Gustav Klimt, Porträt einer Dame, ca. 1895, Kunsthistorisches Museum Wien

© Kunsthistorisches Museum Wien

Schenkung
04/24/2014

Mysteriöse Klimt-Dame im KHM

Das Wiener KHM wird im Mai ein frühes Klimt-Porträt einer unbekannten Dame enthüllen. Das Museum erhielt das Bild als Schenkung.

von Michael Huber

Dem Kunsthistorischen Museum Wien ist ein frühes, bisher kaum bekanntes Porträt von Gustav Klimt vermacht worden. Das Bild, das eine unbekannte Dame zeigt, ist neuesten Erkenntnissen Zufolge rund um das Jahr 1895 entstanden und wurde dem Museum testamentarisch vermacht. Nach einer ausführlichen Erforschung und Restaurierung wird es von 22. Mai bis 31.August in der KHM-Gemäldegalerie (Kabinett XXIV) der Öffentlichkeit präsentiert. Die Schenkung war schon 2013 über die Bühne gegangen, das Art Newspaper hatte am Mittwoch als erstes darüber berichtet.

Das Porträt ist in der Fachwelt bekannt und findet sich auch in den maßgeblichen Klimt-Werkverzeichnissen - ausgestellt war es offenbar noch nie. Von den Klimt-Experten Tobias Natter und Alfred Weidinger war das Bild auf 1880 bzw. 1888 datiert worden, doch nach der Reinigung des Werks sprachen sich beide für eine spätere Datierung aus: "(...) Das Inkarnat (die Hautfarbe, Anm.) zeigt eine geradezu „impressionistisch“ flirrende Oberfläche aus rosafarbenen, blauen und orangen Tönen, die vergleichbar erst in der zweiten Hälfte der 1890er Jahre in Klimts Werk begegnet", erklärt KHM-Kurator Guido Messling.

Klimts "Goldenes Muatterl"

Auch der Goldstreifen unterhalb der Darstellung würde auf andere Klimt-Werke aus dem Jahr 1895 verweisen, so Messling. Klitms "Goldene Periode" startete erst später, als Auslöser gilt sein Besuch bei den Mosaiken in Ravenna und Venedig im Jahr 1903. Das Bildnis "Goldene Adele"(1907) gilt neben dem "Kuss" (1908) als Hauptwerk dieser Phase.

Das Porträt im KHM enstand dagegen noch vor der Gründung der Secession im Jahr 1897. "Der retrospektive Eindruck, den die Konzeption des Porträts und nicht zuletzt die etwas „hausbackene“ Tracht erweckt, lässt sich am ehesten durch die Verwendung einer einige Jahre älteren Porträtfotografie erklären", schreibt KHM-Kurator Messling. "Vielleicht war die Dame, doch bleibt dies Spekulation, bereits verstorben oder in Trauer. So liegt in dem Bild allen Anschein nach ein Auftragswerk vor, das möglicherweise dem persönlichen Angedenken der Dargestellten dienen sollte."

Interessante Provenienz

Vermacht wurde das Bild von Erben des Sammlers Georg Lasus, in dessen Besitz auch andere wichtige Klimt-Werke standen, darunter das berühmte "Porträt einer Dame mit Hut und Federboa". Lasus, 1851 geboren, hatte von seinem Vater Textilspinnereien in Mähren geerbt und konnte sich daher mit 40 Jahren zur Ruhe setzen. Er starb 1933; seine Witwe Hermine sah sich unter dem Druck der Nazis später genötigt, große Teile der Sammlung zu veräußern. Zwei Gemälde, nämlich "Dame mit Hut und Federboa" und "Bauernhaus mit Birken", gelangten ins Belvedere; besonders das Damenbildnis erfreute sich großer Popularität und wurde als Postermotiv der Ausstellung "Klimt und die Frauen" (2000/2001) vielfach reproduziert. Nach der Schau wurde es an die Erben Lasus' restituiert.
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