Manfred Deix (1949-2016) "Sterben ist das Letzte"

© KURIER/Gerhard Deutsch

Deix
11/06/2016

Pammesberger: Manfred Deix fehlt

Geblieben sind seine Figuren. Heute früh in der U-Bahn hab ich mindestens 4 gesehen.

von Michael Pammesberger

Die 100 Katzen mögen weinen, mir fehlt er nicht, der Katzensammler Manfred, der Katzenfuttermann Deix. Alles, was mehr als zwei Katzen beherbergt, fällt unter "animal hoarding" und ist ein Fall für den Tierschutzverein. Mir fehlt auch der Kettenraucher Deix bestimmt nicht. Der Unverbesserliche. Alle sind – vergeblich natürlich – gekniet auf ihm: Ärzte, Freunde, ganz Ameriga, Landeshauptleute. "Manfred, das bringt dich um!" Mir fehlt auch der verbohrte Beach-Boys-Fanatiker nicht. Ein Leben lang Beach Boys! Geh, mit den braun gebrannten Happy-Surfern brauchst mir nicht kommen … und hier trifft mich ein Blitz aus dem (wegen Manfred Deix mittlerweile) heiteren Himmel. Der Anekdoten-Deix, im Stil: Der-Freddy-war-der-Ärgste!-Der-Allerärgste! so unglaublich und lustig, so verrückt und anarchistisch sie auch sind. Ich kenn’ sie schon alle.

Der andere Deix

Aber da ist noch der andere Deix, der sehr fehlt. Der natürlich, den ich gekannt habe. Ein bissl gekannt habe, wir waren ja keine engen Freunde. Dem ich ein paar Mal begegnet bin, dem großen Meister, den ich natürlich verehrt habe. Der aber den kleinen Pammesberger mit seinen freundlichen Worten zu dessen Arbeit irgendwo auf Wolke sieben gebracht hat. Und was oder wen Manfred Deix einmal geliebt hat (Katzen, Tschik, Marietta, Beach Boys…), hat er immer geliebt. Was er nicht mochte (Jäger, Spießbürger, Konventionen, Arztbesuche …), hat er für immer gehasst.

Den Manfred hast du nicht suchen müssen im zahlreich versammelten Vernissagepublikum im Karikaturenmuseum: Dort, wo ein Wirbel ist, wo sich plötzlich was rührt – da is der Manfred mitten drin, nein: schon wieder zwei Schritt weiter … und die Abende, wo der Schmäh rennt, die fehlen natürlich.

Aber am meisten fehlt der Manfred Deix, den wahrscheinlich keiner gekannt hat. Der, der in der Nacht vor dem Papier sitzt. Mit dem Aquarellkasten und den feinen Pinseln. Der Zeichner. Das Zeichnen ist kein lautes Gewerbe. Kein Wirbel, kein Geschrei. Kein Applaus. Der Künstler Manfred Deix ganz bei sich. Der Künstler und seine Kunst. Wo aus dem Nichts diese Welt entsteht. Die Deix-Welt. Die wir uns am Morgen staunend anschauen können. Her mit dem Buch. Politisches und Unanständiges, Deix war immer beides: politisch UND unanständig. Gscheit UND schweinisch. Gleichzeitig!

Ein Vorwort von Freund Gottfried Helnwein und „ein Gespräch mit Manfred Deix, geführt von Danfred Meix“ steht den „Cartoons vom Meister“ voran. Wegbegleiter von Manfred Deix, der am 25. Juni 2016 im Alter von 67 verstorben ist, beschreiben ihre gemeinsamen Jahrzehnte von Manfred Deix’ Schaffen. Grün-Politiker Peter Pilz führt in die 1970er, der ehemalige profil-Chefredakteur Herbert Lackner in die 1980er ein. News-Kultur-Chef Heinz Sichrovsky stellt die Cartoons der 1990er und KURIER-Politik & Sonntags-Chef Josef Votzi jene der 2000er-Jahre vor. In dem mit sich selbst geführten Interview sagt Deix: „Ich ein Menschenverächter? Das ist doch absurd. Sehen Sie sich meine Bilder doch etwas genauer an und Sie werden eines merken: Ich habe die Arschlöcher, die ich zeichne, noch in keinem meiner Werke verächtlich gemacht! In keinem, Sie Null!“ Cartoons vom Meister. Deix. Politisches und Unanständiges. Ueberreuter, 24,90 Euro

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