"The Warning"

© KURIER/Jeff Mangione

Trent Reznor schmierte den Wienern Honig ums Maul
06/10/2014

Trent Reznor schmierte den Wienern Honig ums Maul

Nine Inch Nails zeigten in der Wiener Stadthalle eine brillante Show, die – mit Verzögerung – tief unter die Haut ging.

von Brigitte Schokarth

Wir haben gehört, dass wir unsere Show in Wien filmen müssen, weil das Publikum hier exzellent ist!"

Nanu! Das sind ja ganz neue Töne von Nine-Inch-Nails-Frontmann Trent Reznor. Eingefleischte Fans, die Montagabend in die Wiener Stadthalle pilgerten, wussten sicher noch, dass er seine hiesigen Fans 2007 beim FM4-Frequency als langweilig beschimpft hatte.

Aber daran wollte anno 2014 keiner mehr denken. Denn bei der Tour zum aktuellen Album "Hesitation Marks" zeigte sich der Industrial-Pionier – nach einer Anlauf-Phase – in Bestform.

Schon alleine die neue Show ist sensationell. Mit einer Videowand und ein paar beweglichen Scheinwerfern, die über den Köpfen der Musiker Dächer, Trauben oder eine Decke bilden, zaubern Nine Inch Nails faszinierende Effekte. Da erscheinen Reznor und Co. mal als Schattenspiel vor einer grellen Wand, mal geisterhaft in einem Schleier aus Licht oder vor abstrakten Videos.

Fotos der Show

Nine Inch Nails…

Nine Inch Nails…

Nine Inch Nails…

Nine Inch Nails…

Nine Inch Nails…

Nine Inch Nails…

Nine Inch Nails…

Nine Inch Nails…

Nine Inch Nails…

Subversiv

Zu Beginn ist das für eine Weile leider das Einzige, was fasziniert. Nach dem Intro mit "Me, I’m Not", bei dem Nine Inch Nails –wie Kraftwerk alle vorn in einer Reihe – ihren Keyboards schräge Elektro-Sounds entlocken, wird erst einmal in die Gitarren gedroschen. Das ist laut, brachial und wirkt – vielleicht auch nur wegen des kreischenden Sounds – wie eine leere Pose.

Doch bald kommt die Band auf das, was sie ausmacht: Die Verbindung von elektronischen Sounds und harten Gitarren, die sie so variantenreich in Songs verpackt hat, die aber alle den Nails-typischen subversiven, dämonischen Unterton gemeinsam haben.

Da ist das bluesige "Piggy", der pulsierende Beat von "Sanctified", der von schrillen Geräuschen zerrissen wird. Oder das sphärisch-depressive "Find My Way", in dem Reznor ein fast süßes Piano mit Techno-Geblubber paart.

Auf einmal funktioniert auch der Dampfhammer-Rock von "Eraser", ist gelebte, leidenschaftliche Wut anstatt leerer Pose. Und "Hurt" zum Schluss ist so atemberaubend, dass jedes Haar am Körper zu Berge steht.

KURIER-Wertung:

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