Kultur
06.04.2017

Nach Übernahme: Harte Landung für ATV

Am Donnerstag ging der ATV-Verkauf über die Bühne. Der neue Eigentümer ProSieben Sat.1 Puls4 will Mitarbeiter übernehmen, kündigt aber Einschnitte an.

Herbert Kloiber ist seinen ungeliebtes Kind also los. In der Nacht auf Freitag wechselt Österreichs erster Privatsender, ATV, den Besitzer. Die gute Nachricht: Der Sender muss nicht zusperren. Die schlechte: 70 Stellen werden durch die Fusionierung obsolet.

ProSiebenSat.1 Puls4 hat das Unternehmen gegen Auflagen gekauft und plant nun heftige Einschnitte (die aber durch interne Gegenmaßnahmen abgefedert werden sollen). Das klang in der offiziellen Aussendung so: "Vor dem Hintergrund der dringend nötigen wirtschaftlichen Sanierung von ATV werden wir die Organisation der Sendergruppe zusammenlegen. Dadurch entfallen voraussichtlich bis Jahresanfang 2018 bei ATV rund 70 Stellen." Soweit Bernhard Albrecht, CFO ProSiebenSat.1 Puls 4. Laut Firmenbuch hatte ATV zuletzt 134 Beschäftigte.

Intern will man im Gesamtkonzern umschichten: "Wir versuchen selbstverständlich für alle betroffenen Mitarbeiter eine rasche und durch einen Sozialplan abgesicherte Lösung zu finden und haben bereits innerhalb der ProSiebenSat.1 Puls4-Gruppe rund 20 offene Stellen identifiziert, die wir nun bevorzugt ATV-Mitarbeitern anbieten", versicherte Albrecht. Weitere Jobs könnten in der Folge dazukommen, war intern zu hören. Am Freitag sollen in einer Pressekonferenz die "die ersten Informationen zu den geplanten Sanierungsmaßnahmen" für ATV erläutert werden.

Mit Jahresanfang 2018 ist die Zusammenlegung von Vermarktung, Standorten und technischem Betrieb geplant, wurde als erstes Detail angekündigt. Und: "Ab sofort" sollen die Sender "bei Verwaltung und Einkauf eng zusammenarbeiten".

Gruber in, Gastinger out

Mit der Übernahme wechselt auch das Management: Thomas Gruber wird neuer Programmgeschäftsführer von ATV und löst damit Martin Gastinger nach zehn Jahren an der Senderspitze ab. Gruber wird gemeinsam mit CFO Albrecht "Sanierung und Fusion" verantworten.

Er strebe eine "sinnvolle Komplementär-Programmierung zwischen Puls 4 und ATV" an, wurde er in der Aussendung zitiert. Man werde die "Position von ATV im österreichischen TV-Markt nachhaltig" sichern und dem Sender "neue Wachstumschancen" ermöglichen.

Der bisherige Eigentümer Kloiber hatte im Sommer des Vorjahres angekündigt, ATV ("mein größter Fehler") verkaufen zu wollen. Anfang diesen Jahres wurde er dann mit ProSiebenSat.1Puls4 handelseins. Die Bundeswettbewerbsbehörde hatte dagegen – unter Auflagen – ebenso wenig einzuwenden wie die Medienbehörde KommAustria. Kritiker des Deals bzw. des Wettbewerbsverfahrens sehen durch die Fusion der Privatsender unter anderem eine Gefahr für die Medienvielfalt sowie eine Verengung und Preisverfall am Werbemarkt. Die Auflagen gelten bis Ende 2022 , Als Kaufpreis wurden für ATV in Medien 20 bis 24 Millionen Euro kolportiert.