Kultur 05.12.2011

ORF-Wahl: Bewerber gegen "Polit-Farce"

Am 28. Juli läuft die Bewerbungsfrist für den ORF-Generaldirektor ab: Neben dem politisch gestützten Amtsinhaber haben sich drei Außenseiter beworben.

Der Einzige, der zumindest so tut, als würde er sich Chancen ausrechnen, ist Manfred Greisinger. "Wer weiß, vielleicht durchtrennen ein paar mutige Stiftungsräte am 9. August ihre ,Parteien-Gängelbänder' und wagen den Befreiungsschlag?" Der Autor und Ex-ORF-Mitarbeiter hat sich - als einer von drei bisher bekannten Gegenkandidaten zu Alexander Wrabetz - als ORF-Generaldirektor beworben. Um gegen die "Polit-Farce" anzutreten: "Die Menschen haben die Parteien-Packeleien so satt! Wozu eine öffentliche Ausschreibung, wenn ohnehin schon alles ausgemacht ist?"

Das Wissen, dass ihre Kandidaturen letztlich aussichtslos sind, haben Greisinger, Karin Kraml (früher Resetarits) und Christian Wehrschütz gemeinsam. Und den Wunsch, trotzdem ein Zeichen zu setzen. Kraml bewirbt sich, obwohl sie als ehemalige Europaabgeordnete für den Posten laut Gesetz derzeit gar nicht infrage kommt. "Weil eine Demokratie Wettbewerb braucht und weil gute Vorschläge von anderen Kandidaten auch dem zukünftigen General helfen werden."

Stärker auf öffentlich-rechtliche Werte besinnen

Alle drei Wrabetz-Herausforderer fordern in ihren Konzepten eine stärkere Besinnung auf öffentlich-rechtliche Werte. ORF-Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz spricht sich für längere Nachrichtensendungen aus: "Der ORF muss ein modernes Medienunternehmen mit viel mehr investigativem Journalismus werden. Weniger reagieren, mehr agieren."

Greisinger sieht seine "bürgerdemokratische Initiative" als Würdigung Hugo Portischs und dessen Rundfunkvolksbegehren in den 60er-Jahren. In seiner Bewerbung fordert er in markigen Worten das "Wahrnehmen des öffentlich rechtlichen Auftrages statt Kopieren und Nachjagen von Privat-TV-Formaten." Die Unterscheidbarkeit vom Privat-TV müsse gewährleistet werden, die Förderung von typisch österreichischen Programminnovationen auch. Karin Kraml würden den ORF gerne "zu seiner wahren Identität zurückführen" und den Gebührenzahlern "wieder unverwechselbares, anspruchsvolles Programm und keine internationale Massenware" bieten.

Verjüngung der Mitarbeiter und des Publikums notwendig

Einig sind sich die drei Bewerber auch darin, dass eine Verjüngung sowohl der ORF-Mitarbeiter als auch des Publikums notwendig wäre. Wehrschütz fürchtet eine Überalterung der Nachrichtenkonsumenten und daraus resultierende Probleme mit dem Sehernachwuchs; Greisinger fordert einen "Nachwuchs-Pool ORF ", ein "Übungsfeld für junge Kreativgeister."
Auch beim Umgang des ORF mit neuen Medien gebe es massiven Aufholbedarf.

Konkrete Sendungsvorschläge: Wehrschütz will den "Auslandsreport" wieder einführen. Greisinger schlägt mehrere neue Formate vor, u. a. für Menschen mit Behinderung, für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung und für "Partnerschaftswillige".

INFO: Termine für die ORF-Wahl

Bewerbungsfrist
Am Donnerstag, 28. Juli, exakt um 24 Uhr, endet die vierwöchige Bewerbungsfrist für den Posten des ORF-Generaldirektors.

Nachnominierungen möglich
Sollte sich nach Ende der Bewerbungsfrist für den Posten doch noch ein zusätzlicher Kandidat mit politischer Rückendeckung aus der Deckung wagen, könnte dieser bis 4. August von Stiftungsräten nachnominiert werden.

Direktoren
Ist die neue ORF-Spitze in der Wahl im Stiftungsrat (9. August) fixiert, ist noch einmal ein Monat Zeit für die Ausschreibung der vier Direktorenposten. Diese werden am 15. September vom Stiftungsrat gewählt. Hier sind seit der letzten Novelle des ORF-Gesetzes im Jahr 2010 zwei Posten weniger vorgesehen als bisher.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Analyse

  • Hintergrund

  • Interview

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011