Roxane Duran (li.) als Clara Westhoff und Carla Juri als Paula Modersohn-Becker

© PANDORA Film Produktion/Martin V/Polyfilm

"Paula - Mein Leben soll ein Fest sein": Gesichter wie Idioten, Nasen wie Kartoffel
12/15/2016

"Paula - Mein Leben soll ein Fest sein": Gesichter wie Idioten, Nasen wie Kartoffel

Braves deutscher Bio-Pic über die radikale Malerin Paula Modersohn-Becker.

von Alexandra Seibel

Wenn sie Menschen porträtiere, dann sehen deren Hände aus wie Löffel, deren Gesichter wie Idioten und die Nasen wie Kartoffeln: Ein vernichtendes Urteil, das der Maler Fritz Mackensen über die Bilder seiner Schülerin Paula Becker fällte. Seiner Meinung nach waren Frauen ohnehin unfähig zum schöpferischen Akt – es sei denn, sie bekamen Kinder.

Heute zählt Paula Modersohn-Becker zu den bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus. Gestorben ist sie im Alter von nur 31 Jahren nach der Geburt ihrer Tochter.

Regisseur Christian Schwochow bemüht sich in seinem etwas bieder geratenen Bio-Pic um ein schillerndes Frauen-Porträt, kommt aber über ein wohlmeinendes Mittelmaß, das sich im Ehedrama erschöpft, nicht hinaus. Seine "Paula" ist in erster Linie exaltiertes Mädchen, von Carla Juri mit einem Hang zum Exaltierten gespielt. In der Künstlerkolonie Worpswede rennt sie Trotzkopf-artig gegen die Überheblichkeit der Kollegen an, findet aber in dem Maler Otto Modersohn ihren späteren Ehemann.

Tierquälerei

Mit dem Prozess des Malens kann Schwochow nur wenig anfangen: Er selbst taucht seine Filmbilder in romantische Farben, doch wenn Paula vor der Leinwand steht, zieht sich die Kamera meist ratlos zurück. Mehr Fantasie entwickelt er beim Erzählen der Ehegeschichte: Fünf Jahre lang rührt Modersohn seine Frau nicht an und treibt sie damit sexuell derartig in die Enge ("Das ist Tierquälerei!"), bis sie ihn schließlich verlässt und nach Paris geht.

Die besten Momente gelingen im nebensächlichen Detail: Rilke lungert in der Küche herum und knabbert an einer Hartwurst. Später wird er seiner Frau Clara Westhoff einen Schmierzettel mit seinem wohl berühmtesten Gedicht, "Der Panther" in die Hand drücken: "Ich war gerade im Zoo."

Die Radikalität von Paula Modersohn-Beckers Malerei aber bleibt weitgehend im Dunkeln, die Liebesgeschichte geht vor. "Schade", sagt Paula Modersohn-Becker im Moment ihres Todes. Genau.

Alexandra Seibel

INFO: D 2016. 123 Min. Von Christian Schwochow. Mit Carla Juri, Roxane Duran, Albrecht Schuch.

KURIER-Wertung:

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