Kultur
26.12.2011

Neujahrskonzert ist keine Routineübung

Und jährlich grüßt das Neujahrskonzert. Aber für Routine ist bei den Musikern und Tänzern kein Platz.

Während für viele Österreicher und Musikliebhaber auf der ganzen Welt das Neujahrskonzert zum fixen Bestandteil eines jeden 1. Jänner wurde, beschäftigt das Konzert die handelnden Akteure auch die übrigen 364 Tage im Jahr. So steht die Auswahl der Werke bereits zwölf bis 15 Monate im Voraus. "Wir arbeiten kontinuierlich daran und es gibt natürlich Phasen, etwa wenn der Endschliff feststeht, wo es sich nur darum dreht", erklärte Philharmoniker-Vorstand Clemens Hellsberg.

Routine könne sich dabei bei den Musikern niemals einstellen, meinte Hellsberg, der das Konzert selbst schon "mindestens 25 Mal" gespielt hat, im APA-Gespräch. "Auch wenn es jährlich wiederkehrt, ist es jedes Mal für sich etwas Einmaliges", sagte der Primgeiger. So seien die äußeren Gegebenheiten Garant dafür, jedes Mal Millionen vor die Bildschirme zu locken. "Der Jahresbeginn, die Musik der Strauß-Dynastie, der Saal, die Blumen, das Ballett: Für viele Menschen in unserem Land ist das Konzert nicht nur ein Ritual, das man am Neujahrstag erfüllt, es trägt auch zum Selbstverständnis bei", so Hellsberg.

Tanz und Österreich-Werbung

Für den Kulturstandort Österreich würde dies eine Werbung darstellen, die "sich das Land sonst nur schwer leisten könnte". Vor allem unter dem Aspekt, dass es sich um die Musik einer "Komponisten-Dynastie dreht, die zum Teil vor mehr als 200 Jahren geboren wurde". Nach 2006 wird der Lette Mariss Jansons bereits zum zweiten Mal als Dirigent fungieren. "Es ist klar, dass man zu dem Künstler, den man einlädt, auch eine ganz besondere Beziehung haben muss, sowohl musikalisch als auch menschlich", erörterte Hellsberg die Einladungspolitik der Philharmoniker.

Eine wichtige Rolle spiele auch der Tanz, der früher nur der höfischen Schicht vorbehalten war: "Wir dürfen nicht vergessen, was der Walzer für eine gesellschaftspolitische Relevanz hatte. Plötzlich hatte man eine Ausdrucksform, die allen zugänglich war", erklärte Hellsberg. Deshalb seien die Balletteinlagen, die heuer komplett im Oberen Schloss Belvedere live vorgeführt werden, essenziell. Die Erste Solotänzerin des Wiener Staatsballetts, Maria Yakovleva, die bereits fünfmal beim Neujahrskonzert aufgetreten ist, verriet, dass etwa die Polka Mazur "Brennende Liebe" von Josef Strauß "keine klassische, sondern eine sehr moderne Choreographie mit vielen wilden Bewegungen" werden wird. Die Fernsehübertragung hat aber auch ihre Tücken: "Vor der Kamera ist alles viel näher als sonst. Man darf wirklich keinen einzigen kleinen Fehler machen", sagte die 25-Jährige, die zur Zeit in "Dornröschen" im Haus am Ring zu sehen ist. So wurde vor etwa sechs Wochen mit dem italienischen Choreographen Davide Bombana mit den intensiven Proben begonnen.

Ihr Partner auf der Bühne und Ehemann, Kirill Kourlaev, der schon zum siebenten Mal beim Neujahrskonzert zu sehen sein wird, spricht von "einer großen Freude, aber auch von einer großen Verantwortung". Selbst Silvester zu feiern fällt für die die beiden Mitglieder des Wiener Staatsballetts jedoch praktisch aus: "Am 31. haben wir noch bis etwa 23 Uhr Probe und am nächsten Tag müssen wir um 8.30 Uhr in der Maske sitzen", erklärte der 29-Jährige.

Info: Das Konzert wird am Neujahrstag ab 11.15 Uhr live auf ORF 2 übertragen. Rein akustisch kann man den feierlichen Klängen auf Ö1 folgen.

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