Kultur
05.12.2011

ORF: Amon will Kinderradio starten

Radiodirektor Karl Amon sieht keine große Chance für das Digitalradio, er kritisiert den Hackerangriff an der GIS und will ein Kinderradio starten.

In der nächsten Amtsperiode will Radiodirektor Karl Amon ein Kinderradio starten. "FM4 wäre falsch positioniert, wenn wir an FM4 den Anspruch stellen, sie sollen auch die unter 12-Jährigen mitnehmen. Fazit: Die unter 12-Jährigen haben kein Radio. Deshalb bin ich der Meinung, dass wir Kinder-und Jugendradio machen müssen. Internationale Beispiele wie das Berliner Radio 'Teddy' zeigen, dass das notwendig und auch erfolgreich ist."

Verbreiten will Amon den neuen Sender digital, entweder über den Äther oder das Web: "Entweder auf einer digitalen Frequenz beim kommenden digitalen Probebetrieb. Wenn das nicht der Fall ist, wäre Kinderradio fast punktgenau für diese Zielgruppe im Internet angesiedelt. Damit hätten wir auch kein Frequenzproblem."

Kritisch sieht er den Diebstahl bei der GIS

Das Radiosymphonie Orchester will Amon "ausbauen und auf ökonomisch gesunde Beine stellen", wie er sagt. "Auch hier gilt das Stichwort Community-Pflege. Das heißt, der neue RSO-Manager Christian Scheib und der Chefdirigent Cornelius Meister bauen gerade den 'Verein der Freunde des RSO' aus und bereiten eine für den internationalen Vertrieb konzipierte RSO-CD-Reihe mit den schönsten klassischen Werken der Welt vor." Die RSO-Strukturen sollen außerdem schlanker und transparenter werden und die Verträge mit den Konzertveranstaltern würden neu verhandelt.

Ö1 bekommt außerdem eine wirkliche Senderchefin, die weiterhin Bettina Roither heißen wird. Bisher ist der Kultur- und Infosender ja in mehrere Hauptabteilungen zerklüftet. Das Radiokulturhaus will Amon ausbauen, etwa indem der Balkon für das Publikum geöffnet wird und nach einer Adaptierung 100 weitere Publikumsplätze bieten soll.

Die Zusammenarbeit zwischen Radio und dem neuen Sparten-TV-Kanal ORF III, der auf Kultur und Information spezialisiert sein wird, soll nicht nur Ö1 umfassen, so Amon. "Es gibt auch die Möglichkeit, beispielsweise FM4-Formate zu senden. Der Kulturauftrag des ORF gilt ja auch für die jüngeren Segmente."

Wiewohl Deutschland Anfang August mit DAB plus einen neuen Anlauf für Digitalradio startet, räumt Amon dem neuen Standard hierzulande kaum Chancen ein: "Selbst wenn die Digitalisierung in Deutschland sich rechnen sollte und die Einführung danach doch auch in Österreich tatsächlich versucht wird, glaube ich, dass es maximal ein Übergangsmedium ist, weil einfach das Internet die Vorteile der Digitalisierung in viel besserem und preisgünstigerem Umfang bietet."

Kritisch sieht er den Diebstahl von 214.000 Datensätzen durch eine Hackergruppe bei der Gebühreninfoservice (GIS). "Kriminalität gibt es leider in unserem Leben und wahrscheinlich ist man nie 100-prozentig geschützt gegen kriminelle Aktionen. Aber so etwas darf trotzdem nicht passieren und es muss Sicherheit für unsere Kunden geschaffen werden."