Kultur
20.09.2017

Neil Diamond live: Unterhaltsam, aber selten berührend

Der Amerikaner feierte in der Wiener Stadthalle sein 50-jähriges Karriere-Jubiläum

Die Zahl 50 prangt glitzernd über der Bühne in der Wiener Stadthalle: Das anstehende Konzert von Neil Diamond markiert sein 50-jähriges Karriere-Jubiläum. In diesem halben Jahrhundert hat der Amerikaner Dutzende Welthits geschrieben (auch für andere Künstler) und 130 Millionen Alben verkauft.

Das Wiener Publikum – mehr als 10.000 sind gekommen – honoriert das sofort mit stehenden Ovationen. Nur dafür, dass der heute 76-Jährige auf die Bühne kommt. Etwas tapsig, zaghaft und unsicher bewegt er sich. Dass er nicht mehr die physische Kraft hat, Dynamik auszustrahlen, wird gleich beim Opener "Cherry, Cherry" klar. Was aber auch gleich zu hören ist: Diamonds Stimme hat in 50 Bühnen-Jahren keine Spur gelitten. Er singt klar und kräftig. Mit geschlossenen Augen könnte man meinen, er wäre halb so alt.

Unvergesslich

Was das Konzert trotzdem etwas schwunglos macht, ist der leblose Sound der Band: Hits wie "Solitary Man" und "Song Sung Blue" klingen freudlos und weit uninspirierter als man sie von früheren Live-Alben Diamonds kennt. Dazu kommt, dass die Gitarren, die sonst etwas Druck geben, hier kaum zu hören sind. Und bei "Beautiful Noise" – interpretiert mit Ziehharmonika – kommt das Konzert an die Kippe zu einer Musikantenstadl-Session.

Das große Plus: Das Programm ist voll mit Hits wie "I’m A Believer" (bekannt durch The Monkees) oder "Play Me" und "If You Know What I Mean". Ausnahme sind nur die Songs aus dem Soundtrack zu "Die Möwe Jonathan". Sympathisch auch die Bühnenpräsenz des Stars: Immer wieder baut er in Ansagen kleine Scherze ein und erzählt ein wenig aus seinem Leben und zur Entstehung einzelner Songs

Man kann den soften, seichten Sound von Neil Diamond mögen oder nicht. Seine Songs sind eher aus der belanglosen "Mädchen, ich liebe dich"-Abteilung. Tiefer gehen nur manche – etwa das großartige "I Am . . . I Said". Aber alleine die Tatsache, dass Diamond so viele unvergessliche Melodien geschaffen hat (28 in Wien – und da fehlten noch "Soolaimon", "Shilo" und "Girl You’ll Be A Woman Soon"), verdient höchsten Respekt. Tatsache ist aber auch, dass sie in der Stadthalle müde klangen, und das Feuer, das Diamond ihnen als junger Musiker geben konnte, schmerzlich vermissen ließen. So war die Show unterhaltsam, aber nur selten berührend.

KURIER-Wertung: