Kultur
27.01.2013

Wagner mit Slapstick

Für Jubel sorgte Mnozil Brass mit "Hojotoho" im Festspielhaus St. Pölten.

Jubel bei „Hojotoho“. Die Blech-Comedy von und mit Mnozil Brass zu Leben und Werk Richard Wagners hatte am Samstag im ausverkauften Festspielhaus St. Pölten Österreich-Premiere.

Die wenig strukturierte Humoreske der „Monty Pythons der Blasmusik“ spielt mit allen Klischees, die einem zu diesem Komponisten einfallen. Deshalb wissen den skurrilen Spaß wahrscheinlich nur musikalisch wirklich weltoffene Wagnerianer zu schätzen.

Da ist kein Platz für die Beweihräucherung, Verklärung und Heiligenverehrung eines Klassikers.

Slapstick

Da treten in Slapstick-Einlagen u.a. der Trompeter Thomas Gansch in der Rolle als eitler Künstler Wagner auf und Roman Rindberger als dessen Hauptsponsor Bayernkönig Ludwig II.

Da lässt Posaunist Leonhard Paul als böser Göttervater „Wotan in Nürnberg“ vor der Pause den Teddybären tanzen.

Schließlich geht’s in der von Philippe Arlaud inszenierten Show mit Tanz, Gesang und Akrobatik um die Wurst beim tollpatschigen Siegfried (Robert Rother) in der Krachledernen, der sein Schwert aus der Tuba zieht und immer Hunger hat.

Zu den komödianischen Kasperliaden drehen die sieben Blechbläser, jeder einzelne eine Rampensau, die einen schmunzeln lässt und lachen macht, den Klang-Kosmos Wagners durch den Fleischwolf: Die Combo lässt den alten Meister etwa bei „O du, mein holder Abendstern“, Wolframs Lied aus dem „Tannhäuser“, wie einen Schlagerproduzenten aussehen. So elegant und leichtfüßig ist noch keiner mit Wagner umgegangen. Dazwischen können Kenner des bildungsbürgerlichen Klassik-Kanons „Erkennen Sie die Melodie?“ spielen.

Denn die vielen Motive aus Wagner-Opern – u. a. der „Lohengrin“-Brautmarsch, der Pilgerchor aus „Tannhäuser“, die „Meistersinger“-Ouvertüre – sind munter durchmischt mit Musik von Puccini, Haydn, Mendelssohn-Bartholdy, Verdi, Klezmer, Eigenkompositionen.

Und Jazz. Denn nach dem Untergang aller Götter helfen ohnedies nur noch die „Rettung durch Jazz“ und seine unendliche Freiheit. Oder – wie bei der Zugabe – das Gackern der Hühner.

KURIER-Wertung: ***** von *****