Kultur 16.01.2013

Experten glauben es stammt von Ernst Klimt

"Trompetenblasender Putto", Gemälde, angeblich von Gustav Klimt (Eher: Ernst Klimt/Franz matsch) © Bild: UniHannover

Diskussionen um den „Sensationsfund“ – für Experten bleibt es ein Werk von Klimts Bruder Ernst.

Die Forscher, die das im Sommer entdeckte Rundbild „Der trompetende Putto“ mit naturwissenschaftlichen Methoden analysierten, hätten das Gemälde „als Klimt-Werk identifiziert“, hieß es am Dienstag in einer Ankündigung der Uni Hannover: Auch wenn nicht klar von Gustav Klimt die Rede war, gingen doch fast alle Berichterstatter davon aus.

Auf KURIER-Nachfrage gibt sich Franz Renz, einer der Experten in Hannover, allerdings bescheidener: „Eine eindeutige Zuschreibung steht mir nicht zu“, sagt der Naturwissenschaftler, der das Bild mit Infrarotlicht, Gammastrahlen und weiteren Methoden buchstäblich „durchleuchtete“. „Wir präsentieren einen Teil des Bildes, der unter der Oberfläche liegt. Das sind fantastische neue Daten.“

Professor Renz ist der Bruder des Antiquitätenhändlers Josef Renz aus Wilhelmsburg/NÖ, der das Bild im vergangenen Sommer in einer Garage in Oberösterreich entdeckte. Schon damals sorgte der Fund für großes Medienecho – und für ein Dementi von Alfred Weidinger. Der Vizedirektor des Wiener Belvedere ist zentrale Autorität für das malerische Werk Gustav Klimts. Er hatte das Bild schon 2006 begutachtet, danach war das Werk wieder unauffindbar.

Enttäuschung

„Meine Hoffnung, einen neuen Gustav Klimt zu finden, hat sich nicht bewahrheitet“, erklärt Weidinger, dem das Bildmaterial aus Hannover vorliegt, auf KURIER-Anfrage. „Das, was unter der obersten Schicht ist, ist das gleiche Bild.“ Die von den Naturwissenschaftlern als „Übermalung“ klassifizierte Schicht sei höchstwahrscheinlich stark verschmutzter Firnis, so Weidinger: Dass dieser Schutzfilm dunkel wird und einem Gemälde Brillanz nimmt, kommt häufig vor.

Das Bild des „trompetenden Putto“ sei aufgrund von überlieferten Vorzeichnungen klar Gustav Klimts Bruder Ernst zuzuordnen, sagt der Kunsthistoriker. Gustav Klimt betrieb mit ihm und dem Maler Franz Matsch ab 1883 ein Atelier in der Wiener Sandwirtgasse. Die sogenannte „Künstler-Compagnie“ konnte dort ihren Mietzins auch in Naturalien zahlen, erzählt Weidinger. Das runde Engels-Gemälde ist mit einem Bild Ernst Klimts im Schloss Mondsee vergleichbar und sei vermutlich als Nebenprodukt dieses Auftragswerks entstanden. Bis 1994 hing es in der Sandwirtgasse im Stiegenhaus. „Das Werk ist ein Ernst Klimt und wird nie ein Gustav Klimt werden“, lautet daher Weidingers Resümee.

Erstellt am 16.01.2013