© Florian Wieser

Nova Rock '14
06/13/2014

Tag 1: Der Wahnsinn hat begonnen

Der erste Tag des Festivals in Nickelsdorf im Blog.

von Mathias Morscher

Zehn Jahre Nova Rock, zehn Jahre Festival-Wahnsinn. Das heißt auch in diesem Jahr jede Menge Musik, lauwarmes Dosenbier, Dixi-Klos und Campingplatz-Kuscheleien. So soll es sein. Der KURIER ist wie immer dabei. Subjektiv im Blog.

Tag 1: Der Wahnsinn hat begonnen

"Voodoo People, Nova People", schreit Keith Flint von The Prodigy in das Mirko und bewegt die teilweise schon müde Meute zu neuen Höchstleistungen. Die Boxen sind schwer überfordert, Flint rennt er von einer Bühnenseite zur anderen, hüpft, springt, zieht Grimassen und entzieht den Menschen vor der Bühne die letzte Energie - damit sie auch wirklich gut schlafen werden.

Egal ob "Breathe" oder "Firestarter", kein Hit wird ausgelassen. The Prodigy sind als Headliner geladen und sie haben es sich verdient. Ein grandioser Abschluss des heutigen Tages. Und damit verabschiede ich mich ebenfalls für heute. Bis morgen, an der selben Stelle. Good Night & Good Fight. Ich schau mir jetzt noch den Rest vom Konzert an.

Die gute Laune hat mittlerweile auch unser Team erwischt. Redakteur Georg Leyrer (rechts) und unser Fotograf Florian Wieser tanzen zu "Stayin' Alive" von den Bee Gees im Presseraum, das nach Limp Bizkit aus den Boxen der Blue Stage dröhnt. Yeah.

Der Semi-Headliner an diesem Tag ist Limp Bizkit. Ja, Limp Bizkit. Das heißt, es geht wieder zurück in die 00er-Jahre. Zugegeben, ich finde Fred Durst und Co. seit ich 18 bin peinlich, ein Jahr zuvor allerdings sehr cool. Deshalb erwische ich mich auch dabei, wie sich meine Lippen bei "Nookie" bewegen und ich noch immer jedes Wort auswendig kann - komisch, dass sich das Hirn ausgerechnet sowas merkt. Aber ich schweife ab.

Das Konzert ist gut, ich muss es (leider) zugeben. Durst kann tatsächlich nicht nur tätowieren, sondern auch eine gute Show abliefern. Unterstützt vom komplett in schwarz lackierten Wes Borland an der Gitarre und dem Rest von Bizkit haben sie die Zuschauer komplett auf ihrer Seite, die auch tatsächlich die alten Sachen kennen.

Dann aber betreten Steel Panther die Bühne. Eine Band die zuvor auf der Red Stage ein Konzert gegeben hat, eine Parodie auf den 80er-Hairmetal ist und in Spandex-Hosen die Stimmung in neue Höhen treibt. Eine Premiere, noch nie zuvor haben Limp Bizkit und sie die Bühne geteilt - betonen sie. Großartig. Man kann es tatsächlich nicht anders beschreiben - zumindest wenn es um den Unterhaltungswert geht.

Langsam aber sicher neigt sich der musikalische Teil des 1. Festivaltags dem Ende zu. Auf der Red Stage stehen gleich Volbeat und auf der Blue Stage heißt es bald: "Smack my Bitch up" mit The Prodigy.

Casper selbst liefert eine überzeugende und unterhaltsame Show und beweist, dass er das Zeug zum Headliner hat. Eine sehr gute Band im Hintergrund, schmettert er seine Hits und hat die Menge voll im Griff. Diese hängt an seinen Lippen, kennt jedes Wort und jede Zeile. Egal ob neuer oder alter Song, egal ob von einem Album oder von einem Mixtape. Prädikat: Empfehlenswert.

Dunkle Wolken ziehen über das Festivalgelände, während Casper mit seiner Band die Blue Stage rockt. Der Sturm wird hoffentlich ausbleiben.

Die Sonne ist hinter dem Horizont verschwunden, die Sonnenbrillen werden gehoben und dahinter erblickt man oft die typisch glasigen Augen, die nur von billigem Bier oder Tetrapak-Wein verursacht werden.

Ja, es wird Zeit für die Headliner. Drum schreit jetzt auch schon Casper ein lautes "Nova Rock, ich will auch springen sehen" ins Mikro. Das heißt auch für mich ab zur Bühne. Bis später.

Die südafrikanische Band Seether überzeugt mit einer soliden Show auf der Blue Stage. Post-Grunge nennt man das angeblich heutzutage, was da wohl Soundgarden am Sonntag dazu sagen werden? Auf jeden Fall wird von der Presse oft ein Vergleich von Sänger Shaun Morgan mit Kurt Cobain angestrengt. Optisch auf keinen Fall und auch stimmlich trennen die beiden Welten. Aber, ihr Set war gut. Es hätte ruhig noch ein, zwei Songs mehr sein dürfen.

Aja, und wer sich jemals gefragt hat, warum man ein paar Euro mehr für ein VIP-Ticket ausgeben soll, hier die Antwort. Es gibt ordentliche Klos. Aus Keramik. Mit Wasserspülung. Und sauber. Luxus pur.

Mittlerweile geht es ja auf Festivals nicht mehr nur um Musik. Man kann Bungee jumpen, sich Piercen lassen und sogar heiraten - aber keine Sorge liebe Eltern, natürlich gilt das nicht vor Gericht.

Mehr zum Unterhaltungsangebot gibt es morgen.

"Oma wird mich für den Tschick hassen", meinte unser grandioser Fotograf Florian Wieser vorhin. Damit sie auch einen Grund dafür hat, hier das Beweisfoto.

Der Weg von der Blue zur Red Stage ist weit. Sehr weit. Und heiß. Zumindest noch. Aber während auf der Blue Stage die Irie Révoltés - erstes Wort wird englisch, das zweite französisch ausgesprochen - aus dem deutschen Heidelberg mit ihrem Reggae, Ska und HipHop-Mix die Leute tatsächlich sehr gut unterhalten, geht es auf der anderen Bühne etwas härter zu.

Mit Phil Anselmo brüllt ein Mann mit rauer Stimme und kraftvollem Schreivermögen auf der Bühne. Begleitet von seinen The Illegals geht es düster zu. Metal pur. Den meist in schwarz gekleidete Fans gefällts.

Derweil auf dem Campingsplatz...

Mit dem unmöglichen Charme eines frisch aus dem Entzug entlassenen Drogenbefürworters gehts dann auch weiter. The Used stehen auf der Bühne - und Sänger Bert McCracken öfter in der Ecke um sich irgendetwas per Spray in die Lunge zu jagen. Ob es Mund-, Asthma- oder ein Vicodinspray ist? Man weiß es nicht so genau.

Auf jeden Fall verleitet sein "Fuck the Police" eher einem Lachkrampf und weniger zu "wir sind so Punk". Schade. Irgendwann hatte die Band tatsächlich mal einen Hit - oder kennt man sie doch nur, weil McCracken mal mit Ozzy-Tochter Kelly liiert war? Egal. Am Schluß des Konzerts werden die Boxen überfordert und mit Nirvanas "Smells Like Teen Spirit" experimentiert und mit "Fuck you, I want do what they tell me" von Rage Against The Machine garniert.

Mit Crazy Town gehts zurück ins Jahr 2000, in die Blütezeit von Crossover. Sie wissen schon, als man Rap mit Metal verband und der White Trash meinte, er müsste Musik machen. 14 Jahre und mindestens eine Drogenkur später, stehen Shifty Shellshock und Epic Mazur - ja, sie nennen sich noch immer so - auf der Blue Stage und nehmen sich selbst zu ernst - als Satire von sich selbst würden sie eine bessere Figur machen. Macht aber nichts, "Butterfly" können sogar die mitsingen, die damals gerade gelernt haben aufs Töpfchen zu gehen.

Aber schließlich geht es um die Bands und nicht um Löcher, deshalb hier das Ergebnis des Bandbattle in der Redaktion - ich bin nicht mit allem einverstanden, aber wir leben nunmal in einer Demokratie.

DIE Hausregel steht auch schon fest - scheinbar liegt es in der menschlichen Festivalnatur gerade gegen diese Regel zu verstoßen, warum auch immer.

Herzlich Willkommen beim Nova Rock '14. Die Sonne scheint, das Bier ist noch kalt und die ersten Bands spielen - und der Pressebereich fühlt sich an wie eine Sauna, aber das ist eine andere Geschichte.

Die ersten Besucher finden sich langsam vor der Blue Stage ein um Crazy Town zu sehen. Ja, genau. Die "Come my lady / Come, come my lady / You're my butterfly / Sugar baby"-Band.

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