Kultur 05.12.2011

ORF-Wahl wird zum Solo für Wrabetz

Die ÖVP hat bis 4. August keine Kandidaten nachnominiert. Damit ist fix: Am Dienstag wird Alexander Wrabetz wieder ORF-Chef.

Kanzler Faymanns "junge Wilde", Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas und SPÖ-Stiftungsrat Niko Pelinka, haben es, bei aller Kritik wegen der harten Vorgangsweise, aus Sicht ihrer Partei richtig gemacht: Am 9. August wird "ihr" Alexander Wrabetz als erster Generaldirektor (GD) nach Gerd Bacher unmittelbar im Amt verlängert. Das zählt.

Seit Donnerstagmittag, steht fest: Zum Ende der Frist gab es keine prominente Nachnominierung auf die Kandidatenliste für den Top-Job des 950-Millionen-Unternehmens. Es gab nämlich überhaupt keine Nachnominierung. Null, nichts, niemand!
Damit behält Wrabetz auch recht mit der jüngst getätigten Aussage, dass es im Grunde gar nicht um eine Wahl gehe: Für das der Bestellung vorangehende Hearing wurde nach KURIER-Infos nämlich zunächst nur ORF-Osteuropa-Korrespondent Christian Wehrschütz neben Wrabetz nominiert. Das geschah wohl der Form halber. Am Dienstag dürfte es somit zur kürzesten ORF-Wahl aller Zeiten kommen.

Offen ist, ob die zwölf bürgerlichen Stiftungsräte für Wrabetz stimmen - Gespräche darüber werden seitens der ÖVP bestätigt. Dabei dürfte es auch um personelle Zusagen in der zweiten und dritten Reihe gehen - und für Wrabetz um Gebührenrefundierung und -erhöhung. Hat der General die Bürgerlichen im Boot, kann er gegenüber den Betriebsräten, die bei der Chef-Wahl mitstimmen, freier agieren.

Interesse am Job des ORF-Generaldirektors ist am Nullpunkt

Einigt man sich nicht, stehen bürgerliche Stiftungsräte ohne wählbaren Kandidaten da, nachdem das Ass der ÖVP, RTL-Group-Chef Gerhard Zeiler, nicht gestochen hat. Franz Medwenitsch, Chef der bürgerlichen Stiftungsräte, meint: "Das Interesse von Topmedienleuten am Job des ORF-Generaldirektors ist am Nullpunkt." Schuld daran sei der SPÖ-"Freundeskreis", der durch sein vorgefertigtes Stimmverhalten die Tür zur ORF-Chefetage verschlossen halte.

ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf bezeichnete die absehbare Wiederwahl von Wrabetz als "Pyrrhussieg der Parteipolitik" und als "ORF-Niederlage", sagte er den Vorarlberger Nachrichten. "Für den ORF und dessen Zukunft ist das äußerst bedauerlich". Für eine Gebühren-Erhöhung sieht Kopf "überhaupt keine Notwendigkeit".

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011