Kultur
05.12.2011

ORF-Seher verlangen besseres Programm

Programm ohne Unterhaltungswert: Eine KURIER-Umfrage ergab, dass 65 Prozent der Befragten mit dem derzeitigen Unterhaltungsangebot unzufrieden sind.

Alexander Wrabetz wird am Dienstag wieder zum ORF-Generaldirektor gewählt. Daran ändern auch die Turbulenzen am Wochenende nichts. Wrabetz soll mit einem SPÖ-Stiftungsrat Einladungslisten für Diskussionssendungen abgesprochen haben. Er dementiert strikt. Die Wahl im ORF-Stiftungsrat ist nur Formsache, denn die ÖVP hat keinen Gegenkandidaten gefunden. Doch die monatelange Debatte um den ORF und seinen Chef hat Spuren hinterlassen.

Laut einer aktuellen OGM-Umfrage für den KURIER sind nur 25 Prozent der Befragten mit der ersten Amtszeit von Generaldirektor Wrabetz zufrieden, 39 Prozent sind nicht zufrieden. Nur bei den SPÖ-Wählern halten sich Zufriedene und Unzufriedene die Waage. OGM-Chef Wolfgang Bachmayer ortet zwei Gründe für das schlechte Abschneiden von Wrabetz: die lang anhaltende politische Diskussion um den ORF und seinen Chef sowie die Unzufriedenheit mit dem Programm, die auch aus der Umfrage hervorgeht.

Mäßige Unterhaltung

Vor allem das Unterhaltungsprogramm, das für die meisten Hörer und Seher besonders wichtig ist, schneidet schlecht ab. 65 Prozent sind mit Serien, Filmen und Shows nicht zufrieden. "Unzufriedenheit mit dem Programm heißt auch Unzufriedenheit mit dem Unternehmen und mit der Führung. Womit wir bei Wrabetz sind", sagt Bachmayer.

Dass die Unterhaltung negativ beurteilt wird, während die Informations-Sendungen positiv gesehen werden, erklärt er so: Im Unterhaltungsbereich sei die Konkurrenz durch Private sehr groß. "Bei Information und Dokumentation bleiben die Österreicher dem ORF treu, bei der Unterhaltung nicht." Recht zufrieden sind die Österreicher mit dem Sport, bei der Kultur gibt es keine klare Mehrheit. "Bei manchen Sportarten hat der ORF die Sporthoheit, etwa beim Skifahren. Und Kultur polarisiert", befindet Bachmayer.

Starker Polit-Einfluss

Wenig überraschend ist für den Meinungsforscher die Meinung der Österreicher bezüglich Polit-Einfluss auf den ORF: 66 Prozent glauben, der Einfluss der Politik sei zu groß. Hier gibt es kaum Unterschiede zwischen den Anhängern der Parteien. Geht es um den Einfluss einzelner Parteien, liegt insgesamt die SPÖ voran. Die SPÖ-Anhänger meinen aber, die ÖVP habe mehr Einfluss.

Eine Erhöhung der ORF-Gebühren lehnen die Österreicher übrigens strikt ab. Außerdem will eine große Mehrheit der TV-Konsumenten die Möglichkeit haben, auf ORF -Programme zu verzichten und damit die Gebühren einzusparen.

Für Bachmayer ist das Ergebnis der Umfrage sehr stark vom "Lärm" um die Wahl des Generaldirektors beeinflusst. Neben dem politischen Hickhack komme auch aus dem ORF selbst immer wieder Kritik an der Person Wrabetz. "Das kennen wir auch von der Debatte um die Justiz. Wenn andauernd öffentlich kritisiert wird, leidet das Ansehen der Institution und der Person."

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