Österreichische Doku positiv aufgefallen

"Evolution der Gewalt" ist eine Doku über die Entwicklung der Gewalt in Guatemala. Das Land hat eine der höchsten Mordraten der Welt.

Der einzige österreichischer Beitrag "Evolution der Gewalt" in der Reihe "Semaine de la Critique" in Locarno wurde positiv aufgenommen.

Ein aufmerksames Publikum, warmer Applaus und vereinzelte Bravorufe: Fritz Ofners Dokumentarfilm "Evolution der Gewalt" hat in der "Semaine de la Critique" beim Internationalen Filmfestival von Locarno eine erfreuliche Uraufführung gefeiert. "Ich war sehr nervös und aufgeregt vor dem Screening", sagte der Regisseur im Anschluss vor dem Teatro Kursaal der APA, "aber ich bin sehr froh über die Reaktionen und den Dialog. Es war ein sehr schöner und feierlicher Rahmen." Donnerstagabend wird der Film über die Entwicklung der Gewalt in Guatemala noch einmal am Lago Maggiore zu sehen sein.

Mehrere Morde täglich

Mit mehreren Morden täglich und einer der höchsten Mordraten der Welt ist das mittelamerikanische Land, in dem bis vor 15 Jahren noch ein blutiger Bürgerkrieg tobte, heute immer noch von Gewalt überschattet. Ofner, der einige Zeit in Guatemala gelebt hat, machte sich in zahlreichen Gesprächen auf Spurensuche und macht bei seinen Recherchen die Spannweite des Themas deutlich: von traumatisierten Familien bis zu engagierten Zivilpersonen, von grausamen Soldaten bis zu desinteressierten Richtern, von zynischen Journalisten bis zum aufgebrachten Mob.

Unmittelbar nach der Projektion zeigte sich, dass der höchst politische Film eine Menge Diskussionsbedarf hervorruft. Er solle allgemeingültig sein, sagt Ofner etwa und verweist darauf, dass er nicht einen Film über Guatemala, sondern über die Mechanismen von Gewalt gemacht habe. "Im Irak kann man in 30 Jahren vielleicht einen ähnlichen Film machen." Die Neue Zürcher Zeitung lobte unterdessen die Auswahl der "Semaine" als "traditionell stark", die Publikumsreaktionen reichten zu Mittag von "beeindruckend" bis hin zu "erschreckend deutlich".

Eine kleine Premierenfeier wird es für das Produktionsteam nach der Vorführung am Donnerstag geben. Ob der Film unter den sieben Dokumentarfilmen der Sektion als preiswürdig eingestuft wird, entscheidet eine eigene Jury. Vergeben wird ein Preis in der Höhe von 8.000 Schweizer Franken (7.551 Euro). Organisiert wird die "Semaine de la Critique" vom Schweizerischen Verband der Filmjournalisten in Kooperation mit den Festivalorganisatoren.

(apa / mich) Erstellt am
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