Murdoch wird wegen Abhörskandal vorgeladen

Rupert Murdoch und Rebekah Brooks sollen wegen der Machinationen des Revolverblatts "News of the World" Rede und Antwort stehen.
Foto: APA/FACUNDO ARRIZABALAGA

Weil Medienzar Rupert Murdoch dem britischen Parlament nicht freiwillig Rede und Antwort stehen will, hat ihn der Medienausschuss offiziell vorgeladen.

Im Abhörskandal um die Boulevardzeitung "News of the World" steigt der politische Druck auf Medienmogul Rupert Murdoch: Weil Murdoch dem britischen Parlament nicht freiwillig Rede und Antwort stehen will, hat ihn der Medienausschuss am Donnerstag offiziell vorgeladen. Auch sein Sohn James und die Chefin seiner britischen Zeitungsgruppe News International, Rebekah Brooks, sollen am Dienstag zu der Affäre Stellung nehmen.

Die Anhörung soll den Angaben zufolge am Dienstag um 14.30 Uhr Ortszeit stattfinden. Während die beiden Männer angaben, keine Zeit für eine solche Anhörung zu haben, hat sich Brooks bereits bereit erklärt, zu der Abhöraffäre Stellung zu nehmen.

Britische Medien hatten zuvor gemeldet, dass Rupert und James Murdoch als US-Bürger zu der Befragung nicht verpflichtet werden könnten. Als Britin kann sich Brooks demnach nicht entziehen. Der stellvertretende Premierminister Nick Clegg forderte die Murdochs auf, vor dem Ausschuss zu erscheinen. Wenn sie nur eine "Spur Verantwortungsbewusstsein" hätten, würden sie dort Fragen beantworten, sagte er dem Rundfunksender BBC.

James Murdoch ist Vize-Geschäftsführer des Murdoch-Konzerns News Corp, dessen britischer Ableger News International ist. Brooks war zur Zeit der Abhöraktionen Chefredakteurin bei News of the World. Murdoch hatte sich in der vergangenen Woche zur Schließung des Boulevardblatts gezwungen gesehen, nachdem herausgekommen war, dass Journalisten nicht nur Prominente abgehört und Polizisten bestochen, sondern auch Handy-Mailboxen der Angehörigen von getöteten Soldaten sowie eines entführten Mädchens geknackt hatten.

Beteiligung an BSkyB steht auf dem Spiel

Die Medien-Regulierungsbehörde Ofcom will nun untersuchen, ob Murdoch und sein Management "tauglich" sind, die 39 Prozent an dem Fernsehkonzern BSkyB zu halten, die Murdoch über seinen US-Konzern News Corp. bereits besitzt. Die Absicht, in einem Milliardendeal auch die restlichen 61 Prozent zu übernehmen, hatte News Corp. am Mittwoch fallen lassen.

Im Zuge der Ermittlungen zu dem Abhörskandal gab es unterdessen eine neunte Festnahme. Laut Berichten britischer Medien wurde der frühere stellvertretende Chefredakteur der "News of the World", Neil Wallis, festgenommen. Die Polizei sprach zunächst nur von einem 60-Jährigen, der in einer Wohnung in London festgenommen sei. Wallis war von 2003 bis 2007 Vize-Chefredakteur und blieb bis 2009 bei dem Skandalblatt. Heute leitet er eine PR-Firma.

Am Freitag vergangener Woche war bereits der frühere Sprecher von Premierminister David Cameron, Andy Coulson, vorübergehend festgenommen worden. Coulson war von 2003 bis 2007 Chefredakteur der "News of the World" gewesen.

Die Rufe nach einer Neuregulierung der britischen Medienlandschaft werden lauter. "Es kann der Fall sein, dass wir im Zuge dieses Prozesses zu dem Schluss kommen, dass wir das Gesetz ändern müssen, dass das Eigentum an Medien und die Aspekte um das Thema Medienmacht regelt", sagte Premierminister David Cameron. Sein Vize Clegg betonte, das Land brauche eine unabhängige Medienkontrolle.

Unterdessen geriet Murdoch auch in Australien und den USA unter Druck. Die australische Premierministerin Julia Gillard sprach sich am Donnerstag für eine Untersuchung in seinem Heimatland aus. Sie sei "geschockt und angewidert" von den Eingriffen in die Privatsphäre trauernder Familien in Großbritannien, sagte Gillard. Die Grünen hatten zuvor eine parlamentarische Untersuchung zum australischen Mediensystem gefordert. News Limited, der australischen Tochter von News Corp, gehören acht der zwölf großen Lokalzeitungen in Australien.

Die US-Senatoren Frank Lautenberg und Jay Rockefeller wollen prüfen lassen, ob die Abhörpraktiken auch einen Verstoß gegen US-Gesetze dargestellt haben. Rockefeller sprach den Verdacht aus, es könnten auch US-Bürger in Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 ausspioniert worden sein, berichtete die BBC. Murdoch gehören in den USA unter anderem der Fernsehsender Fox News und die Zeitung "Wall Street Journal".

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(APA/AFP/dpa / tem) Erstellt am
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