Netrebko-"Aida": Internationale Pressestimmen

SALZBURGER FESTSPIELE 2017: FOTOPROBE "AIDA"
Foto: APA/BARBARA GINDL Anna Netrebko (Aida)

"Netrebko weiht sich in Salzburg zur größten Sopranistin des 21. Jahrhunderts"

Die KURIER-Kritik lesen Sie hier - und im folgenden einen Überblick darüber, was die internationalen Zeitungen zur Salzburger Festspiel-Premiere mit Anna Netrebko als Aida schrieben:

„La Repubblica“ (Rom): „Anna Netrebko ist charismatisch in dem blauen Gewand der äthiopischen Sklavin. Ihre Stimme beeindruckt wegen ihrer technischen Sicherheit und poetischen Substanz. Regisseurin Shirin Neshat ist Autorin einer klaren, modernen und antikonformistischen Aufführung ohne die kitschige Schwülstigkeit, die typisch für Aida ist.“

„New York Times“: Netrebko hat „einen Gipfel erklommen, Verdis Aida in einer kühlen, unpersönlichen Produktion, die das Zentralstück der diesjährigen Salzburger Festspiele ist“ (...) „Netrebko ist bereit für Aida (...) ihre Arien sind sicher, vorsichtig, ernsthaft.“ (...) „Muti erschafft Effekte, die man kaum für möglich hält...“ (...) „Das Drama handelt nur noch vom Klang, nicht mehr von den Charakteren auf der Bühne. (...) Das war wohl die am wenigsten intime Aida, die möglich ist - selbst in jedem flüchtigen Detail poliert und zur Schau gestellt.“

„El Pais“: „Netrebko weiht sich in Salzburg zur größten Sopranistin des 21. Jahrhunderts“ (...) Shirin Neshat „...begünstigt sie durch ein sehr statisches und sehr ästhetisches dramaturgisches Konzept. Riccardo Muti gefällt es nicht, Sichtkontakt mit den Sängern zu verlieren. Dem kommen sie entgegen, indem sie es wie eine konzertante Version behandeln. Es vermittelt den Eindruck, dass der neapolitanische Maestro die Freiheiten von Neshat eingeschränkt haben könnte...“

„Süddeutsche Zeitung“: „So füllt Netrebkos Stimme wie gewohnt und stets tonschön den riesigen Raum“ (...) „Zudem badet Muti im schönen Klang. Anstatt mit Elan und Verve anzutreiben, lässt er die Musik stagnieren. (...) So aber zerfällt die Partitur in zwei Welten, in affirmatives Donnern oder intimes Bezaubern. Beides steht beziehungslos nebeneinander, zumal Muti der Moment immer mehr interessiert als die große, geschlossene Form.“ (...) „Erstaunlicherweise ist Shirin Neshat nichts zum Plot und schon gar nichts zur Musik eingefallen. Weshalb diese 'Aida' nicht nur unkritisch und brav, sondern beinahe als eine konzertante Aufführung (...) daherkommt. Die von der Regie im Stich gelassenen Sänger schaffen es dann auch nicht, ihre Figuren übers Offensichtliche hinaus zu konturieren.“

„Corriere della Sera“ (Mailand): „Minimalistische Inszenierung, pharaonischer Erfolg: Die Salzburger Festspiele haben das Tabu von Aida gebrochen, die seit 1979, seit einer Aufführung unter dem Dirigat von Herbert von Karajan, nicht mehr inszeniert wurde. Weder Sphinxen noch Pyramiden, kein Gigantismus, kein Flittergold, keine vulgäre Tradition. Muti taucht ganz in seine Verdi-Welt ein, obwohl er seit den 70er-Jahren diese Oper nicht mehr dirigiert hatte.“

„Frankfurter Allgemeine Zeitung: “Die in den erlesen schön stilisierten Bildern singenden Figuren werden nicht durch dramatische Gestik individualisiert, sondern nur in der sängerischen Aktion. Man mochte sich an den Rat halten, den Richard Wagner dem jungen Friedrich Nietzsche vor der ersten Bayreuther Aufführung erteilte: 'Nehmen Sie die Brille ab, Sie sollen die Musik nur hören.'„ (...) “Sein Versprechen, das Werk wie Kammermusik aufzuführen, hat Muti - womöglich im gesegneten Zustand von Altersmilde - auf eindringliche Weise erfüllt.„ (...)“Aus der früher rein lyrischen Stimme ist ein jugendlich-dramatischer Sopran geworden, der (...) Chor und Orchester ohne jedes Forcieren überstrahlt."

“Neue Zürcher Zeitung": “Tatsächlich kann man heute wohl keine stimmschönere Sängerin für die Titelrolle engagieren. Anna Netrebko befindet sich vokal hörbar auf dem Gipfel ihrer Laufbahn„ (...) “Und die Regie? Beschränkte sich in der Personenführung auf ein paar stereotype, leicht exaltierte Gesten und auf hochästhetische Tableaus..„ (...) “Das Erstaunliche ist: Trotz der Statik funktioniert der Abend - wegen des überragenden Niveaus von Dirigent und Sängern. Dies ist Musik-Theater, freilich rein aus der Kraft von Verdis Partitur."

"Il Messaggero" (Rom): "Die Erwartungen für Netrebkos Debüt in der Rolle der Aida waren groß, die Diva hat ihre Fans nicht enttäuscht: Starke Bühnenpräsenz, eine Stimme wie in schwarzem Samt umhüllt. Am meisten haben aber Muti und die Wiener Philharmoniker mit ihrer Transparenz und Klarheit die Zuschauer begeistert."


"TAZ": “Der, man möchte sagen, behutsame Ikonoklasmus, mit dem Shirin Neshat den vier Akten der 'Aida', dieser exotischen Fieberfantasie des Westens, begegnet, erweist sich dramaturgisch schnell von Nutzen. Er unterstützt die Arbeit des Dirigenten Ricardo Muti über die stadiontauglichen Hits hinaus.„ (...) “Der Pomp blieb draußen, beziehungsweise er war vorgelagert."

“Die Welt": “Und wie war nun die Anna? Toll! Toll! Toll! Doch, schon! (...) Himmlisch, ach was, göttlich!, so tschilpten es die Generalprobenkiebitze. Sagen wir mal: sehr, sehr gut. Wieder kommt ihr die Glorie der voll ausgereiften Netrebko-Stimme zu pass, diese Gegensätze zwischen geerdet warmem, fest verwurzeltem Timbre und nicht schwerelos, aber herrlich elegant hochfliegenden, saftig breiten Legatobögen.„ (...) “Während also die Erwartungshaltung im Großen Festspielhaus den Siedepunkt erreicht, gart im Graben Riccardo Muti altersmilde und nicht immer taktexakt mit sanftem Dampf.„ (...) “Ach ja, die Inszenierung! War da was? (...) Es gibt Auf- und Abtritte, starre Tableaus, das übliche Starrampentheater. Die Szene ist meist zugestellt mit zwei nüchtern weißen Betonkuben.„ (...) “Neshat will sich weder stilistisch noch inhaltlich festlegen, erzählt weder von weiblicher Sehnsucht noch von männlichem Fanatismus. Sie hat mit Angst gepaarten Respekt vor der Oper und will deshalb vor allem nicht stören."

(KURIER/APA) Erstellt am
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