Sinnieren über die Oper: Renatus Mészár als „Onkel Präsident“ und Walter Fink als weiser Komponist

© APA/VOLKSOPER/BARBARA PÁLFFY

"Onkel Präsident": Diese Oper hat eine Zukunft
10/12/2014

"Onkel Präsident": Diese Oper hat eine Zukunft

"Onkel Präsident" von Friedrich Cerha – ein Triumph an der Wiener Volksoper.

von Peter Jarolin

Wer sagt denn da noch, dass zeitgenössische Oper sperrig, spröde, kopflastig oder konstruiert sein muss? Mit seinem neuem Werk "Onkel Präsident" beweist Friedrich Cerha nämlich das absolute Gegenteil. So federleicht, klug, lustig, tiefsinnig, (selbst-)ironisch und voller Zitate ist diese "musikalische Farce in einem Vorspiel, einem Akt und Epilog", dass es eine Freude ist. Oper heute, hörbar, hintersinnig – das ist möglich. Das beweisen Cerha, sein Co-Librettist Peter Wolf und auch die Wiener Volksoper in eindrucksvoller Manier.

Hoher Lachfaktor

2013 in München uraufgeführt (das dortige Theater am Gärtnerplatz ist Koproduzent), tritt dieser "Onkel Präsident" nun wohl seinen Siegeszug durch die Opernhäuser an. Das Stück "Eins, zwei, drei" von Ferenc Molnár und der berühmte, gleichnamige Film von Billy Wilder standen Pate: Cerha und Wolf haben daraus eine bitterböse, gallige, aber auch altersweise Satire mit hohem Lachfaktor geschaffen.

Weil er ein Mädel aus höheren Kreisen geschwängert hat, muss aus dem subversiven, rastagelockten Fahrradboten Josef Powolny binnen kürzester Zeit ein Mann von Welt, Geld, Stand und Adel gemacht werden. Der "Onkel Präsident" – er kümmert sich auch aus finanziellen Interessen um die süße, verliebte, schwangere Melody Moneymaker – nimmt die Sache in die Hand. Und erlebt einen "Arbeitstag", der vielleicht auch der Stoff einer Oper sein könnte ...

Denn über die Oper wird viel reflektiert: Ausgehend von Verdis "Falstaff" über dessen "Don Carlo", Puccinis "La Bohème", Strauss und Wagner zitiert sich Cerha in seiner eigenen, extrem raffiniert gebauten Musiksprache durch den musikalischen Kanon des Abendlandes, lässt auch jazzige, populäre Einflüsse zu. Ein Fest für die Ohren und für die Sinne.

Dass dieser "Onkel Präsident" so wirkt, ist auch den Ausführenden geschuldet. Denn Regisseur Josef Ernst Köpplinger setzt in Johannes Leiackers tollem (Büro-)Bühnenbild das Werk mit sicherer Theaterpranke um. Mit Alfred Eschwé steht ein ausgezeichneter Dirigent am Pult des perfekt einstudierten Orchesters der Wiener Volksoper. Da werden Nuancen und Farben hörbar, da wird im wahrsten Sinne des Wortes mit der Musik gespielt.

Szenenfotos der Oper

FOTOPROBE: "ONKEL PRÄSIDENT"

FOTOPROBE: "ONKEL PRÄSIDENT"

FOTOPROBE: "ONKEL PRÄSIDENT"

FOTOPROBE: "ONKEL PRÄSIDENT"

FOTOPROBE: "ONKEL PRÄSIDENT"

Tolles Ensemble

Auch die Besetzung lässt kaum Wünsche offen: An der Spitze steht der Bariton Renatus Mészár als Onkel Präsident, der diese vokal fordernde Partie mit Bravour und Witz meistert. David Sitka als Josef Powolny und Julia Koci als Melody Moneymaker stehen ihm um nichts nach; großartig das Ensemble. Walter Fink als Komponist, Martina Dorak, Elvira Soukop, Renate Pitscheider, Stefan Cerny, Marco Di Sapia, Thomas Sigwald, Jeffrey Treganza, Christian Drescher, Andreas Mitschke, Sulie Girardi, Petar Naydenov, Gernot Kranner, Roman Martin – sie alle haben ihren Anteil an einem echten Triumph. Jubel!

KURIER-Wertung:

Info: Alle Termine der Oper finden Sie hier auf events.at.

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