Kultur 26.01.2015

"One Day"-Asaf Avidan: Vertonte Vorahnung

Asaf Avidan wurde 2012 mit „One Day“, einem Remix seines Titels „Reckoning Song“ berühmt © Bild: Universal Music/Ojoz

Der israelische Singer/Songwriter über seine neue CD und die Triebe der Menschheit.

Ich dachte, es sind Schatten der Vergangenheit, die mich verfolgen. Aber es war meine Realität, die ich damals nicht erkennen konnte."

Der israelische Singer/Songwriter Asaf Avidan, der 2012 über den Hit "One Day" bekannt wurde, spricht von seinem neuen Album "Gold Shadows". Dafür schrieb er Songs über eine Trennung, obwohl er seit sieben Jahren in einer stabilen Beziehung war. "Ich redete mir ein, dass ich auf Ereignisse in meiner Umwelt reagiere", erzählt der Mann mit der an Janis Joplin erinnernden Stimme im KURIER-Interview. "Aber als ich mit dem Mischen begann, hatte ich alle Texte ausgedruckt und las sie am Stück durch. Da hat es mich getroffen wie ein Schlag: Das sind meine Gefühle! Ich musste zugeben, dass die Songs ehrlicher waren, als ich es bis dahin sein konnte."

Eigenartig

Asaf Avidan…
Asaf Avidan © Bild: Universal Music
Den Vorahnungen – verpackt in wunderschöne Songs und einer Vielfalt aus Blues, Rock, Folk, Swing und Calypso – folgte tatsächlich die Trennung. Das Pikante daran: Mikey Bashiri war nicht nur Avidans Freundin, sondern auch Mitglied in seiner Band und seine PR-Agentin für Israel. Beides wird sie auch bleiben. "Wir waren seit Beginn meiner Karriere ein gutes Team und dachten, das muss nicht aufhören, nur weil wir den Paar-Teil unser Beziehung ad acta gelegt haben. Aber eigenartig wird das bestimmt, wenn wir zusammen auf Tour gehen und sie mit mir all diese Songs über uns singen wird."

Auch auf "Gold Shadow" ist Avidans Musik von Melancholie und Sehnsucht geprägt. Eine Eigenschaft, die der 34-Jährige auf schlimme Erfahrungen in seiner Kindheit zurückführt, auf die er aber nicht näher eingehen will.

Allerdings betont er, dass sie nie politischer Natur waren. Als Sohn israelischer Diplomaten wuchs er in Jamaika auf. Und selbst als er mit elf Jahren nach Israel zurückkam, waren es weder Bomben noch die Intifada, sondern "ausschließlich persönliche Dinge", die ihn derart prägten.

Traurig

Seiner Traurigkeit, der Angst vor dem Tod, der mangelnden Selbstsicherheit und dem Gefühl der Einsamkeit Ausdruck zu verleihen, sagt der in Tel Aviv lebende Avidan, sei sein musikalischer Antrieb. Politik interessiere ihn schon – aber auf ganz andere Art.

"Ich lese sehr viel. Vor allem über Geschichte. Und natürlich sind all die Dinge, die Leute in Situationen wie IS/Syrien oder Ukraine/Russland durchmachen, horrende Erfahrungen. Aber sie sind vorübergehend. Während der Menschheitsgeschichte verändern sich andauernd Grenzen. Religionen entstehen und mutieren in etwas Neues. All die Dinge, die für die Menschen so wichtig sind, dass sie bereit sind, dafür zu kämpfen, zu sterben und andere umzubringen, sind im großen Zusammenhang gesehen von sehr beschränkter Dauer."

Avidan interessiert, was dahintersteckt, was seit jeher Politik und Menschheit antreibt: Macht, Eifersucht, Liebe, Gier. "In Songs beschreibe ich das anhand meiner Erlebnisse – aber es sind universelle Themen."

Erstellt am 26.01.2015