Schlechtwetter: Die Wikinger gehen über Bord und werden im schottischen Hochland zu Landratten

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"Northmen – A Viking Saga": Die Wikinger erobern Südafrika
10/23/2014

"Northmen – A Viking Saga": Die Wikinger erobern Südafrika

Handlung simpel, Action zügig: Wikinger-Abenteuer als Schweizer Großproduktion.

von Alexandra Seibel

Als das Nachrichtenmagazin Der Spiegel einen Wikinger auf die Titelseite hob, ging dem Schweizer Filmproduzenten Ralph S. Dietrich ein Licht auf: "Wikinger haben eine große Fanbase", kombinierte er messerscharf: "Die Zeit ist reif, unseren Film zu drehen."

Für seinen Film engagierte er einen Landsmann aus dem Action-Fach, Claudio Fäh ("Sniper: Reloaded"). Unter dessen solider Regie zieht eine Gruppe blonder Zottelböcke mit dem Kampfschrei "Walhalla!" ins Feld: Gleich zum stürmischen Filmbeginn lässt Schlechtwetter das Wikinger-Boot kentern und zwingt die Nordmänner, an einer Steilküste an Land zu gehen, oder besser: zu klettern. Unter den langhaarigen Felsenkraxlern befindet sich auch der Schwede Johan Hegg aus der Melodic-Metal-Band "Amon Amarth": Sein Mitwirken als Wikinger Valli sorgte bereits im Vorfeld für gut platziertes, mediales Aufsehen – und das, obwohl Valli schon nach kaum fünf Filmminuten nach Walhalla reitet (sprich: stirbt).

Die feindliche Insel, auf der die Wikinger gestrandet sind, entpuppt sich als schottisches Hochland. Die Landschaft und ihre grün-satte Vegetation sieht fantastisch aus, zumal es sich dabei um Südafrika handelt – dort nämlich wurde "Northmen" gedreht. Und während sich die strohgelben Wikinger und ihre Feinde grunzend die Leiber zerhacken, eröffnen sich sensationell schöne Einblicke in auswärtige Gefilde.

Wolfsrudel

Die eher unterkomplexe Handlung verdankt sich übrigens dem österreichischen Drehbuch-Duo Matthias Bauer und Bastian Zach (aus deren Feder auch der Horror-Schocker "One Way Trip 3D" stammt): Die Wikinger entführen (versehentlich) die schottische Königstochter und erhoffen sich viel Lösegeld. Der liebende Königsvater hetzt ihnen daraufhin sein "Wolfsrudel" an den Hals, eine wüste Söldnertruppe aus den Karpaten (woher sonst). Die "Wölfe" – darunter Ed Skrein aus "Game of Thrones" – nehmen sich mit ihren kurz geschorenen Köpfen neben den Wikinger-Blondinen mehr als primitiv aus und scheuen keine Unmenschlichkeit (Enthauptung des Feindes). Auch die Gender-Politik ist wenig fortschrittlich: zwar darf die Königstochter mit der Armbrust schießen und trifft sogar – allerdings nicht ihren Angreifer, sondern den Mann dahinter.

Egal. Dass die Nordlichter dennoch für veritable Unterhaltung sorgen, liegt an der zügig inszenierten Action in visuell ansprechender Umgebung. Flott choreografierte Kampfszenen (Schwert-Duelle) zeugen von echter Handarbeit jenseits des Computers.

Und aller Vorhersehbarkeit zum Trotz ballen sich auch immer wieder Spannungsmomente zusammen.

KURIER-Wertung:

Info: Northmen – A Viking Saga. CH/D/ZA 2014. 97 Min. Von Claudio Fäh. Mit Tom Hopper

Müllmonster in der Streichholzschachtel

Abends herrscht Ausgangssperre im viktorianischen Städtchen Cheesebridge. Speziell kleine Kinder müssen die Straßen meiden, denn sonst kommen die Boxtrolls und fressen sie auf.

So lautet zumindest die offizielle Ansage der Regierung. Dass es sich bei den Boxtrolls um reizende kleine Müllmonster handelt, die in Streichholzschachteln stecken und auf nette Namen wie "Fish" oder "Fragile" hören, weiß niemand. Erst das Engagement eines Menschenkindes namens Eggs ändert die Verhältnisse.

Das pastellfarbige Stop-Motion-Animationsabenteuer aus den Laika-Studios (Lieferanten von "Coraline" und "ParaNorman"), sorgt für skurrile Bösewichter wie aus einem Dickens-Roman – mit markanten Nasen, kugeligen Leibern und dünnen Beinen. Viel (britischer) Humor entzündet sich oft in witzigen Details – etwa wenn ein Käseliebhaber allergische Reaktionen zeigt und trotz schwer geschwollener Lippe weiter am Milchprodukt knabbert. Allerdings nimmt die wenig inspirierte Geschichte auch überraschend heftige (und wenig kinderfreundliche) Wendungen.

KURIER-Wertung:

INFO: Die Boxtrolls (3-D). Animation. USA 2014. 96 Min. Von Graham Annable und Anthony Stacchi.

Info: Alles zum Thema Film finden Sie unter film.at.

Der Mensch möchte Sicherheit und Parkplatz

Wer in der Shoppingmall betet, öffnet auch seine Geldbörse": So lautet nur eine von vielen weisen Einsichten, die sich Entwickler von Einkaufszentren zu Herzen nehmen – um ihre Planungen möglichst lukrativ zu betreiben. "Expansion ist unsere Strategie" lautet der Slogan von Shoppingcenter-Entwicklern; und der Standortberater von Investment-Firmen weiß: Der Mensch möchte Sicherheit haben – und einen Parkplatz, wenn er zum Einkaufen fährt.

Ulli Gladiks facettenreiche Doku folgt der Argumentationslinie von Städteplanern und Centerentwicklern, die – teilweise ganz stolz – ihre Projekte vorführen. Gleichzeitig zeigt sie aber auch die Auswirkungen, die die Eröffnung von Einkaufszentren auf den öffentlichen Raum haben – vor allem in der Innenstadt. So erzählt etwa der deutsche Architekt Walter Brune, wie stolz er auf sein erstes Shoppingcenter war, das er gebaut hatte – bis er bemerkte, dass er damit die Infrastruktur einer Kleinstadt zerstört hatte. Und jetzt könne man ihm Geld bieten, so viel man wolle: "Das mache ich nicht mehr."

Info: Global Shopping Village. Doku. Ö 2014. 80 Min. Von Ulli Gladik. Mit Walter Brune.

KURIER-Wertung:

Info: Alles zum Thema Film finden Sie unter film.at.

Biederes Ehe-Gesülze eines Massenmörders

Er nennt sie "Mein gutes Liebchen" – sie sagt "Heini" zu ihm. Heini – das ist Heinrich Himmler, brutaler Massenmörder und einer der Hauptverantwortlichen des Holocaust. Vor rund sieben Jahren wurden in Israel Himmlers Briefe und Tagebücher gefunden. Das Material bekam die belgisch-israelische Filmemacherin Vanessa Lapa – und montierte daraus eine Doku aus historischen Filmbildern, die von O-Tönen aus dem privaten Briefwechsel kommentiert werden.

"Warum gehst du zu einer Hitler-Versammlung?" will Frau Himmler wissen: "Du weiß doch, was er redet."

Sophie Rois liest die Passagen der Ehefrau, Tobias Moretti die von Himmler. Das biedere Gesülze der Eheleute wird kontrastiert mit grausamen Bildern von Massenerschießungen. Lapa unterlegt das Stummfilmmaterial mit Sound – eine Effektsteigerung, die keineswegs notwendig gewesen wäre.

Info: Der Anständige. Doku. Ö/Israel 2014. 94 Min. Von Vanessa. Mit Tobias Moretti, Sophie Rois.

KURIER-Wertung:

Info: Alles zum Thema Film finden Sie unter film.at.

"Coming In "

Das Upper-Class-Berlin ist schwul, das Proletariat heterosexuell und diesfalls weiblich. Doch auch diese Gegensätze ziehen sich an und sorgen für eine deutsche Kitsch-Romanze mit derb-klamaukigen Einlagen: Ein reicher Szene-Haarpfleger lernt zufällig eine freche Frisörin aus Neukölln kennen und heuert bei ihr an (um die Frauen besser zu verstehen). Wie er sich dann als schwuler Mann trotzdem in sie verliebt und sein – haha! – Coming In erlebt – muss man nicht gesehen haben.

KURIER-Wertung:

"Hin und weg"

Ein Freundeskreis macht seine jährliche Fahrradtour – die plötzlich eine sehr dramatische Entwicklung nimmt.

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