Bothas letzte Premiere an der Staatsoper: "Tannhäuser" (2010)

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Kultur
09/08/2016

Es gab in so vielen Rollen keinen Besseren als ihn

Der Tenor Johan Botha starb nach schwerer Krankheit. Er wurde nur 51 Jahre alt.

Wenn er auf der Bühne stand, war das Besondere, das Herausragende, das man heute so oft sucht und nur so selten findet, garantiert.

Wenn er den Mund öffnete, um zu singen, wenn er seinen ersten Ton Richtung Zuschauerraum schickte, glaubte man als Hörer regelmäßig, einen neuen Kosmos zu bereisen. Die Schönheit seiner Stimme, das traumhafte Timbre, die Kraft, die metallischen Höhen, die Lyrismen, die elegante Phrasierung, die prachtvollsten Kantilenen selbst im schwierigsten Fach, seine Kunst, mit einem Ton zu spielen, ihn mit einem Crescendo zu einem Juwel zu formen – all das machte seinen exemplarischen Tenor so einzigartig, dass man aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskommt. Und auch aus dem Traurigsein wird man lange nicht herauskommen, wenn man zurückdenkt an phänomenale Abende mit ihm.

Unersetzlich

Am Donnerstag ist Johan Botha nach langer schwerer Krankheit gestorben. Er ist unersetzlich: Als Künstler in einem Fach, in dem er Maßstäbe gesetzt hat. Und als so liebenswerter, sozial engagierter Mensch für all jene, die ihn persönlich kannten.

In Nachrufen kommt es ja nicht selten vor, dass manches verklärt wird. Bei Botha ist es definitiv so, dass er – bestimmt nicht nur für den Autor dieser Zeilen – in vielen Partien der Allergrößte war.

Wer hat in der jüngeren Operngeschichte wirklich live einen besseren Lohengrin gehört? Einen besseren Tannhäuser? Einen besseren Stolzing? Einen besseren Siegmund etc.? Wer – außer Botha – sang noch den Bacchus, den Florestan, den Calaf gleichermaßen auf Topniveau? Oder den Henri in der "Sizilianischen Vesper"? Mit Botha verstummt eine der wertvollsten und maßgeblichsten Stimmen unserer Zeit, die leider auf CD nicht allzu intensiv dokumentiert ist.

Aber einem bescheidenen, nie neidischen Mann wie ihm, einem sehr gläubigen Familienvater war das Star-Dasein wohl auch nicht so sehr in seine südafrikanische Wiege gelegt. Anfang der 1990er-Jahre kam er, auf Vermittlung des ehemaligen Staatsopern-Chordirektors Norbert Balatsch, nach Europa, debütierte in Kaiserslautern und feierte 1993 in Paris einen Riesenerfolg in "Madama Butterfly".

Wer seine Stimme erstmals hörte, war hingerissen. Der ehemalige Opernchef Ioan Holender erinnert sich an einen Tag im Herbst 1993: "Das war das fantastischste Vorsingen, das ich je gehört habe." Er engagierte Botha, der ihm bis zuletzt "mein Bothalein" bleiben sollte, sofort als Rudolf für "Bohème" in der Volksoper (auf Deutsch).

In acht Neuproduktionen sang er an der Staatsoper, die letzte war "Tannhäuser" (2010). Mehr als 220-mal war der Kammersänger, der 1998 die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt und in Wien lebte, am Ring zu hören. Aber auch in New York, München, London und Mailand feierte er Triumphe. Und selbstverständlich in Bayreuth, als Siegmund im Castorf-"Ring". Mit Simone Young, James Levine, Daniel Barenboim, Bertrand de Billy, Christian Thielemann, Kirill Petrenko und anderen Pultstars arbeitete er regelmäßig zusammen. Er galt zu Unrecht als schlechter Schauspieler – er brauchte nur die richtigen Regisseure wie etwa Harry Kupfer ("Ariadne auf Naxos") oder Christine Mielitz ("Meistersinger").

Reaktionen

"Seit dem Tag vor fast genau 23 Jahren, als er mir die Geschicke seines künstlerischen Lebensweges anvertraut hatte, waren wir verbunden, und diese Verbindung wird für mich auch mit seinem Ableben nicht beendet sein", schreibt sein Agent Michael Lewin in einem sehr berührenden Nachruf. Minister Thomas Drozda spricht von einem "Weltkünstler mit enormer Strahlkraft". Opernchef Dominique Meyer reagierte "zutiefst betroffen – Johan Botha ist viel zu früh von uns gegangen".

Zuletzt war Botha noch voller Hoffnung, als er nach langer Behandlung zuerst in Budapest als Siegmund und dann in München als Calaf ein Comeback gab. Im Sommer reiste er nach Südafrika. Danach brach die Krankheit wieder aus. Im September sollte ihm nach einer "Turandot"-Vorstellung die Ehrenmitgliedschaft der Staatsoper verliehen werden.

Wer ihn je gehört hat, wird ihn niemals vergessen können und wollen. Adieu!