© ORF/Hans Leitner

Kultur
12/05/2011

ORF III: "Nicht nur für die A-Schicht"

Am Nationalfeiertag startet der neue Kultur- und Infokanal ORF III. Programmchef Peter Schöber im Interview.

von Anna Gasteiger

Vom Empfang aus rechts, am Bankomat vorbei, bei der Poststelle links abbiegen und dann den Gang hinunter … ORF III ist in einem abgelegenen Winkel des ORF-Zentrums untergebracht. Peter Schöber sagt lieber "im Bauch": "Wir haben zu allen Produktionsstätten kurze Wege, das ist ein Vorteil." Sein 18-köpfiges Team verantwortet 18 Eigenproduktionen und hat dafür jährlich 3,2 Millionen Euro zu Verfügung. "Ambitioniert" sei das, sagt Schöber. Möglich wird's durch die enge Zusammenarbeit mit der Senderfamilie. Beispiel "Kultur heute": Viele Beiträge für das tägliche Kulturmagazin werden aus den Landesstudios zugeliefert. Die gesamte Technik ist ausgelagert. "Synergie" heißt das Schlagwort: "Wir können die Ressourcen der Mutter nutzen. Die wiederum den Vorteil einer kleinen, wendigen Tochter hat, die mit kostengünstigen Strukturen arbeitet."

KURIER: ORF III wiederholt ORF 2-Sendungen im Hauptabend. Ist ORF III die tvthek für jene, die das Internet nicht bedienen können?
Peter Schöber: Nein. Die zeitnahe Wiederholung an prominenten Plätzen machen wir nur an zwei Tagen in der Woche. Und dort greifen wir einen Hauptkritikpunkt am Vollprogramm auf: Aus der Gesetzmäßigkeit eines Vollprogramms ist es nicht möglich, zum Beispiel den "Kulturmontag" im Hauptabend zu spielen. Daher halte ich es journalistisch für vertretbar und sinnvoll, diesen am Dienstag im Hauptabend zu spielen.

Es gibt die Befürchtung, dass anspruchsvolles Programm von ORF 2 auf ORF III ausgelagert werden könnte.

Im Gesetz ist das klar und eindeutig geregelt: Da steht "ergänzend und zusätzlich", nicht "anstatt". Das Zweite ist, ich war lange Chef der Programmplanung des ORF , und weiß daher, man muss bei einem Vollprogramm wie ORF 2 in der Primetime mehrheitsfähiges Programm bieten. Diese Auflage haben wir als Spartensender nicht. Im besten Fall ergänzen wir einander. Wenn wir zum Beispiel die Nestroy-Gala live und in voller Länge übertragen und im Kulturmontag gibt es eine 30/40-minütige Zusammenfassung.

ORF III startet mit mehreren Auflagen. Der Sender darf zum Beispiel in anderen ORF-Sendern nicht beworben werden.
Den Behördenbescheid gibt es, mit dem müssen wir leben. Die Einschränkungen bei der Cross-Promotion machen es für uns natürlich nicht leichter.

Fürchten Sie, zu wenig wahrgenommen zu werden?
Unser Ziel war immer, den Sender über das Programm zu positionieren. Das ist eine Aufgabe, die Jahre dauert. Und da ist es wichtig, dass das Produkt in sich stimmig ist. Der Rest wird sich finden.

Umstritten war auch Ihr Film-Freitag. Privatsender hatten die Sorge, dass hier zu kommerzielles Programm gezeigt werden könnte. Jetzt ist festgeschrieben, dass ORF III keine Sitcoms oder Blockbuster ausstrahlen darf. Wollten Sie wirklich "Spiderman" zeigen?

Das war nie die Intention des ORF . Wir sind ein Sender, der
live und in voller Länge aus dem Parlament berichtet. Was den Film betrifft, gibt es ein klares Commitment zum österreichischen und europäischen Autorenfilm. Wir zeigen "Revanche" von Götz Spielmann, "Lourdes" von Jessica Hausner und "Slumming" von Michael Glawogger.

Wer soll ORF III sehen?

Wir wollen eine programmliche Lebenswelt bieten für Menschen, die kultur- und politikinteressiert sind. Quer durch alle Alters- und Bildungsschichten. Das ist mir besonders wichtig: Wir senden nicht nur für die A-Schicht.

Wie viele Seher wollen Sie erreichen?

Klar ist, dass das Programm, das wir spielen, nicht mehrheitsfähig sein kann und muss. Klar ist auch, dass wir nicht für null Zuschauer spielen. Aber die Leute müssen uns erst einmal finden. ARTE gibt es seit 20 Jahren und hat in Österreich einen Marktanteil von 0,8 Prozent.

ORF III und ORF Sport Plus

Zwei ORF -Spartensender starten am kommenden Mittwoch: ORF III (auf der bisherigen Frequenz von TW1 ) und ORF Sport Plus . Ausführliche Informationen zur Frequenzeinstellung gibt es auf der Website digital.ORF.at bzw. unter der Hotline 0820 919 919 (max. 0,20 €/Min.).

Bei ORF III ist jedem Wochentag ein Thema zugewiesen. Montag etwa ist Doku-Tag, der Dienstag steht im Zeichen von Kunst und Kultur etc. Mit "Kulturmontag" und "kreuz & quer" werden zwei ORF 2 -Produktionen am Dienstag und am Mittwoch im Hauptabend wiederholt.

Prominente ORF III-Moderatoren sind Barbara Rett und KURIER-Kolumnist Karl Hohenlohe. Ani Gülgün-Mayr und Peter Fässlacher moderieren täglich "Kultur heute". Ein besonderes Anliegen ist Programm-Chef Schöber das Theater, das "im deutschsprachigen Raum aus dem Fernsehen verschwindet. Mir ist es wichtig, es am Schirm zu halten."