Mitterer-Tatort: "Es ging alles gut aus"

Ein Schuss, der beinah nach hinten losgegangen wäre: Pfurtschi (Alexander Mitterer, re.) verliert die Nerven, doch die von Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) sind wie aus Stahl.
Foto: ORF/epo-film/Bernhard Berger

Felix Mitterer hat seinen elften Tatort-Krimi geschrieben. "Lohn der Arbeit" mit Harald Krasssnitzer basiert auf einer wahren Geschichte.

Wenn ich aus der Story ein Sozialdrama mach', schaut sich das kein Mensch im Fernsehen an. Wenn's aber ein Tatort ist, hab' ich Hunderttausende Zuseher", meint Felix Mitterer. Mehr als eine Million waren es bei seinem letzten Fall, um genau zu sein.
"Baum der Erlösung" hieß der, 2009 vom ORF ausgestrahlt, und behandelte den sehr realen Konflikts um den Bau eines Minaretts in der Tiroler Gemeinde Telfs. Nach der Sendung fanden die Streithansln zueinander.
Friede, Freude, Baklava.
"Man hat ja selten das Gefühl, dass man was bewirkt, aber hier hab' ich es", freut sich Mitterer heute noch.
Ganz klar ist auch sein elfter Tatort, "Lohn der Arbeit" (Sonntag, 28. August, 20.15, ORF 2), ein Plädoyer für Zivilcourage, eine Mahnung fürs friedliche Zusammenleben. Oder wie der Autor sagt: "Diskussionsgrundlage zu einem gesellschaftspolitisch brisanten Thema."
Schwarzarbeit.
Moderne Sklaverei.

Gezahlt wird nicht

Ein Schuss, der beinah nach hinten losgegangen wäre: Pfurtschi (Alexander Mitterer, re.) verliert die Nerven, doch die von Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) sind wie aus Stahl. Foto: ORF/epo-film/Bernhard Berger Ein Schuss, der beinah nach hinten losgegangen wäre: Pfurtschi (Alexander Mitterer, re.) verliert die Nerven, doch die von Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) sind wie aus Stahl.

Ein Tiroler Bauunternehmer lässt Mazedonier für sich schuften, ohne für ihre Arbeit zu zahlen. Als er auf seiner Baustelle ermordet wird, fällt der Verdacht auf sie. Sogar bei Inspektor Franz "Pfurtschi" Pfurtscheller brennen da die Sicherungen durch. Fremdenfreundlich ist anders ...
"Auch das ist eine wahre Geschichte", so Mitterer, dem's mittlerweile so geht, "dass mich die Leut' anreden und sagen: Du, ich muss dir was erzählen, daraus musst einen Tatort machen."
Sieben mazedonische Schwarzarbeiter verputzten Rohbauten in einem Tiroler Ort. Geld sahen sie keines.
Mitterer: "Es wurde Winter, die Temperaturen lagen unter dem Gefrierpunkt. Die sieben lebten in einem Baucontainer ohne Fenster, ohne Strom, ohne Heizung, ohne sanitäre Anlagen. Dann erschien die Polizei, die Männer wurden in Handschellen gelegt und nach Skopje abgeschoben."

"In der Wirklichkeit ging alles gut aus"

Drei Menschen, die damals versuchten zu helfen, treten nun als Hauptfiguren im Film auf: der Pfarrer, ein Journalist und ein Finanzbeamter. Vor allem Letzterer ist Mitterer ans Herz gewachsen: " Weil er aus der gleichen Gegend stammt wie ich, weil er ein guter Mensch ist und weil ihm wirklich übel mitgespielt wurde. Der Unternehmer wollte den Mann sogar psychiatrieren lassen, um ihn zu beseitigen."

"In der Wirklichkeit", so Mitterer, "ging alles gut aus. Der ORF Tirol und Tageszeitungen haben Spenden für die Arbeiter gesammelt." Der Autor aber brauchte einen Mörder. "Also ging ich zu dem, den ich mir ausgesucht hab', und fragte: Du, macht's dir was, wennst bei mir der Mörder bist? Und er sagte: Nein, in der ganzen G'schicht' hätt' ich eh öfters einen erwürgen können."

Vorausgesehen: "Tatort - Lohn der Arbeit"

Ein Schuss, der beinah nach hinten losgegangen wäre: Pfurtschi (Alexander Mitterer, re.) verliert die Nerven, doch die von Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) sind wie aus Stahl. Foto: ORF/epo-film/Bernhard Berger Ein Schuss, der beinah nach hinten losgegangen wäre: Pfurtschi (Alexander Mitterer, re.) verliert die Nerven, doch die von Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) sind wie aus Stahl.

"Tatort - Lohn der Arbeit": 20.15, ORF 2 Ö, 2010.
Von Erich Hörtnagl; mit Harald Krassnitzer, Alexander Mitterer, Martin Zauner, Hilde Dalik, Alexander Strobele, Michael König.

"Am Sonntag spielen's einen Mitterer-Tatort", heißt es wahrscheinlich nicht nur in der KURIER-Kulturredaktion. Denn der Mitterer-Tatort ist innerhalb der Reihe längst eine eigene Marke. Qualitätsvoll, intelligent, schlüssig, spannend.
Das schreibt hier eine, die Fernsehkrimiautoren in der Regel zur Halbzeit auf die Schliche gekommen ist.
Bei Mitterer: Unmöglich. Er zaubert Verdächtige wie Kaninchen aus dem Hut - immer wieder hat man einen anderen auf dem Kieker - und präsentiert auch keine "einfache" Lösung.
Das von Burg und Josefstadt entliehene Ensemble agiert fein, allen voran Martin Zauner als verzweifelter Finanzbeamter. Da kann auch Harald Krassnitzer nicht anders als gut sein. Sein lädiertes Knie - nach einem Treppensturz leider echt - macht den Eisner zynisch, wortkarg und übellaunig. Das steht ihm!

KURIER-Wertung: ***** von *****

(kurier) Erstellt am
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