Kultur
09.11.2018

ORFeins-Vorabend soll "verösterreichert" werden

Channel-Chefin Totzauer plant ORFeins-Umbau "in Phasen". Start im Frühjahr mit "ZiB" um 18 Uhr und neuem Vorabend-Magazin.

Mit einem Fokus auf den Vorabend und einigen Eigenproduktionen im Fiction-Bereich startet Channel-Managerin Lisa Totzauer den Umbau von ORFeins im kommenden Jahr. Vom Tisch ist hingegen das von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz früher ventilierte tägliche Info-Magazin um 21 Uhr, wie Totzauer Donnerstagabend vor Journalisten erläuterte. Niederschlag findet das im sogenannten Jahressendeschema, das die Stiftungsräte Mitte November übermittelt bekommen und von ihnen beschlossen werden muss.

Der Umbau von ORFeins sei nicht von heute auf morgen zu schaffen, an dessen Ende ein "Zielschema" stehe, dass Totzauer "in Phasen" erreichen will. ORFeins soll künftig unterschiedliche "Tagesfarben" bieten. Beispielsweise wurde der Mittwoch-Hauptabend schon als Informationstag positioniert; mit dem Freitag soll das Publikum "unterhaltsam ins Wochenende" geführt werden. Erklärtes Ziel Totzauers ist es, "wochentags den Hauptabend österreichisch zu programmieren. Das nehmen wir Schritt für Schritt in Angriff." Am 7. Jänner wird, passend zum österreichischen Serien-Montag, etwa  die Dramedy "Walking on Sunshine" starten, in der u. a. Robert Palfrader, Proschat Madani, Aaron Karl und Miriam Fussenegger von den Hochs und Tiefs des Lebens erzählen – in menschlicher wie meteorologischer Hinsicht. Auch David Schalkos Serien-Übersetzung von Fritz Langs "M" mit Verena Altenberger, Lars Eidinger, Bela B und Moritz Bleibtreu soll im Frühjahr im Premiere feiern. Für 2020 geplant ist dann die Comedy "Wischen ist Macht", für die bereits 20 Folgen beauftragt sind.

Vorabend-Umbau

Als erstes legt Totzauer aber Hand an den ORFeins-Vorabend. Als Abspielfläche für US-Serien ist er in Verruf geraten ist - das Problem dabei: Es es gleichzeitig ein immer noch funktionierender Anziehungspunkt für junge Seher. "Wir beginnen das Zurückdrängen der amerikanischen Kaufware", lautet nun Totzauers Devise. Hier soll das Publikum künftig mit einer "ZiB 18" (um 18 Uhr) "in ähnlicher Länge wie die ,ZiB 20'" im Feierabend willkommen geheißen werden. Geplanter Start: Frühling 2019. Im Anschluss soll ein etwa 35-minütiges Vorabendmagazin folgen, das "ZiB-Magazin" wird es dann nicht mehr geben. Danach soll es vorerst weiter US-Serien wie "Big Bang Theory" geben. Auf lange Sicht soll aber die gesamte Zone von 18 bis 20 Uhr mit Eigenproduktionen bestückt werden, aber "das werden wir natürlich nicht von heute auf morgen schaffen", weiß Totzauer. Als Testraum für mögliche Formate öffnet man eine Vorabendfläche am Samstag, fürs Ausprobieren von Ideen und Produkte. Man habe wenig Erfahrung mit Eigenproduktionen im Vorabend, deswegen wollen wir dort "sammeln, probieren, entwickeln". 

Heimischer Content

Generell sieht Totzauer steigende Nachfrage nach heimischen Content. "Österreichische Produkte, sowohl aus dem fiktionalen als auch im nonfiktionalen Bereich, haben auch in den jüngeren Zielgruppen wieder steigende Relevanz. Österreich hat wieder "etwas Cooles", dies sei übrigens ein internationaler Trend, habe sich zuletzt auch auf der Fernseh-Messe MIPCOM gezeigt. Als genuin österreichische Idee wird derzeit ein "Challenge"-Format entwickelt: "Ein Wettbewerb der mutigsten, engagiertesten freiwilligen Feuerwehrkräfte. Das ist ein Produkt, an das wir glauben."

Internationale Filme und Serien sollen aber weiterhin eine Rolle in ORFeins spielen, versichert Totzauer: "ORFeins ist auch Kino, wir haben den Anspruch, die besten Filme zu zeigen." Allerdings sei der Markt auch nicht voll davon. Hollywood-Blockbuster würden "aufs Finanzvolumen hin produziert, und ich sehe nicht, dass wir jeden Sonntag einen Marvel-Film spielen". Wie schaut ihr Budget für all diese Pläne aus? "Wir haben alle vorhandenen Ressourcen sehr konzentriert analysiert", außerdem habe man "sehr effizient" Sendungen, die "auf Lager" lagen, ausgespielt und sich dafür "einen Spielraum für 2019 und 2020 geschaffen". Dazu zählen etwa die "CopStsories" aber auch die Stadtkomödien und Landkrimis, die noch heuer im Programm zum Einsatz kommen. Fürs nächste Jahr sind nun endlich die auf Halde liegenden "Vier Frauen"-Staffeln für die Abspielung vorgesehen.

Klare Regeln

Totzauer hat im übrigen für die Arbeit am neuen ORFeins ein paar "Regeln" aufgestellt, die unbedingt eingehalten werden müssten: So sei "Verlässlichkeit" im Programm fürs Publikum ebenso wichtig wie für die Werbebranche. ORF eins-Produktionen würden nun ausschließlich "klar für einen Sendeplatz und für den Kanal" beauftragt. Gleichzeit werden bestehende Produkte "sehr intensiv analysiert, ob sie zu ORF eins passen". Viel Zeit widmen Totzauer und Programmplaner Roman Rinner dabei der Zielgruppenanalyse. Anstatt auf die "junge" Zielgruppe zu fokussieren, bedient man sich der Sinus-Milieus, denn: "Die alleinige Differenzierung in Alt und Jung entspricht nicht den Lebensrealitäten", betont die Channelmanagerin. "Es gibt traditionelle konservative Menschen, die definitiv nicht 70 sind."