Fred Durst hat Bart, die Musik von Limp Bizkit auch – live funktioniert das trotzdem hervorragend

© /Florian Wieser

Tag 1
06/14/2014

Nova Rock: Zuckerbaby in der Crazystadt

Zum zehnten Festivalgeburtstag gibt es Freiheit für die Rocker

von Georg Leyrer

Je älter man wird, und das ist kein Vorteil, desto mehr peinliche Erinnerungen können einen hinterrücks aus dem Gedächtnis heraus überfallen. Ganz oben auf der Liste: Das Unwohlsein darüber, was man einst, als williger Teil des Pophörerkollektivs, zum Hit gemacht hat.

Ein besonders schönes Beispiel: „Butterfly“ von Crazy Town. Die sangen einst, im Jahr 2000, das englische Äquivalent zu „Du bist mein Schmetterling, Zuckerbaby!“, und nein, das klingt auf Englisch auch nicht besser. Dazu gab es Rap mit harten Gitarren, und wir haben das damals ernst gemeint: Platz eins der Charts.

Keine Nostalgie

Am Freitagnachmittag nun, zum Auftakt des zehnten Nova Rock-Festivals, hat sich der Mantel des Schweigens, den wir seitdem darüber ausgebreitet haben, gelüftet: Crazy Town, 2002 in der Versenkung verschwunden, standen wieder auf der Bühne, komplett mit „Butterfly“. Und dies lehrte uns: Nicht jede Erinnerung löst Nostalgie aus.

Aber das ist das Gute an Rockfestivals: Hier ist auch schon alles egal. Die staubigen Festivalgelände sind die Freudenorte jedes Reformpädagogen: Hier gibt es kein böses Über-Ich, es fehlt der strafende Elternblick.

Du willst eine Schweinemaske aufsetzen, in der eine Gummiaxt steckt? Dann tu es doch!

Und sie tun es.

Heuer ist nicht nur vieles egal, sondern auch wurst: Zwischen die rosa Ganzkörperaffenkostüme, die Rockeruniformen (Zopf, Band-T-Shirt, Shorts) und die rotgebrannten Tattoo-Körper mischt sich auch der Aufkleb-Damenbart.

Auch die Musik hat ganz viele lustige Verkleidungen mitgebracht. Und die Grenzen des guten Geschmacks gelten ohnehin nur für die, die keinen haben. Die Musik und ihre Leere sei frei! Also durften Steel Panther den eigentlich verbotenen 80er-Jahre-Hair-Metal wieder auf die Bühne bringen.

Casper schaffte es, der aus dem Rap geborenen Musik neues Gewicht und viel Unterhaltungswert zu geben. Slayer lieferten verlässliche Hartware. Bei Limp Bizkit darf man weiter im Unklaren bleiben, warum das noch so gut funktioniert. Und Black Stone Cherry konnten klassischen Rock pflegen, als ob Nickelsdorf im tiefsten US-Süden läge.

Der Blog zum ersten Tag des Nova '14 zum Nachlesen.

Die Bands

Vorglühen am Campingplatz

150.000 feiern Rock-Jubiläum

Zehntausende Zelte sind aufgebaut, das Gelände gleicht einer riesigen Partystadt. Das Nova Rock im burgenländischen Nickelsdorf lockt zum 10-jährigen Jubiläum wieder 150.000 Rocker und Festival-Verrückte in die karge Landschaft. Was mit 80.000 Fans im Jahr 2005 begann, wurde zu einer Rock-Institution in Österreich.

Insgesamt waren schon 1,5 Millionen Besucher in zehn Jahren hier. Genauso wie Polizist Gerald Kainz. "Es ist jedes Jahr wieder eine Herausforderung, aber auch ein großer Spaß", sagt Kainz. Lachend verrät er auch, dass heuer zwar keine der Bands auf seiner Wunschliste standen, er aber ein großer Green-Day-Fan ist und bei deren letztem Auftritt 2010 mit dabei war.

Bisher blieb es bei den Einsätzkräften eher ruhig. Die 100 Polizisten, die täglich übers Gelände streifen, mussten noch nicht härter durchgreifen. "Gott sei Dank kam noch kein Gewitter, sodass wir das Gelände nicht räumen mussten", heißt es aus der Einsatzleitung.

Es gibt am Gelände eine eigene Polizeiinspektion "Nova Rock", in der alles wie in einem normalen Wachzimmer abläuft.

Sanitäter im Einsatz

120 Sanitäter und acht Ärzte haben sich zum Dienst gemeldet. Bereits am Freitag herrschte Hochbetrieb auf dem Stützpunkt. "Allein bis Freitagfrüh hatten wir 233 Einsätze. Zum Glück waren alle harmlos. Meist handelte es sich um Sonnenbrände und Sonnenstiche", erzählt Thomas Horvath, Einsatzleiter des Roten Kreuzes. Um schneller vor Ort zu sein, sind die Sanitäter mit mobilen Tragen ausgestattet.

Den Einsatzort erfahren sie per Funk. Dann geht es vom Stützpunkt aus, quer durchs Gelände – einige Camper machen Platz, damit die Einsatzkräfte schneller vorankommen. Dieses Mal handelt es sich um eine Knieverletzung. Doch die beiden Sanitäter kommen nicht so weit. Sie werden von einem Security angehalten. Eine junge Frau hat zu viel Alkohol konsumiert, ist nicht ansprechbar. Die Sanitäter eilen zum Zelt, leisten Erstversorgung und bringen sie schließlich zum Stützpunkt.

Die Knieverletzung versorgt das nächste gerufene Team.

Liebesglück

Dass auf einem Rockfestival trotz all des Trubels die Romantik nicht fehlen darf, beweisen Monika und Georg aus Tirol. "Wir haben uns vor sieben Jahren hier kennengelernt. Seither sind wir ein Paar", erzählt Georg.

Und seine Freundin meint: "Wenn man sich hier kennenlernt, muss die Liebe halten, denn vom Styling fürs erste Date gibt’s hier keine Spur."

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