Der Oscar aus Hollywood heißt eigentlich "Academy Award of Merit".

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Kultur | Oscar
02/26/2017

Gestatten Oscar: Alles über die Namensvetter

1929 schlug die Geburtsstunde des berühmtesten Oscars, jenem aus Hollywood und Gold. Ein Name, der Geschichten schrieb.

Als Oscar geboren wurde, hieß er etwas sperrig "Academy Award of Merit". Damit kann man nicht berühmt werden, selbst wenn man golden glänzt. Und darum bürgerte sich bereits zwei Jahre nach der ersten Preisverleihung der Spitzname "Oscar" ein.

Taufpatinnen

Um den Namensgeber ranken sich Legenden. Eine Taufpatin war angeblich Bette Davis, die immer wieder sagte, dass die Statue sie an ihren ersten Mann Harmon Nelson erinnere – und der hieß mit zweitem Vornamen Oscar. Auch Margaret Herrick, die Vorstandssekretärin, mischt im Match um die Namensgebung mit. Von ihr stammt der Ausspruch: "Der sieht ja aus wie mein Onkel Oscar!".

Geschütze Marke

1979 wurde der Namen für den berühmtesten Filmpreis der Welt sogar markenrechtlich geschützt. Was nicht verhinderte, dass man ihm überall begegnet. Zum Beispiel in Kentucky, Louisiana, Missouri, Oklahoma, Pennsylvania, Texas oder West Virgina. Jeder der US-Staaten hat einen Ort namens Oscar.

Bekannt

In der Literatur trifft man Oskar Matzerath in "Die Blechtrommel" von Günther Grass. Und in der "Sesamstraße" erfreute Oskar aus der Mülltonne Generationen von Kindern.

Weniger bekannt

Thüringen ist Oskar-Land. Im Vorjahr war das der beliebteste Buben-Vorname in dem deutschen Bundesland. Und in Skandinavien ist Oscar ohnedies ein Dauerbrenner. In Schweden führte er 2016 die Vornamen-Hitliste an – wieder einmal. Im Altisländischen ist Oscar übrigens ein "Asgeirr". Doch das finden wohl nur Deutschsprachige komisch.

Hier die Geschichten von zehn Oscars:

1. Oscar, die Katze

Der Kater aus Jersey wurde international bekannt, weil ihm als erster Katze nach einem Unfall mit einem Mähdrescher bionische Füße anoperiert wurden. Oscars Pfoten waren zwischen Knöchel und Fuß abgetrennt worden. Chirurgen Noel Fitzpatrick aus Surrey sah in Oscar den idealen Patienten für eine neuartige Operation, bei der die Prothesen in Form von zwei Stelzen in passende Löcher in den Knochen eingesetzt wurden.

2. Oscar Petersen

Oscar Petersen hieß, obwohl Sohn karibischer Einwanderer in Kanada, tatsächlich Oscar Petersen. Dort war er bereits eine lokale Größe, als ihn ein US-Impresario während einer Taxifahrt in Montreal im Radio hörte und 1949 zu einem Auftritt in die New Yorker Carnegie Hall holte. Der Jazzpianist begleitete Stars wie Ella Fitzgerald und gewann etliche Grammys. Er wollte am liebsten „vom Klavierschemel ins Grab fallen“. Oscar Peterson starb 2007.

3. Oskar Schindler

Steven Spielberg hat mit seinem Film „Schindlers Liste“ dem Mann, der mehr als 1200 Juden vor den Nazis rettete, ein Denkmal gesetzt. Der 1908 geborene Oskar Schindler war Geschäftsmann und Stratege, Gutmensch und Hedonist, Alkoholiker und Ehebrecher: Ein Held des Alltags mit widersprüchlichen Eigenschaften. So verspielte er den Goldring, den ihm die von ihm geretteten Juden 1945 zum Abschied geschenkt hatten, beim Pokern.

4. Oskar Sima

„I muß schnauz'n, brülln und eklig sein“, meuterte er oft. „Dabei bin i so gemütlich.“ Gemütlich hatte er es auf seinem Gut in Hohenau, wo er 1896 zur Welt gekommen war, Schweine und Pferde züchtete, Wein anbaute. „Oskar Sima war der König der Nebenrollen. Auf der Bühne und in mehr als 200 Filmen zeigte er, lange vor Qualtinger, das Abgründige im dicken Mann, war raunzend, graziös und weinselig, devot und roh, bös und widerlich – ein Wiener Charakter.

5. Oskar Werner

Oskar Werner kam zwar als Oskar zur Welt, nicht aber als Werner. In Wahrheit hieß er Bschließmayer. Ob man mit dem Namen für einen Oscar nominiert werden kann? Das gelang dem 1922 geborenen Wiener 1965 in „Das Narrenschiff“, in dem die Geschichten verschiedener Passagiere eines Linienschiffes in den 1930er Jahren erzählt wird. Werner ging leer aus, blieb aber international gefragt. Später versank der große Schauspieler in Alkohol und Egomanie.

6. Oscar I.

Der spätere Schwedenkönig ist 1799 als Franzose mit Namen François Joseph Oscar Bernadotte zur Welt gekommen. Er war der Sohn von Désirée Clary, der Ex-Verlobten Napoleons und des französischen Marschalls Jean-Baptiste Bernadotte. Letzterer war vom kinderlosen schwedischen Königspaar als Kronprinz unter dem Namen Karl Johann adoptiert worden. Oscar I. war mit der Enkelin von Kaiserin Joséphine von Frankreich verheiratet.

7. Oscar Troplowitz

Die bekannteste Hautcreme der Welt, Leukoplast, Labello, Tesa-Film und der Hamburger Stadtpark: Oscar Troplowitz hinterließ der Nachwelt Bedeutendes. 1890 erstand der Apotheker aus Schlesien die „Fabrik dermotherapeutischer Präparate“ von Paul Carl Beiersdorf in Hamburg/Altona und erfand mit dem Emulgator „Eucerit“ eine neuartige Creme. Nivea wird nach dem Lateinischen „nix, nivis“ für Schnee benannt und ein weltweiter Erfolg.

8. Oskar Kokoschka

Er galt als vielseitig talentiert, provokant, rebellisch und nicht angepasstes „enfant terrible“, seine Kunstwerke waren von einer leidenschaftlichen Unruhe geprägt. Als Maler schuf der 1886 in Pöchlarn geborene Oskar Kokoschka Porträts, Landschafts- und Städtebilder. Als nicht Angepasster machte er aus seiner Ablehnung gegen das Nazi-Regime keinen Hehl, diese Einstellung und seine Kunst machten ihn zu einem „entarteten“ Künstler.

9. Oscar Wild

Unzählige seiner Zitate sind überliefert. Eines der bekanntesten: „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack – ich bin immer mit dem Besten zufrieden.“ Oscar Fingal O'Flahertie Wills Wilde, geboren 1854, war ein irischer Schriftsteller. Als Lyriker, Romanautor, Dramatiker und Kritiker wurde er zu einem der bekanntesten und umstrittensten Schriftsteller seiner Zeit. Obwohl verheiratet wurde er wegen homosexueller „Unzucht“ zu Zuchthaus mit harter Zwangsarbeit verurteilt. Das ruinierte seine Gesundheit. Er starb mit nur 46 Jahren.

10. OSCar, das Auto

Naheliegend, dass auch Autohersteller irgendwann den Namen Os-car entdeckt haben. Und so gibt es etwa das OSCar, ein Elektroauto, das drei Rallys – Dakar, die Silk Way Rally und das Africa Eco Race – erfolgreich beendet hat. OScar wiederum war eine dänische Marke, die 1984 nach nur fünf gebauten Autos Geschichte war. Der Name leitete sich von Ole Sommer car ab. Das zweite OScar (Abkürzung für Open Source car) ist ein Projekt, das ein Auto komplett im Internet entwickeln will. Es soll nur im Computer mit Hilfe freier Mitarbeiter entworfen werden.

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