2009 erhielt Enquist den Österreichischen Staatspreis.

© APA/BARBARA GINDL

Erste Erotik und mit Öl gesalbte Füße
12/07/2013

Erste Erotik und mit Öl gesalbte Füße

"Buch der Gleichnisse": Enquists Erinnerungen.

von Barbara Mader

Es war die „Frau auf dem astfreien Kiefernholzboden“, die ihm die Liebe zeigte. Sie war 51, er 15.

Per Olof Enquists „Buch der Gleichnisse ist ein seltsamer Liebesroman, vielmehr aber noch eine Erkundung der eigenen Vergangenheit und jener seines Vaters. Eine ungewöhnliche Autobiografie.

Sie beginnt mit einem halbverkohlten Arbeitsbuch, das dem Erzähler nach der Beerdigung seiner Mutter zugeschickt wird. Der vor Jahrzehnten verstorbene Vater hat es zurückgelassen, die Mutter wollte es einst im Ofen verbrennen. Sie hat es sich dann doch überlegt und das Büchlein mit bloßen Händen aus dem Feuer geholt. Olof, „das Kind“, wird auch jetzt, mit sechsundsiebzig, der Wahrheit seines Vater Elof nicht auf die Spur kommen. Er war Holzfäller, Dichter, er war ... Mensch. Es fehlen die entscheidenden Seiten im Notizbuch.

Enquists Erzählung ist mehrdeutig. Oft weiß man nicht, wessen Geschichte er gerade erzählt. Seine? Die des Vaters?

Erste körperliche Liebeserfahrungen – „du kannstich eine Weile neem mich legen“, hatte sie geflüstert –, treffen auf religiöse Wahnvorstellungen. Sie, die „Frau auf dem astfreien Kiefernholzboden“, war ihr Name Maria gewesen?, fragt er sich später. Hatte sie nicht die Erlöserfüße mit Öl gesalbt? Nein, sie hatte bloß sehen wollen, ob der Knabe keine Probleme mit der Vorhaut habe.

Eben erst in die körperliche Liebe eingeweiht, muss er an die Tante denken, die, krebskrank und ausgelaugt von einem entbehrungsreichen Leben, beschließt, dass sie nichts mehr mit dem angeblichen Erlöser Jesus zu tun will, denn er hat sie im Stich gelassen.

Zarte Einschübe

Enquist, 1934 geboren, gehört zu den renommiertesten schwedischen Schriftstellern. Er erzählt poetisch, manchmal verworren, in neun „ Gleichnissen“ vom Leben. Berührend sind die zarten Einschübe von Umgangssprache, die er behutsam in den Text webt: Wie „de Elof mir nichts, dir nichts starb“. So geht Enquist, scheinbar „mir nichts, dir nichts“, ans Eingemachte.

KURIER-Wertung:

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