Kultur
31.05.2017

Mörbisch: Statt Pichowetz kommt Edelmann

Noch vor erster Saison. Statt ihm folgt Peter Edelmann auf Dagmar Schellenberger.

Endstation für den 5er noch vor Fahrtantritt: Die Seefestspiele Mörbisch haben sich von Gerald Pichowetz getrennt, der 2018 die Nachfolge von Dagmar Schellenberger als Intendant antreten hätte sollen. An seiner Stelle übernimmt Bariton Peter Edelmann die Intendanz von Dagmar Schellenberger, gab Kulturlandesrat Helmut Bieler am Nachmittag bekannt (der KURIER berichtete bereits zuvor).

Am Dienstag hatte Bieler auf Anfrage des KURIER die Gerüchte um die Trennung von Pichowetz noch nicht bestätigt. Seitdem hätten sich "die Ereignisse überschlagen". Bereits seit Tagen kursierten Gerüchte, dass sich die Seefestspiele und der designierte Intendant wegen finanzieller Fragen entzweit hätten. Es soll dabei um Themen wie Investitionen und Gagen gehen.

Pichowetz: "An mir ist es nicht gescheitert"

"Es ist schade, mehr kann ich dazu nicht sagen", sagte Pichowetz zum KURIER. "Ich habe konstruktiv die letzten sieben Monate gearbeitet und auch Konzepte vorgebracht. Man ist übereingekommen, dass wir nicht zusammen kommen. An mir ist es aber nicht gescheitert." Die Seefestspiele und er seien "in konzeptionellen Dingen einfach nicht übereingelegen. Ich war der Meinung, dass wir das Ruder gleich um 180 Grad rumreißen sollten, um eine Steigerung des Kartenverkaufs Richtung serafinsche Höhen voranzutreiben. Und genau das wäre auch die reizvolle Aufgabe gewesen. Ich bin mit unorthodoxen Mitteln aufgefahren, und das Geld ist in Mörbisch auch durchaus vorhanden. Wir sind nicht im Bösen auseinander gegangen. Ich sehe aber nur dann darin einen Sinn, wenn ich auch einiges ändern kann, denn das wollte ich wirklich." Er fände es "sehr bitter", dass er "all den wunderbaren Künstlerkollegen wie Harald Serafin, Marianne Mendt, Karl Merkatz, Dorian Steidl, Franz Suhrada, Barbara Wussow, Albert Fortell, Daniela Fally oder Otto Schenk wieder absagen muss".

Seinem Nachfolger wünschte Pichowetz "Glück und gute Nerven, denn Mörbisch ist ja keine Pimperl-Bühne".

Zur medialen Aufmerksamkeit für die Trennung von den Festspielen meinte Pichowetz: "Vorige Woche wurde mit einem Stillhalteabkommen beschlossen, dass ich es nicht mache. Das Eisenstädter Landhaus hat anscheinend eine zerschossene Fassad‘, von mir ist nichts rausgesickert, ich habe nichts verraten." Nachsatz, mit einem Lachen: "In Österreich ist man kein Nestbeschmutzer wenn man rein kackt, sondern wenn man kommt und sagt, dass es stinkt…"

Er verwehrte sich auf Facebook gegen Gerüchte wegen der Gagenhöhe. "Ich hatte den Auftrag Mörbisch wieder groß zu machen, das geht nur mit großen Namen. Keiner dieser großen Namen hat eine Gage verlangt, die er/sie nicht auch sonst verlangt und auch bezahlt bekommt - und die sie auch durch ihre Beliebtheit jederzeit wieder herein spielen. Und: Wir waren erst am Beginn der Verhandlungen, über die ebenso die Geschäftsführung zu jeden Zeitpunkt informiert war."

Vorgeschichte

"Die Zahlen werden für sich sprechen", versprach Gerald Pichowetz noch bei seiner Antrittspressekonferenz. Er wollte wieder mehr Besucher nach Mörbisch locken. Die Entscheidung über die neue Intendanz traf eine fünfköpfige Jury. Die Kandidaten seien nach sieben Kriterien abgeklopft worden – von künstlerischer Kompetenz im Bereich Operette über bisherige Erfolge bis hin zur Fähigkeit, wieder mehr Besucher in die Operettenhochburg zu locken. Pichowetz sei eindeutig und -stimmig als Sieger aus dem Hearing hervorgegangen, hieß es damals.

Der Schauspieler, als "Fünfer" in der TV-Serie "Kaisermühlenblues" bekannt geworden, gründete 2001 in Floridsdorf das Gloria Theater, das auf seichte Unterhaltung setzt und dessen Leitung er für Mörbisch abgegeben hat. Wie das Kontrollamt, nun Stadtrechnungshof, 2011 in einem äußerst kritischen Bericht feststellte, wies das Theater ab dem Jahr 2003 "ein kontinuierlich anwachsendes, negatives Eigenkapital aus". Bis 2008 hatten sich Schulden in der Höhe von 1,4 Millionen Euro angehäuft. Es kam zu einem Restrukturierungsprogramm – und die Stadt sprang mit Steuergeld ein. Die Höhe wurde nicht kommuniziert.