Einblick in die Schau, im Vordergrund Skulpturen von John de Andrea und Antony Gormley.

© /Mumok/Lisa Rastl

Kunst
03/16/2017

Moderne Kunst darf T-Shirt tragen

Jakob Lena Knebl kleidete wertvolle Skulpturen neu ein und wühlte im Depot: ein Spaß.

von Michael Huber

Eigentlich könnte sich das Wiener mumok bald in „memok“ umbenennen: Museum ehemals moderner Kunst. Das Haus, einst als Nachhilfeinstitut für das in Sachen Moderne begriffsstutzige Österreich gegründet, hat zuletzt viel daran gesetzt, den Kanon der Kunst seit 1945 umzustülpen.

Nachdem zuletzt Studierende („Blühendes Gift“, 2015/’16) und die Künstlerin Ulrike Müller („Always, Always Others“, 2015/’16) Hand an die mumok-Sammlung legten, ist die neue Schau „Oh... – Jakob Lena Knebl und die mumok-Sammlung“ die bisher respektloseste, aber auch witzigste Attacke auf das Museums-Korsett.

Moore im Hemd

Knebl (*1970) baute Nischen der Schausäle zu lauschigen Wohnzimmern und Sitzecken um und pflanzte sich und ihr Werk mitten zwischen, teilweise auch direkt auf die Museumsstücke: Statuen von Alberto Giacometti und Henry Moore bekamen von der Künstlerin, die Mode (bei Raf Simons) sowie Skulptur (bei Heimo Zobernig) studierte, eigens geschneiderte Kleider verpasst; eine Skulptur von Alexander Calder verschmilzt in der Schau mit einem Designerstuhl und dient als eine Art Garderobenständer.

Dabei geht Knebls „Intervention“ durchaus über ein reines Umstoßen von Hierarchien hinaus: Der Künstlerin gelingt es, den Museumsdingen starke Körperlichkeit, Dringlichkeit und manchmal auch Aufdringlichkeit zu verleihen und damit die Frage zu stellen, wie nah wir Kunst an uns heran lassen.
Jakob Lena Knebl verkleidete sich selbst mehrfach als Kunstwerk – sie ließ sich etwa ein Mondrian-Gemälde auf den Leib pinseln oder posierte als Beuys’sche „Fettecke“ in einer Raumnische. Im mumok nahm sich Knebl ein Gemälde von Ellsworth Kelly, das eine abstrakte Rundung zeigt, für ein Foto buchstäblich zur Brust: Die Trennung zwischen distanzierter Betrachtung und körperlicher Erfahrung wird lustvoll an die Wand gefahren.

Alles Hansi

Wer puristische Kunstpräsentation liebt, darf sich die Haare raufen. Dabei ist die Einbindung von Kunst ins Leben längst nicht mehr exotisch: Der „Artist Club“ von Franz West (bis 23.4. im 21er Haus) funktioniert ähnlich, ebenso Hans Schabus’ „Cafe Hansi“, das nun ebenfalls im mumok installiert wurde. An der containergroßen Box prangen außen zahllose Dinge, die „Hans“ im Namen tragen, vom Hinterseer-Plakat bis zur Han-Solo-Puppe, innen befindet sich eine Bar im minimalistischen Look. Jeden letzten Donnerstag im Monat darf das Publikum hier ab sofort die Differenzen zwischen ästhetischen Kategorien mit Bier, Wein oder Schnaps hinunterspülen.

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