Kultur 17.04.2012

Möbelkataloge mit Kunstanspruch

Das MAK macht die Entwürfe der Wiener Biedermeier-Möbelfabrik Danhauser zugänglich: Nicht nur die Formen, auch die Vermarktungsideen wirken sehr modern.

Er war wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Anders ist es kaum zu erklären, dass der gelernte Bildhauer Joseph Ulrich Danhauser seine 1804 gegründete Möbelfabrik innerhalb weniger Jahre zu einem führenden Einrichtungshaus der Donaumonarchie ausbauen konnte.

Eingerichtet

Der biedermeierliche Rückzug ins Eigenheim erhöhte den Bedarf nach allerhand Möbeln, nach kunstvoll drapierten Vorhängen, aber auch nach dekorativen Dingen wie Briefbeschwerern und Kleinskulpturen. Wie die Schau "Aller Gattungen Möbel" im Wiener MAK zeigt, war Danhauser in der Lage, all das zu liefern – dank eines "k.u.k. Landesfabriks-Privilegiums" zu günstigeren Preisen als die Konkurrenz.

Die gezeigte Auswahl aus über 2500 Musterzeichnungen verdeutlicht aber auch, dass die Unternehmer Danhauser im Kern immer auch Künstler blieben: Die fantasievoll wuchernden Formen der Fauteuils und Liegen, die detailverliebt ausgestalteten Interieurs waren als Vorlage für Handwerker eher unbrauchbar, doch sie konnten zweifellos die Wünsche der Kunden beflügeln.

Als Museumsstücke ihres ursprünglichen Zwecks beraubt, können die Katalog-Zeichnungen heute auch als eigenständige Kunstwerke bestehen: In den Zeichnungen des Firmengründers Joseph Ulrich Danhauser (1780–1829) sind die Möbel voluminöse monochrome Stücke, die auch in Marmor gehauen werden könnten, der Bildhauer-Hintergrund des Zeichners ist deutlich spürbar. Der Sohn Josef Franz Danhauser (1805– 1845), der auch als Maler in Erinnerung bleiben sollte, führte seine Entwürfe dagegen als farbige Aquarelle aus.

Schöner Wohnen

Obwohl weniger enthusiastisch bei der Sache als sein Vater, lieferte der jüngere Danhauser auch Vorlagen für Interieur-Ansichten, die, als Stiche reproduziert, der "Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode" beigelegt wurden. Die Danhausers waren somit auch Pioniere von Marketingmethoden, die Möbelhäuser teils bis heute anwenden.

Das MAK, das 1931 in den Besitz der Danhauser-Zeichnungen kam, möchte mit der Schau und der Online-Präsentation der Zeichnungen helfen, noch existierende Danhauser-Möbel zu erkennen: Die gesicherten Stücke gelten heute als Raritäten.

Die derzeitige Datenbank ordnet die Zeichnungen allerdings nur grob dem Vater und dem Sohn zu – damit genauere Datierungen der Möbel möglich werden, ist noch Forschungsarbeit zu leisten.

Danhauser: Möbel und Malerei

Ausstellung: "Aller Gattungen Möbel" ist bis 1. Juli 2012 im MAK, Stubenring 5, 1010 Wien zu sehen. Das Museum zeigt auch erhaltene Möbel aus der Manufaktur Danhauser. Weitere Originale sind in der MAK-Expositur Geymüllerschlössel (Pötzleinsdorfer Straße 102, 1180 Wien; geöffnet ab 12. Mai Samstag & Sonntag 11–18 Uhr) und im Hofmobliendepot (1070 Wien, Andreasgasse 7, www.hofmobiliendepot.at ) zu sehen.

Online: Der gesamte Bestand der Entwurfszeichnungen ist auf sammlungen.mak.at abrufbar.

Buch: Das malerische Werk Josef Franz Danhausers zeigt Sabine Grabner im Standardwerk "Josef Danhauser: Biedermeierzeit im Bild", Böhlau Verlag, 49 €  

( Kurier ) Erstellt am 17.04.2012