Nova Rock, Tag 2: Der Live-Bericht zum Nachlesen
06/14/2015

Nova Rock, Tag 2: Der Live-Bericht zum Nachlesen

Große Gesten, schwüle Stunden, verregnete Fanta 4. Österreichs größtes Musikfestival im Live-Blog.

von Karl Oberascher, Elisabeth Hofer

Der wolkenlose Nachmittagshimmel sollte sich als trügerisch erweisen. Am Abend gewitterte es heftig über der pannonischen Tiefebene. Das Set von Fanta 4, die Co-Headliner am Freitag, fiel komplett ins Wasser. Machte aber nichts - die Rap-Routiniers konnten das Publikum auch so zum Tanzen motivieren und gaben die perfekten Einheizer für die Toten Hosen.

Der KURIER berichtet für Sie live von Österreichs größtem Musikfestival.

Hier finden Sie den Rückblick auf Tag eins.

Nova Rock, Tag 2: Der Live-Bericht zum Nachlesen

War da noch was? Natürlich! Wolfgang Ambros. Der lief quasi außer Konkurrenz in lieb-gewonnener Nova Rock-Tradition als Late-Night-Act (man erinnere sich an David Hasselhoff, Otto Waalkes und, frischer, weil gestern und wie dem Autor von vielen Seiten einhellig beschieden wurde phänomenal: Scooter).

Ein sympathische Wahl für Schlusspunkt an diesem teutonisch dominierten Tag, soviel war fix. Wie der Auftritt dann genau verlaufen würde, darauf durfte man gespannt sein.

Sein schlechter Gesundheitszustand ist bekannt. Ambros hat eine schwere Rücken-OP hinter sich. Das sieht man dann auch auf der Bühne. Ambros kann kaum aufrecht stehen, hält sich zu Beginn geradezu am Mikrofonständer fest, rührt mehr in seiner Gitarre um, als dass er sie spielt und verpasst nicht nur einmal den Einsatz.

Sicher, Ambros ist ein Schatten seiner selbst. Aber da ist der 63-Jährige, wir wollen diplomatisch bleiben, sicher nicht der einzige in seiner Altersgruppe. Und zweitens und vor allem strahlt dieser Schatten noch immer voller Witz und Verve. "Ich hoffe, ihr habt noch Kraft" raunzt er dem Publikum zu. Er jedenfalls hat noch. Mehr als eine Stunde lang spielt Ambros. "Erste große Liebe", "Schaffnerlos" und, mit einem Augenzwinkern: "Wem heut net schlecht is" (... des konn ka Guada sein).

Das Publikum blieb bis zum Schluss, sang mit, starrte gebannt auf Ambors und vergaß dabei ganz, dass man doch eigentlich die Feuerzeuge wieder auspacken könnte. Der einzige Wehmutstropfen.

Die Toten Hosen, einmal mehr

50 Minuten hatten die Toten Hosen gerade erste gespielt - noch nicht einmal Halbzeit ihres zweistündigen Sets, mit dem sie den zweiten Tag in Nickelsdorf zumindest offiziell beendeten – da beschenkte sich das Publikum selbst mit einem jenem Momente, die man dann eben doch nur auf Festivals erlebt. Bei „Nur zu Besuch“ waren plötzlich hunderte Feuerzeuge zu sehen. Keine Selfies, keine Handybilder. Nur selige Konzertstimmung wie anno dazumal – seit elf Ausgaben so etwas wie die Nova Rock’sche Kernkompetenz, lädt das Line Up doch meistens zum nostalgischen Schwelgen. Status quo der Gitarrenmusik wird anderswo zelebriert.

Für den bewegendsten Moment sorgten dann die Hosen selbst. „Steh auf, wenn du am Boden bist“ widmete Sänger Campino Wolfgang „Wölli“ Rohde, der an Lungenkrebs erkrankt ist.

Ansonsten zeigten sich die Hosen gewohnt launig, scherzten mit dem Publikum, schimpften auf hiesige (rechte) Politiker „Lasst euch nicht für dumm verkaufen“ und sangen von „10 kleinen Jägermeistern“ und „eisgekühltem Bommerlunder“.

Kurz: Dass es schon die letzten zwanzig Mal so war, macht es nicht falsch. Die Toten Hosen waren der krönende Abschluss von Tag zwei in Nickelsdorf.

Auf die Plätze, fertig, Hosen!

Mittlerweile stehen mit den "Toten Hosen" auch die Headliner des Tages auf der Bühne. Die sind ja bekanntlicherweise auch nicht mehr die Jüngsten, blicken immerhin auch auf eine über 30-jährige Bandgeschichte zurück. Ihr Konzert begannen sie dementsprechend mit "Bonny und Clyde", ihrem Hit aus dem Jahre 1996 - da hörte ein großer Teil des heutigen Publikums noch Kinderlieder, abseits von "Zehn kleine Jägermeister". Was wir bisher so gehört haben, scheint die Nova Rock Performance der Deutsch-Rocker aber eine bunte Mischung aus Neuem und Alten zu werden. Wir hören mal weiter zu.

In Fog

Dicht in Nebelschwaden gehüllt, haben In Flames gerade die Red Stage bespielt. Rein optisch eine Mischung aus Holzfäller, Hipster und Metallern. Mit dichten Bärten und schwarzen Hemden. Die Schweden dürfen das.

Musikalisch gab es Hartes mit Melodischen. Zwischen Thrash-Parts fand Gitarrist Niclas Engelin immer wieder Platz für feine kleine Melodien. Keine Selbstverständlichkeit. Auch dass die Songs mit (äußerst dezenten) Synthie-Klängen eingeleitet werden, ist eine Spezialität der Band.

Nur Sänger Anders Fridén konnte live nicht ganz so wie er wollte. Seis drum - die Fans zeigte sich jedenfalls mehr als gnädig. In Flames fanden trotz starker Hosen-Konkurrenz auf der Hauptbühne ihr Publikum.

Da geht noch was

"Was geht?!" Die Fantas, wie man die Endvierziger ja noch immer nennt, haben gerade ihr Set beendet. Sehr kurzweilig, vollgespickt mit praktisch allen Hits - vom biederen "Troy", über das mitreißende "Populär" zum Live-Klassiker "Was geht!?"

Schön zu sehen, dass es nicht nur Rockbands zum Klassiker schaffen. Wobei ehrenhalber dazugesagt werden muss, dass die Fantastischen Vier im Gegensatz etwa zur gestrigen Mötley Crüe nach 25 Jahren Bandgeschichte noch immer mehr zu bieten haben, als die reine Tatsache, dass sie eben noch immer da sind.

Standhaft

Während es im Hintergrund unaufhörlich blitzt, donnert und auch heftig zu regnen begonnen hat, wird auf der Blue- und Redstage vorerst einmal weitergespielt. Und auch das Publikum scheint noch nicht das Bedürfnis zu verspüren, seine Zelte stärker zu fixieren.

In bester Laune lauscht es den „Fantastischen Vier“, die heute mit einer Menge Selbst-Ironie auf die Bühne gegangen sind.

Als „Fairytales of the Hip-Hop-Altersheim“ bezeichnen sie ihr Programm und scherzen darüber, dass sie es „Kraftklub“ nicht gleichtuen werden, und ihre T-Shirts lieber anbehalten. Bittesehr. Die Bühnenshow stellt die wetterfesten Fans auch so zufrieden.

An dieser Stelle hätten wir gerne über Rakede berichtet, die am Red Bull Brandwagen das in der elektronischen Dubstep-Variante machten, was Kraftklub auf der großen Blue Stage zuvor in Punkrock vorführten: Deutschen Sprechgesang mit Partyambitionen. Die durch den Youtube-Hit "Jetzt gehst du weg" bekannten Berliner legen live ziemlich basslastig los.

Aber das Wetter spielt da nicht ganz mit... Rakede mussten ihren Gig abbrechen. Während für die Fantas die Blue Stage umgebaut wird, spielen aktuell nur Papa Roach noch fleißig weiter (und werden dabei von einer ordentlichen, mit Sonnenbrillen und Staubtuch verhüllten, Menge abgefeiert. Was ja überhaupt der geeignetste Dresscode beim Nova Rock zu sein scheint).

Gewitterwolken

Das sieht nicht gut aus. Das laue Lüftchen, das am Nachmittag für ein klein wenig Abkühlung sorgte, ist in der Zwischenzeit zu richtigem Wind geworden, statt romantischem Sonnenuntergang ziehen dunkle Gewitterwolken am Horizont auf. Könnte sein, dass das in den nächsten Stunden Anlass zum Gummistiefel-Auspacken gibt.

Update zum Kraftklub

Jetzt mal abseits vom Musikalischen (siehe dazu Eintrag von Kollegin Hofer): Wir sehen hier gerade das kleine Einmaleins der gepflegten Festivalunterhaltung: Dass ein Sänger (in diesem Fall der im Ausdruckstanz geschulte Felix Brummer) sich beim Crowdsurfen versucht, ist jetzt zumindest nicht gaaanz abwegig. Auch dass er sein T-Shirt auszieht und das Publikum auffordert, es ihm gleich zu tun, wird der eine oder andere Konzertbesucher schon einmal erlebt haben. Dass aber die gesamte Band sich zum Crowdsurfen bewegen lässt und dabei noch ein Rennen startet, wer am schnellsten über das Publikum getragen wird, das ist neu. Respekt.

Die Kraftkluber hatten's aber auch leicht. So viele Menschen wie bei dem Deutschpunkrapgedings aus Chemnitz hatten sich am Freitag erst bei Scooter eingefunden. Runterfallen ausgeschlossen.

Als gäbe es kein Morgen

Sie sind aus Chemnitz und wollen "nicht nach Berlin". Nach Nickelsdorf wollten "Kraftklub" glücklicherweise aber schon kommen.

Vor nicht allzu langer Zeit waren sie noch Vorband des gestrigen Headliners, den "Beatsteaks", heute stehen sie selbst auf der Bühne des Nova Rocks. Und es zeigt sich: Die Band, die nach einer Mischung aus Punk, Indie und Rap klingt, hat hierzulande viele Fans, die bereits jetzt "abgehen" als gäbe es kein Morgen.

(Elisabeth Hofer)

Kuschelweicher Rea Garvey

Lasst uns kurz über Klischees sprechen. Klischee Nr. 1: Kuschelrock ist etwas für Mädchen. Klischee Nr. 2: Darum ist auch Rea Garvey ein Musiker, der es hauptsächlich vermag, Mädchen-Herzen schneller schlagen zu lassen, musikalisch ist seine Leistung aber eher mau. Noch dazu, so findet nicht nur der weibliche Teil der Blog-Schreiberlinge, sondern auch unser Fotograf Flo, hat sich der Ire optisch scheinbar zum Besseren verändert.

Zuvor eher einem nach der Sperrstunde im Pub eingeschlafenen Rocker gleichend, sieht er bei seinem Auftritt am Nova Rock ein bisschen nach skandinavischem Hipster aus. Klischee Nr. 3: Auch darauf stehen wir Mädels. Die meisten seiner kuschelweich dargebotenen Nummern kennt man übrigens kaum, aber „Supergirl“, ja da das können wir auswendig mitsingen.

(Elisabeth Hofer)

Kein Schatten in Sicht

Für Zwischendurch - und weil das Nova Rock eben nur zu 20 Prozent aus Band und zu 80 Prozent aus einer Mischung aus Bier und Schweiß, die sich unter dem Stichwort "Schabernack am Campingplatz" zusammenfassen lässt, besteht - hier unsere Eindrücke vom Zustand der Nova Rocker an Tag zwei in Nickelsdorf.

Besucher Tag 2 - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

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LARP am Nova Rock Auf der Red Stage wird einstweilen weniger Zeitgenössischem gefrönt. Auf dem staubigen, von Stroh bedeckten und ordentlich verdreckten Platz werden sich heute Abend wohl die etwas länger behaarten unter den männlichen Nova Rockern einfinden: Epica, In Extremo und Nightwish versprechen stromverstärktes Mittelalter-Flair.

Nicht zu vergessen Papa Roach (quasi eine Insitution am Nova Rock) und als Highlight: In Flames.

Deutschland rockt

Das Programm an Tag zwei steht ganz im Zeichen unserer geschätzten Nachbarn aus dem Norden - zumindest auf der größeren Blue Stage, wo ab 18.30 Uhr zunächst Kraftklub, dann die Fantastischen Vier und zu guter Letzt die Toten Hosen aufspielen werden.

Ach ja, aktuell steht dort Rea Garvey. Der ist im Gegensatz zu Frank Turner wirklich Ire, kann aber ruhigen Gewissens zum deutschen Block gezählt werden. Man kennt ihn als TV-Seher vielleicht aus "The Voice of Germany". Von seiner musikalischen Karriere gibt' vor allem das One-Hit-Wonder "Supergirl" (2000) zu vermelden.

Der Abschluss ist dafür wieder fest in österreichischer Hand: Quasi als außerprogrammliches Highlight wird Wolfgang Ambros ab 0.30 Uhr zu hören sein. Fans wünschten sich die kleine Austropopreminiszenz (die einzige des heurigen Nova Rock - Wanda, Bilderbuch und andere aktuelle Bands, die diese Tradition hochhalten fehlen), via Onlinevoting als Special Guest.

Zunächst: Warum wird die gefühlte eigentlich nur bei winterlichen Temperaturen angegeben? Die fleißigen Windräder am Horizont des Nova-Rock-Geländes suggerieren zwar Gegenteiliges, aber hier herrscht Windstille und das macht die 31 Grad, die das Thermometer anzeigt, gerade ziemlich unerträglich. So viel zum Wetter.

Was die Musik betrifft, kam Kollegin Brigitte Schokarth gerade von einem "richtig guten Set von Frank Turner" ins Pressezentrum zurück. Mit seinen Sleeping Souls präsentierte der sympathische Brite folkig rockige Songs. Kollegin Schokarth will sogar irische Wurzeln rausgehört haben. Ein kurzer Blick in Wikipedia verrät aber: Der 33-Jährige wurde in Winchester, im Süden Englands geboren. War trotzdem gut.

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