Kultur 25.12.2011

Oscarpreisträger Stefan Ruzowitzky wird 50

Der österreichische Regisseur und Oscarpreisträger feiert am 25. Dezember seinen 50. Geburtstag. Weltweit bekannt wurde er mit dem Film "Die Fälscher".

Seit dem Februar 2008 gehört Stefan Ruzowitzky einem erlesenen Zirkel an. Damals wurde sein Film "Die Fälscher" mit dem Academy Award für den besten nicht-englischsprachigen Film ausgezeichnet, seither darf der österreichische Regisseur vor seinem Namen das Wörtchen "Oscarpreisträger" führen. Ruzowitzky steht damit wie kaum ein anderer stellvertretend für das in den vergangenen Jahren vielzitierte österreichische Filmwunder, das mit Michael Haneke, Götz Spielmann oder Ulrich Seidl an markanten und erfolgreichen Figuren nicht arm ist. Am 25. Dezember, einen Tag nach Weihnachten, wird Ruzowitzky einem weiteren erlesenen Kreis angehören - dann feiert der mit seiner Familie in Klosterneuburg lebende Filmemacher seinen 50er.

Ob er mit 50 seinen Durchbruch in Hollywood schafft, wird sich wohl mit dem Thriller "Kin" erweisen, an dem Ruzowitzky derzeit arbeitet. Die Hauptrollen in dem Films über ein Geschwisterpaar, das nach einem missglückten Raubüberfall auf der Flucht ist, spielen Eric Bana und Olivia Wilde, auch Sissy Spacek und Kris Kristofferson sind mit an Bord. Ein wenig Nervosität ist bei Ruzowitzkys erstem Übersee-Abenteuer auf jeden Fall mit dabei. "Wenn das in die Hose geht, wird es schwierig sein, noch einmal so eine Chance zu bekommen", sagte er kürzlich in einem Interview. Eine dieser Chancen war schon mal ungenützt verstrichen: Der internationale Kriegsklamauk "Die Männer ihrer Majestät" (2001) war nach dem deutschen Horrorfilmhit "Anatomie" (2000) völlig gefloppt.

In Wien geboren, aufgewachsen in Düsseldorf und Linz

Ruzowitzky, 1961 in Wien geboren und in Düsseldorf und Linz aufgewachsen, wurde das Regieführen als Sohn eines Maschinenbauingenieurs zwar nicht in die Wiege gelegt, doch schon in der Volksschule soll er mit Inbrunst "Max und Moritz" inszeniert haben. Seine Leidenschaft verfolgte er mit Konsequenz, studierte Theaterwissenschaft und Geschichte in Wien, drehte mehrere Musikvideos, unter anderem für N`Sync, die Scorpions, Stefan Raab oder Die Prinzen. Mit "Tempo" gab er 1996 sein gefeiertes Filmregie-und Drehbuchdebüt, das gleich den Max-Ophüls-Preis ergatterte. Den Durchbruch erlebte er mit dem bäuerlichen Drama "Die Siebtelbauern" (1998), das von der Kritik hochgelobt wurde und zahlreiche Auszeichnungen erhielt.

Mit "Anatomie" und Franka Potente in der Hauptrolle legte er einen Kassenschlager vor, mit "Anatomie 2" (2003) machte er den Misserfolg mit den "Männern ihrer Majestät" vergessen. Vier Jahre später sorgte das KZ-Drama "Die Fälscher" mit Karl Markovics im Berlinale-Wettbewerb und anschließend weltweit für Furore. Ruzowitzky wurde als zweiter Österreicher nach Wolfgang Glück 1986 für den Auslands-Oscar nominiert - und "klein denken" war noch nie Ruzowitzkys Sache. "Wenn man nach Los Angeles fährt, dann will man auch gewinnen", sagte der Regisseur damals und unterstrich damit sein Motto: "Versuchen kann man es wenigstens." Der Versuch hat sich ausgezahlt, für Ruzowitzky wurde "ein echter Kindheitstraum wahr".

Oscar für "Die Fälscher"

Stefan Ruzowitzky mit seinem Oscar.
© Bild: REUTERS

Der Oscar brachte in Folge zahlreiche Ehrungen in Österreich, Ruzowitzky selbst engagierte sich stark für eine Besserstellung der heimischen Filmbranche. Mit dem Kinderfilm "Hexe Lilli - Der Drache und das magische Buch" durfte sich der Regisseur vor zwei Jahren dann wieder über einen großen Kassenerfolg freuen, im vergangenen Jahr feierte er schließlich sein Operndebüt mit dem "Freischütz" im Theater an der Wien. "Ich sehe mich in erster Linie als Geschichtenerzähler", sagte er dazu im APA-Gespräch. "So eine ganz andere Welt ist das dann auch wieder nicht, hier habe ich eben durchgehend eine Totale." Im Wesentlichen gehe es bei der Oper aber ebenso wie beim Film darum, "Emotion zu maximieren, optisch und dramaturgisch effektvoll zu arbeiten."

Den Gipfel hat Ruzowitzky eigentlich schon erreicht, mit 50 kann er die Sache wohl etwas gelassener angehen. "Wenn man die Möglichkeit hat, auch in Deutschland interessante Projekte zu machen oder auch am englischsprachigen Markt, dann ist das super", meinte er einmal. "Aber das Ideal ist sicher, dass man so ein bisschen ein Wanderer zwischen den Welten ist - einmal was großes Internationales machen, dann wieder etwas Kleineres hier bei uns." Derzeit steht das große Internationale vor der Tür - und man darf sehr gespannt sein, ob Ruzowitzky auch Hollywood erobert.

( Kurier ) Erstellt am 25.12.2011