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Kultur
09/13/2012

Neuer Alter: "Mir geht keiner durch die Lappen"

Warum "Der Alte" gar nicht alt sein muss und der deutsche Serienklassiker seit 35 Jahren ein Erfolg ist: Jan-Gregor Kremp im Interview.

von Anna Gasteiger

Der deutsche Schauspieler Jan-Gregor Kremp, bekannt aus der Serie "Polizeiruf 110", spielt ab heute den Alten in "Der Alte" (20.15, ORF 2/ ZDF). Er beerbt damit Walter Kreye, der nach fünf Jahren als Hauptkommissar Rolf Herzog in Pension geht. In der ersten Folge muss er den Mord an einer 16-Jährigen aufklären.

KURIER: Haben Sie lange überlegt, bevor Sie die Rolle angenommen haben?
Jan-Gregor Kremp:
Ich bin schon einmal gefragt worden, da war ich Anfang 40. Aber damals war mir das noch zu früh, und es passte nicht in meine Lebensplanung. In diesem Jahr werde ich 50. Und als die Anfrage zum zweiten Mal kam, habe ich mir gesagt: Das ist Schicksal, das soll jetzt sein.

Warum wurden Sie schon in so jungen Jahren gefragt, ob Sie den "Alten" spielen wollen?
Das ist ein Missverständnis. Der Alte ist nicht der Alte, weil er alt ist, sondern weil er der Chef ist und von seinen Kollegen so bezeichnet wird. Insofern wäre auch 40 nicht unbedingt zu jung gewesen, aber ich war eben zu diesem Zeitpunkt noch nicht bereit.

Es ist eine Institution, die Sie da übernommen haben.
Ja, das ist es. Es ist schon auch eine Ehre, in ein so klassisches Format einzusteigen, und irgendwie finde ich, das passt auch zu mir.

Haben Sie eine Erklärung dafür, dass die Serie so lang und gut funktioniert – seit 1977! – , und das, obwohl in den letzten Jahren auch immer mehr amerikanische Krimiserien auf den Markt gekommen sind?
Ich könnte mir vorstellen, dass es mit der Beständigkeit zu tun hat. Freitagabend, wenn man den "Alten" guckt, dann weiß man, was einen erwartet, und es ist zu einer Art Ritual geworden ... Allerdings wird das Format ja auch ins Ausland verkauft, in fast 100 Länder, das ist schon eine Seltenheit im deutschen Fernsehen. Es werden im Alten ja auch durchaus deutsche Tugenden dargestellt.

Ist es Ihnen wichtig, Werte zu vermitteln?
Ich will niemanden belehren. Aber wenn man überlegt, wie Regierungen mit dem Geld umgehen, Manager Gelder veruntreuen, Leute abgezockt werden ... Ich glaube, wenn wir das nicht in den Griff kriegen, fährt der Kapitalismus an die Wand. Die Welt kann nur funktionieren, wenn man, bildlich gesprochen, die Toilette so verlässt, wie man sie vorfinden will. Das ist eine sehr einfache Erklärung des kategorischen Imperativs.

Und im "Alten" ist die Welt noch in Ordnung?
Naja, insofern nicht, als es dort ja dort jede Woche Morde gibt, das ist ja auch nicht so schön.

Und der Mörder wird am Schluss immer gefunden.
Da können Sie aber Gift drauf nehmen, dass mir keiner durch die Lappen geht! Und ich verspreche Ihnen, ich hab’s immer bis Viertel nach neun geschafft.

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