Kultur
09.03.2018

Österreichs Song-Contest-Song: Unterkühlte flache Komposition

Spiegelvision: Kritik von „Nobody but You“ von Cesár Sampson.

Von Markus Spiegel

Gute Musik kennt keine Vorurteile. Sofern man kein verblendeter Rassist ist, dürfen Hautfarbe, Herkunft und Staatsbürgerschaft bei einer musikalischen Beurteilung keine Rolle spielen. Und Politik schon gar nicht. Besser gesagt: sollten keine Rolle spielen. Aber die Welt des Songcontests ist nun mal ein eigenes Universum mit sonderbaren, oft widersprüchlichen Gesetzen und politischen Akzenten. Alles andere ist Träumerei.

So gesehen ist die interne ORF-Entscheidung, den 34jährigen Linzer Sänger Cesár Sampson, nach Lissabon zu schicken begrüßenswert mutig, da in Europa bekanntlich eine stattliche Anzahl an Rechtspopulisten vorhanden sind, die auch ihre Stimme beim Songcontest abgeben werden.

Sampson ist intelligent und belesen, männlich und atlethisch und erinnert eher an einen Sportler. Popstar ist er keiner, dazu fehlt das Charisma. Der Song „Nobody But You“ ist eine soulige, unterkühlte flache Komposition, die zwar professionell produziert worden ist, aber auch nicht mehr. Jeglicher Mut zum Risiko fehlt komplett.

Budgetfrage

Dafür verantwortlich ist Cesár Sampson selbst und sein bulgarisches Produzentenkollektiv „Symphonix“. An andere Produzenten und Komponisten hatte der ORF kein Interesse und vermutlich fehlte auch das Budget.

Die letzten Jahre haben bewiesen, dass innovative Beiträge beim Voting geschätzt wurden und die vorderen Plätze belegten.

Die ORF-Delegation kann mit aufrechten Gang das Flugzeug nach Lissabon besteigen, ein neues Kapitel in der internationalen Popgeschichte werden wir sicht nicht schreiben. 37 Länder müssen sich in zwei Semifinalen um die begehrten Finaltickets bewerben. Sampson wird im ersten auftreten und es nicht leicht haben. Fast alle Favoriten befinden sich just dort.

Delegationsleiter Stefan Zechner meinte bei der gestrigen Präsentation „Wir wollen siegen“. Für ORF-Unterhaltungschef Edgar Böhm wäre der Einzug ins Finale bereits ein Erfolg. Dem ist nichts hinzuzufügen. Viel Glück!