Kultur
09.11.2017

Neue Wege zum Mozart-Glück

Constantinos Carydis, Salzburgs neuer "Zauberflöten"-Dirigent, wurde in München für seine Interpretation von "Le nozze di Figaro" gefeiert.

Im vergangenen Sommer hatte Teodor Currentzis als Dirigent von Mozarts "La clemenza di Tito" bei den Salzburger Festspielen stark polarisiert. Im kommenden Jahr steht ebenso die Neuproduktion einer Mozart-Oper am Beginn des Festivals, diesmal "Die Zauberflöte", mit Bruno Ganz als Erzähler. Und wieder steht ein Mann am Pult (diesmal der Wiener Philharmoniker), der radikal neue Zugänge sucht: Constantinos Carydis, mit 43 Jahren zwei Jahre jünger als Currentzis, ebenso wie jener in Griechenland geboren.

Magische Momente

Zur Zeit (noch heute) und dann im Juli 2018, also unmittelbar vor den Salzburger Festspielen, dirigiert er an der Bayrischen Staatsoper in München Mozarts "Le nozze di Figaro". Schon bei der Ouvertüre staunt man über sein rasches Tempo, aber auch über die Präzision und die klangliche Transparenz. In weiterer Folge versucht Carydis, jede Szene ganz speziell und variantenreich zu gestalten. Er baut viele Generalpausen ein, schafft fröhliche wie todtraurige Stimmungen, bei den Rezitativen fällt die Spannung stark ab. Er ist bereit, die Arie der Marcellina durch das Mozart-Lied "Abendempfindung" zu ersetzen und schafft so mit Anne Sofie von Otter einen magischen Moment.

Dramaturgisch könnte das Dirigat homogener sein, die Einzelteile machen jedoch Vorfreude auf die Salzburger " Zauberflöte".

Die Regie in München stammt von Christof Loy, der im Bühnenbild von Johannes Leiacker mit der Person des Figaro in einem Marionettentheater beginnt, den Raum mit zwei Türen von Akt zu Akt wachsen lässt und die Protagonisten somit wieder zu Puppen macht, denen alles über den Kopf gewachsen ist. Eine kluge Lesart, zu der auch eine überzeugende Personenregie passt, die den Grafen nicht als gnadenlosen Verführer, sondern als schüchternen Anti-Macho zeigt.

Christian Gerhaher singt diese Partie traumhaft schön, herrlich phrasierend, zart und ausdrucksstark wie ein Schubert-Lied. Alex Exposito ist ein Figaro mit begeisterndem Spiel und guter Höhe, Federica Lombardi eine allzu dramatische Gräfin, Olga Kulchynska eine verführerische Susanna, Solenn’ Lavanant-Linke ein stimmlich enttäuschender Cherubino und Paolo Bordogna ein Bartolo ohne entsprechende Tiefe.