mir versichert, dass das kein Problem sei, solange er gesund ist. In der letzten Aufführung des 'Falstaff' in Salzburg, zu der ich aus diesem Grund eingeladen hatte, konnte man sich davon überzeugen, dass die Qualität der Sänger durch unseren Terminplan nicht gelitten hat", argumentierte der Intendant. (apa)

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