Kultur 04.04.2012

ORF-Standort: Auch Bundespolitik mischt mit

Die ÖVP macht gegen das "rotes Millionengrab" mobil. Ein ORF-Neubau werde rund 120 Millionen Euro mehr kosten, als ursprünglich geplant.

Die Frage, ob der ORF künftig "Live aus dem Schlachthof" sendet, beschäftigt jetzt auch die Bundespolitik. ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch ortet im Mediacenter St. Marx ein "rotes Millionengrab". Ein ORF-Neubau werde rund 120 Millionen Euro mehr kosten, als ursprünglich geplant.

Statt eines Umzugs plädiert er für eine Sanierung des Küniglbergs. Auch aus den Unterlagen, die ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz der zuständigen Arbeitsgruppe des Stiftungsrates vorgelegt hat, geht hervor: Der Neubau würde inklusive laufender Betriebskosten 1,49 Milliarden Euro kosten, eine Sanierung 1,37 Milliarden. Umzugsbefürworter orten allerdings Synergieeffekte durch strukturelle Einsparungen oder auch den Wegfall von Mitarbeiterfahrten zwischen Küniglberg, Argentinierstraße und Heiligenstädter Lände.

An einem einzigen Standort wird es weniger Personal geben, wie Wrabetz in dem Papier, das den Stiftungsräten nun vorliegt, durchblicken lässt. Das ist auch der Grund, warum sich der ORF-Betriebsrat mehrfach gegen Umzug und Zusammenlegung ausgesprochen hat. Letztere steht seit vergangenem Donnerstag allerdings fest.

Die Standortfrage ist in Wien längst ein Politikum. Die Wiener SPÖ hat sich mehrfach für einen Umzug ausgesprochen und das sogar in ihr Programm für die Gemeinderatswahl 2010 geschrieben: "Der ORF soll von St. Marx – dem besten Medienstandort der Stadt – aus senden (...)." Bürgermeister Michael Häupl hatte schon 2010 betont, dass "es für die Entwicklung des Media Quarters eine sehr vernünftige Geschichte wäre, wenn der ORF dorthin übersiedeln würde". Vizebürgermeisterin Renate Brauner erklärte wiederholt, dass man dem ORF entgegenkommen wolle, etwa mit einem Public-Private-Partnership-Modell.

Eine Beschlussfassung darüber, ob das ORF-Zentrum saniert und ausgebaut wird oder ein Neubau in St. Marx kommt, soll spätestens bei der Stiftungsratssitzung am 28. Juni erfolgen. Bis dahin bietet die Stadt Wien vergünstigte Konditionen für das Areal.

( Kurier ) Erstellt am 04.04.2012