Iron-Maiden-Sänger Bruce Dickinson lieferte mit seiner umjubelten Band den Höhepunkt des zweiten Tages

© /Florian Wieser

Festival
06/15/2014

Nova Rock: Nicht nur Hasselhoff sucht die Freiheit

Zwischen der Musik und dem umfassenden Unterhaltungsanspruch ist Platz für fast alles.

von Georg Leyrer

Zum bereits zehnten Mal rief das Nova Rock zur innerösterreichischen Pauschalreise ins eltern- und arbeitgeberfreie Auszuckreservat nach Nickelsdorf. Die Reiseleitung spricht Rock.

Das Zielpublikum folgte ohne Widerspruch. Nicht zuletzt, weil die für ganze drei Tage endlose Festival-Freiheit durch nur fünf Seiten an Hinweisen und Regulierungen begrenzt wird (das Komfortklo kostet 2 Euro).

Das Resümee also gleich zu Beginn: Österreichs größtes Rockfestival ist große Unterhaltung. Längst hat man sich eingestanden, dass es mehr braucht als Musik.

So wartet alljährlich ein wirklich sehr schnell drehendes Ringelspiel auf die harten Rocker. Ebenso: Bungee-Sprung, Piercing-Studio, Tattoo-Möglichkeit. Am Merchandising-Stand dann schnell ein Rocker-Leiberl fürs Baby gekauft (denn nicht nur das Nova Rock ist älter geworden). Von dort geht’s zur schnellen Massage und einem Biergarten mit sich drehender Grillsau.

Wir sind ganz schön anders als unsere Eltern!

Aber für die Festivaltage ist es weit besser, jeden selbstkritischen Gedanken, gemeinsam mit der Oberbekleidung, an der nicht vorhandenen Garderobe abzugeben.

Hier geht es schließlich nicht um die reine Lehre des Rock. Hier geht es, unter anderem, Jahr für Jahr wieder um viele erste staksende Schritte über die staubige Erde der Emanzipation von den Eltern. Die kann man sich, im Gegensatz zur Liebe, mit Geld kaufen. Und im Dreitagespass in Richtung Erwachsenwerden ist auch jede Menge Musik enthalten.

Er kommt

Und es hat schon was, wenn die geschätzte Hälfte der täglich rund 50.000 Festivalbesucher zum Bassthema – döm-döm-dödöm – von "Knight Rider" auszuckt. Und zwar lange vor dem Auftritt von David Hasselhoff, der Samstagnacht als Bonus in Sachen Kult auf dem Festivalprogramm stand. (Ein Auto. Ein Mann. Ein Lied, das man nur im Dunkel der Nacht ungeniert mitsingen kann. Aber dann ordentlich: "I've been looking for freedom").

Zuerst aber haben die nicht kleinzukriegenden Limp Bizkit schon am Freitagspätabend die Kennmelodie der Hasselhoff-Serie gespielt. Und das von Casper bereits aufgeweckte Publikum hat dies amüsiert zur Kenntnis genommen.

Was uns lehrt: Beim Auftritt von Limp Bizkit hat zwar die Grill-Sau am Biergarten-Spieß schon nicht mehr so gut ausgesehen. Aber es muss auch nicht, jetzt programmtechnisch, immer eine neue Sau durchs Rockdorf getrieben werden. Das Publikum hat ebenso großen Spaß mit dem Animationsprogramm des Vorjahres. Oder auch des Vor-Vor-Vor-(und so weiter)-Jahres. Die zehnte Ausgabe hat sich demnach auf ein von alten Bekannten durchsetztes Line-up eingependelt. Und ist diesmal auch abseits der reinen Härte verhältnismäßig abwechslungsreich.

Speziell der zweite Tag brachte auf der Red Stage mit der Dancehall-Truppe Mono & Nikitaman und Aaron Brunos Awolnation Abwechslung in das Gitarren-Gehacke. Zwar spielten die Amerikaner vieles druckvoller als üblich, bewiesen aber mit ihrem variantenreichen Elektro-Alternative-Sound, dass sich ein Nova-Publikum auch von Pop-Hymnen wie "Jump On My Shoulders" schnell zum Abfeiern verführen lässt.

Der Soft-Rock von Sunrise Avenue stolperte über anfängliche technische Probleme ins Set und funktionierte – vielleicht wegen der recht konventionellen Songs – nur mittelprächtig. Mit einem Arktis-Bühnenbild und einem genauso routinierten wie unterhaltsamen Set lieferten aber Samstagabend dann doch die Rocker von Iron Maiden den Höhepunkt.

Maiden, The Hoff & Co. in Bildern

Prodigy, Casper & Co. in Bildern

Das bunte Treiben am Campingplatz

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